Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Antonia Michaelis

10 persönliche Fragen

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Beschreiben Sie sich mit 3 Worten!
Chaos par excellence.
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Schlechte Laune machen mir zum Beispiel Leute, die mich anbrüllen, weil sie finden, dass ich im Parkhaus zu eng neben ihrem Auto parke (was ich nicht verhindern kann, da es der letzte Parkplatz ist) und sie zu dick sind, um jetzt noch einzusteigen (ist mir gerade passiert).
Freude macht mir, wenn Annabell (10) ohne Hilfe das Wort KASE schreibt (das heißt Katze. Und es ist, in Annabells Fall, ein Fortschritt)
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?
Du meine Güte, was für ein hektischer Tag! Mit welchem Verkehrsmittel bin ich denn unterwegs? Die deutsche Bahn wäre, falls ich nicht umsteigen müsste, in Ordnung; ich habe eine gewisse Übung darin, in völlig überfüllten Fluren mit dem Laptop auf den Knien zu arbeiten.
Flugzeug ist schon unbequemer, außerdem darf man da beim An- und Abflug den Computer nicht anmachen …
Um Zeit zu sparen, schlage ich vor: Frühstück in unserer Küche, Mittagessen (lasse ich normaler Weise ausfallen) im Garten und Abendessen im Wohnzimmer.
Ich reise, wirklich, sehr gerne, aber nicht an einem Tag in drei Länder, jedenfalls nicht freiwillig, denn so ein Tag sähe meinem wirklichen Leben, vom Hektik-Faktor, zu ähnlich. Ich hatte mal innerhalb einer Woche eine Lesereise in die Türkei und nach Sri Lanka, das reicht.
Kaffee oder Tee?
Beides, und bitte stark.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Ich wache auf und stelle fest, dass ich durch den berühmten Improbability Drive auf eine einsame griechische Insel katapultiert worden bin, auf der es an Nicht-Einheimischen nur mich und meinen Laptop gibt. Ich wandere mit dem Laptop in ein Café mit Steckdose für Notfälle, gucke beim Schreiben aufs Meer und wandere, wenn mir nichts mehr einfällt, ein paar Stunden die Berge hinauf und wieder hinunter. Ich kommuniziere hierbei ausschließlich mit Schafen und Zikaden, schreibe allerdings eine Postkarte an meine Kinder und meinen Mann, die ich sehr liebe, vor allem, wenn sie abwesend sind. Die Sonne sinkt kitschig ins Meer, während ich nicht hingucke und weiterschreibe, und dann darf ich ins Bett fallen und schlafen. Und kein Baby schreit und kein Reporter ruft an und kein Förderkind möchte Dreisatzrechung erklärt haben und kein Theaterprojekt muss geplant werden und keine Maus hämmert und sägt unter den Dielen unseres alten Hauses Nüsse auseinander.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?
Wenn ich das wüsste, wäre ich Hirnforscher. Ich gehe gern spazieren und frage, wenn mir nichts einfällt, die Seeadler (davon gibt es hier mehr als Menschen). Wenn ich ein Problem in einer Geschichte nicht lösen kann, frage ich meinen Mann, falls er zufällig gerade zu Hause ist. Da er nicht oft zu Hause ist, bleiben manche Probleme in Büchern ungelöst.
Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Gearbeitet habe ich in Kliniken und als Lehrerin. Unterrichten tue ich immer noch, lernschwache Nachbarskinder. Und ist Theaterspielen und Regie führen Arbeit?
Ja, alternativ DAZU … wäre ich gerne beruflich Katze oder Regenwurm. Das muss sehr schön ruhig sein.
Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Kate Atkinson. Wenn sie nicht neuerdings Serien schreiben und so tun würde, als wäre sie Martha Grimes! Haruki Murakami. Wenn er sich mal dazu durchringen könnte, seine Plots zumindest ansatzweise aufzulösen. Thomas Pynchon. Wenn er nicht so bekannt wäre. Arno Schmidt. Wenn Zettels Traum nicht so unhandlich wäre. Peter Panter, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger und den Rest, natürlich.
All diese Leute machen nicht oft den Fehler, sich selbst ernst zu nehmen; ich mag ihre Sprache und ihre skurrilen Figuren.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Salmon Fishing in the Yemen von Paul Torday.
Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Keines. Lesen ist nichts, was man muss. Als Auch-Kinderbuchautorin werde ich immer wieder in die Ecke gedrängt, Lesen pädagogisch vermitteln zu sollen. Lesen darf man. Es ist ein Privileg, keine Pflicht. Wer lieber fernsieht, von mir aus.
Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen?
Mephisto. Ich verdanke ihm mein Abitur.
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?
Bei der Entstehung dieses Fragebogens.
Wenn Sie die berühmten 3 Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?
Schlafen, Schlafen, Schlafen.
Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Niemals meine Lebensphilosophie preis zu geben. Ich verstecke sie irgendwo in den Büchern, aber wenn man sagt, was man will, ist der Zauber weg. Das ist, als würde man einen Maler abstrakter Bilder fragen: Und? Was ist es? Von mir erfahren Sie nicht einmal, wie rum man das Bild aufhängen muss, denn das herauszufinden, ist ja der ganze Spaß.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Ja. Auch fertig und einmal überarbeitet im Computer. Ich arbeite am übernächsten.

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