Verlagsgruppe Droemer Knaur



Ein neues Genre?

Einleitung

John Katzenbachs ganz besondere Verbindung von Hochspannung und Psychologie

Ob in der Literatur oder im Film: Die wahren Meister der Spannung haben sich nie allein auf Plot oder Action-Szenen verlassen. Edgar Allan Poe oder Alfred Hitchcock wussten genau: Ohne die Fantasie von Lesern oder Zuschauern, ohne ihre Identifikation mit den Gedanken und Gefühlen der Protagonisten bleibt jede Spannung oberflächlich.

Auch John Katzenbach möchte, dass seine Leser „dieselbe gefährliche Reise machen wie die Helden meiner Bücher“. Supermänner, die – chronisch erfolgreich – mit Hilfe irgendwelcher Spezialfähigkeiten oder -waffen dem Bösen das Handwerk legen, interessieren ihn nicht. Ihm geht es um normale Charaktere, um Menschen, in denen sich seine Leser wiedererkennen, in die sie hineinschlüpfen können. Die „Echtheit“ seiner Figuren ist das Ziel, dem sich Katzenbach als Autor verpflichtet fühlt. Und sicherlich ist sie auch eine wesentliche Grundlage seines Erfolgs. Denn die Faszination seiner Bücher liegt nicht zuletzt in der Genauigkeit, mit der er Geistes- und Seelenzustände seiner Protagonisten zu beschreiben vermag, in seiner ebenso klaren wie eleganten Sprache. Es ist also alles andere als eine Phrase, wenn der Autor bekennt: „Psychologie kommt in all meinen Büchern vor, weil sich echte Dramatik aus menschlichen Gefühlen entwickelt.“

„Wie reagiert eine Person auf eine schlimme Nachricht?“ „Welche Kräfte vermag sie zu entfalten, wenn sie unter Stress gerät?“ Fragen wie diese werden von Katzenbach nicht irgendwie, sondern auf der Grundlage von psychologischen Kenntnissen und Recherchen beantwortet. Hierbei kommt ihm übrigens die langjährige Erfahrung seiner Mutter zugute, die auch mit 84 Jahren noch als Psychoanalytikerin arbeitet und ihrem Sohn u.a. dabei half, die Figur des Doktor Starks für Der Patient zu zeichnen.

Die Frage, ob er mit seinen Romanen ein neues Genre geschaffen habe, verneint der Autor – auch wenn er zugibt, sich eine Nische in der Welt der Thriller erobert zu haben. Zweifellos nimmt Katzenbach unter den Thriller-Autoren eine besondere Stellung ein. Viele auf den ersten Blick naheliegende Vergleiche – etwa mit Thomas Harris, dem Autor von Das Schweigen der Lämmer, – erweisen sich bei näherem Hinsehen als unzutreffend. Auch wenn John Katzenbach also vielleicht doch kein neues Genre geschaffen hat: einen eigenen Stil ganz bestimmt.

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