Verlagsgruppe Droemer Knaur



Ariana Franklin im Gespräch über ihren Roman "Die Teufelshaube"

"Es gab eine Menge brillanter Frauen, damals im Mittelalter, doch die Kirche versuchte, sie in den Hintergrund zu drängen."

In Ihrem neuen Roman vergiften Sie Rosamund, die Geliebte des Königs, mit Pilzen! Da gibt es interessante Parallelen zur Wirklichkeit: Die echte Mätresse König Heinrichs II. soll auch Rosamund geheißen haben. Wohl eher kein Zufall, oder?

Es gibt nur wenige Hinweise auf Rosamond the Fair in den historischen Quellen, die natürlich alle von Mönchen verfasst wurden. Die haben Rosamund nicht gebilligt. Heinrich II. von England hatte, wie die meisten Könige seiner Epoche, mehrere Mätressen – sein Lieblingssohn war übrigens ein außereheliches Kind. Aber: Die Tatsache, dass Rosamund überhaupt in den alten Büchern auftaucht, zeigt schon, dass sie etwas ganz Besonderes gewesen ist. Ich habe die Geschichte, wie sie war, einfach aufgegriffen und damit weitergearbeitet.

Das Monarchenpaar scheint sich in dieser Phase seiner Ehe ja nicht gerade königlich miteinander amüsiert zu haben. Stimmt es, dass Heinrich II. seine Eleonore jahrelang eingesperrt hat?

Eleonore war elf Jahre älter als ihr Gatte. Sie war die alleinige Herrscherin über Aquitanien, was heute Westfrankreich ist. Sie war unheimlich reich und mächtig. Aus der Ehe mit Heinrich sind acht Kinder hervorgegangen und es scheint, dass die beiden lange Zeit glücklich miteinander waren. Doch Eleonore wurde eifersüchtig – nicht nur auf Rosamund, sondern auch auf Heinrich. Er stellte sie mit seiner Gerissenheit und Dynamik in den Schatten, so wie er jeden in den Schatten stellte. Als seine älteren Söhne mehr Macht wollten, als er ihnen zugestand, rebellierten sie gegen ihn. Eleonore unterstützte sie in ihrem Ansinnen. Und tatsächlich: Schließlich wurde sie eingesperrt und gefangen gehalten. Aber ihr Arrest war milde. Es heißt, ihr Mann habe ihr Geschenke geschickt und sie an Weihnachten und Ostern herausgelassen.

Mit welchen politischen und gesellschaftlichen Problemen mussten sich die beiden im 12. Jahrhundert herumschlagen?

Nach ihrer Heirat mit Heinrich II. verschwand Eleonore weitgehend von der politischen Bildfläche. Bis zu ihrer Rebellion gegen den König spielte sie das ergebene Weib. Heinrich musste es mit einem England aufnehmen, das durch einen harten Bürgerkrieg gegangen war. Den hatte seine Mutter gegen seinen Onkel geführt – und England war dadurch nahezu zerstört worden. Heinrich II. brachte Frieden übers Land und führte neue Handlungsweisen ein, von denen die Engländer profitierten. Nicht zuletzt ein völlig neues Justizsystem, das England im Großen und Ganzen heute noch hat.

Ihre deutschen Leser warten schon ungeduldig darauf, Adelia wieder zu treffen. Für alle, die noch nicht das Vergnügen hatten, ihre Heldin kennen zu lernen: Wie würden Sie sie beschreiben?

Wie schön, dass meine deutschen Leser Adelia mögen! Ich tue es auch. Es gab eine Menge brillanter Frauen, damals im Mittelalter, doch die Kirche versuchte, sie in den Hintergrund zu drängen. Seit Die Totenleserin wissen wir, dass es da diese wundervolle medizinische Akademie in Salerno gab, eine Stadt, die damals Teil des Königreichs Siziliens war. Und die bildete Frauen aus. Es gibt nämlich einen wissenschaftlichen Aufsatz über weibliche Medizin, den eine der Schülerinnen geschrieben hat. Und obwohl Adelia ihrer Zeit weit voraus zu sein scheint, könnte sie tatsächlich existiert haben: eine gescheite, gebildete, unbeugsame, etwas halsstarrige Frau, die so tun musste, als würde ihre Arbeit von einem Mann verrichtet werden. Denn, wenn sie sich als Frau zu erkennen gegeben hätte, wäre sie von der Kirche für ihre Verwegenheit bestraft worden.

Sie haben ein neues Abenteuer für Adelia und Sir Rowley geschrieben. Wieder erschaffen Sie eine grandiose Kulisse und eine lebendige Geschichte für beide. Was fasziniert Sie besonders an dieser Epoche?

Die Leute schmeißen gerne alles in einen Topf, was mit dem Mittelalter zusammenhängt. Aber das 12. Jahrhundert war für mein Empfinden das Schönste in dieser Epoche – eine Zeit warmer Sommer, die die Ernten üppig machte und eine Zeit harter, klirrend kalter Winter, die viele Krankheiten ausmerzte. Es war eine Zeit der Renaissance, die Lust an der Literatur und am Lernen erblühte allerorten. In England gab es damals jedenfalls keine Verbrennung von Hexen und Ketzern. Das alles änderte sich schlagartig, als der Schwarze Tod, die Pest, im 14. Jahrhundert ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Das hing auch mit der schlechten Witterung zusammen, die den Hunger zurückbrachte und Rattenplagen verursachte. Es war die Zeit, in der die Seuche die Welt für ihre Sünden zu bestrafen schien. Die Kirche wurde übermächtig und missbrauchte ihre Vormachtstellung. Und sie brachte die Stimmen, die sich gegen sie erhoben, auf grausame Weise zum Schweigen.

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