Verlagsgruppe Droemer Knaur



Dichtung und Wahrheit: England im Jahre 1172

Einleitung

Hintergrundinformationen zu Ariana Franklins "Teufelshaube"

Eine scharfzüngige Heldin, bigotte Kirchenmänner, ein zerstrittenes Monarchenpaar – und eine Handvoll patenter Frauen, die lange nicht so ergeben sind, wie es die Zeit von ihnen verlangt: Kaum eine Autorin versteht es, das mittelalterliche England in eine derart spannende und bunte Kulisse zu verwandeln wie Ariana Franklin. In ihren Romanen werden sowohl die erdachten Figuren als auch die historischen Persönlichkeiten zu Menschen aus Fleisch und Blut.

Im Folgenden erfahren Sie etwas über das echte Königspaar der damaligen Epoche, das in "Die Teufelshaube" seine unvergesslichen Auftritte hat. Spannend: König Heinrich II. und seine Gattin Eleonore von Aquitanien verband tatsächlich eine fast vier Dekaden andauernde, nervenaufreibende Hassliebe.

König Heinrich II. (1133 – 1189)
Heinrich Plantagenet, Graf Heinrich von Anjou, Herzog der Normandie und von Aquitanien sowie König von England, Wales, Schottland, Ostirland und Westfrankreich herrschte über ein riesiges Reich. Kein englischer König vor ihm verfügte über ein größeres Herrschaftsgebiet, was zeitlebens Neider auf den Plan rief und territoriale Auseinandersetzungen mit sich brachte. Seine Vorliebe für Umhänge trug ihm den Spitznamen "Kurzmantel" ein. Unter der Herrschaft Heinrich II. wurde ein Rechtssystem eingeführt, das Common Law, das die Basis für das noch heute im angelsächsischen Raum geltende Justizwesen bildet. Bis dahin wurden Menschen in Fässer getaucht, um zu sehen, ob sie schuldig waren oder nicht – und Männer kämpften in Wettbewerben um ihr Landrecht.

Als junger Mann wurde Heinrich zum Ritter geschlagen und übernahm die Herzogtümer Normandie und Anjou. Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien heirateten 1152 und wurden zwei Jahre später in Westminster zu Königen gekrönt. Durch diese Verbindung brachte Heinrich zusätzliche Güter und Ländereien in seinen Besitz: die Touraine, Aquitanien und die Gascogne.

Das Paar hatte acht gemeinsame Kinder – unter ihnen Richard I., genannt Richard Löwenherz, dessen Gefangenschaft in die Geschichte einging (siehe auch bei Robin Hood). Heinrich versuchte in den 1160er Jahren, das Reich unter seinen vier Söhnen aufzuteilen, pochte aber auf das Recht, die Hoheit in allen Teilgebieten bis zu seinem Tod zu behalten. Dagegen rebellierten seine Söhne. Ungeheuerlich: Der Aufstand wurde von Königin Eleonore tatkräftig unterstützt. So kam es zum Zerwürfnis zwischen den Eheleuten: Heinrich wollte sich scheiden lassen, ließ seine Gattin in Haft setzen und gab eine offizielle königliche Mätresse bekannt: Rosamund Clifford.

Die Söhne Richard Löwenherz und Johann Ohneland griffen den Vater 1189 an und besiegten ihn. Heinrich II. musste Richard als alleinigen Erben anerkennen. Zwei Tage später starb der König bei Chateau Chinon; sein Grab befindet sich in einem Kloster in Anjou.

Königin Eleonore von Aquitanien (1122 – 1204)
Die Tochter des Herzogs Wilhelm X. von Aquitanien war eine schöne, gebildete und gnadenlos ehrgeizige Dame sowie eine Patronin der schönen Künste. Sie war erst Königin von Frankreich, dann Königin von England und eine der politisch einflussreichsten Frauen des Mittelalters. In erster Ehe – aus der zwei Mädchen hervorgingen – war sie mit Ludwig VII., genannt Le Jeune, verheiratet. Schon an der Seite des französischen Monarchen gewann sie politische Macht. Die Ehe wurde 1152 annulliert. König Heinrich II. war ihr zweiter Mann. Beide Könige soll sie betrogen haben.

Noch im Jahr ihrer Scheidung heiratete die willens- und mitgiftstarke Eleonore den elf Jahre jüngeren Heinrich Plantagenet. Ein Skandal – und eine Entscheidung, die das politische Klima der damaligen Zeit nicht gerade verbesserte. Eleonores Ehe mit Heinrich verlief turbulent. Sie unternahm viele ausgedehnte Reisen mit ihm und ihrem eigenen Hofstaat und genoss zunächst viele Freiheiten. Doch der König begann, ihren Einfluss zu fürchten. Als sie sich auf die Seite ihrer Söhne schlug, stellte er sie gnadenlos unter Hausarrest. Es heißt, dass Heinrich mit der Tochter von Eleonores erstem Mann, König Ludwig VII., eine Beziehung hatte. Jene Alice soll dem König mehrere Kinder geboren haben.
Nach Heinrichs Tod, 1189, wurde Eleonores Sohn Richard Löwenherz als Richard I. zum König von England gekrönt und damit zu einem der mächtigsten Herrscher Europas. Während dessen Gefangennahme übernahm Eleonore die Regentschaft in England und vereitelte den Plan ihres jüngsten Sohns Johann Ohneland, sich 1193 mit Frankreich gegen Richard zu verbünden. Am Ende ihres Lebens zog sie sich in ein französisches Kloster zurück, in dem sie 1204 im Alter von 82 Jahren verstarb.

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