Verlagsgruppe Droemer Knaur



Lügen haben kurze Beine?

Einleitung

Heike Abidi über ihr neues Buch Wahrheit wird völlig überbewertet

Einer Lüge liegt oft der Wunsch zugrunde, sich einen Vorteil zu verschaffen. Warum ist uns Friederike Engelbrecht mit ihrer Lüge trotzdem so sympathisch?

Friederike hat das alles ja gar nicht geplant. Schon gar nicht zu ihrem eigenen Vorteil, jedenfalls zu Beginn nicht. Im Grunde handelt es sich um ein harmloses Missverständnis, dann um eine Notlüge aus purer Höflichkeit, die allerdings zahllose weitere Unwahrheiten nach sich zieht. Friederike reitet sich immer tiefer rein in den Schlamassel. Doch man kann ihr kaum böse sein, denn sie hat ja im Grunde keine Chance, damit durchzukommen: Eine komplette Schwangerschaft inklusive Baby zu erschwindeln ist ungefähr so kompliziert wie eine Mondlandung zu faken…

Hand aufs Herz: Was war für Sie persönlich die lustigste Situation, in die sie aufgrund einer Lüge geraten sind?

Vor über zehn Jahren war ich mal mit ehemaligen Studienkolleginnen für eine Woche in Rom. Als ich – vor einem Laden auf die anderen wartend – von einem zutraulichen Herrn im Jopi-Heesters-Alter angesprochen und gefragt wurde, wo ich denn herstamme, antwortete ich spontan und entsprechend unüberlegt: „Warschau“. Dummerweise kannte sich der Herr dort aus und sprach sogar ein paar Brocken Polnisch, sodass mir irgendwann nichts anderes übrig blieb, als einen divenhaften Abgang hinzulegen. Der wäre wahrscheinlich ein klein wenig überzeugender rübergekommen, wenn ich nicht am Absatz eine Mülltüte hinter mir her geschleift hätte … Seitdem überlege ich es mir lieber zweimal, bevor ich solche Märchen erfinde. Jedenfalls im wahren Leben.

Haben Sie einen Tipp für Gelegenheitslügner, wie es sich besser mit der Wahrheit leben ließe? Vielleicht aus Papagei Barnabas’ unerschöpflichem Repertoire an Sinnsprüchen?

Man sollte sich merken, was man zu wem gesagt hat und was nicht. Das ist das A und O. Und das ist auch, was das Lügen so furchtbar anstrengend macht. Die Wahrheit zu erzählen, ist wesentlich einfacher. Barnabas würde vermutlich sagen: „Lügen ist nichts für Faulpelze, zum Kuckuck!“

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