Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Bernard Minier im Porträt

Einleitung

"Bernard Minier ist ein exzellenter Erzähler und ein Meister der Spannung. Großes Kino!" Le Figaro

Mit 51 Jahren hat sich der französische Autor Bernard Minier dem Thrillergenre zugewandt und mit seinem Debüt sogleich eine Punktlandung vorgelegt. Schwarzer Schmetterling gewann zahlreiche Preise und wurde von Lesern und Presse hoch gelobt. Auch in Deutschland hat der Autor erfolgreich den Sprung auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Mit seinem zweiten Psychothriller Kindertotenlied beweist Minier erneut, dass er ein Meister der düsteren, beklemmenden Atmosphäre ist, der seine Leser gekonnt in einen Zustand faszinierten Grauens und atemloser Spannung versetzt. Entdecken Sie einen Schriftsteller, von dem in Zukunft noch viel zu hören sein wird!

Geschrieben hat der 1960 im Südwesten Frankreichs geborene Bernard Minier eigentlich schon immer, erzählt er in unserem Interview. Seit seiner Kindheit in den Ausläufern der Pyrenäen hat der Franzose die unterschiedlichsten Geschichten zu Papier gebracht und wurde für seine Kurzgeschichten mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Aber an einen Roman hat er sich lange nicht gewagt: "Die Anforderungen, die ich an mich selbst stelle, waren schon immer sehr hoch ... Ich bin Perfektionist und kann meine Texte erst dann veröffentlichen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie wirklich soweit sind," gesteht Minier. Während eines Geschichtenwettbewerbs traf er auf den Schriftsteller Jean-Pierre Schamber, dem Schwarzer Schmetterling u.a. gewidmet ist. Nachdem Schamber die ersten 60 Seiten des Manuskripts gelesen hatte, das in den Tiefen von Miniers Schublade schlummerte, drängte er ihn weiterzuschreiben. "Das gab mir den entscheidenden Anstoß ... Ohne ihn wäre dieses Buch nie entstanden."

Am Genre des Thrillers reizt Minier in erster Linie "das Katz-und-Maus-Spiel". Es gefällt ihm, "mit den Nerven und Emotionen des Lesers zu spielen" und mit seinen Texten "bestimmte Gefühlslagen zu evozieren: Angst, Neugier, Staunen, Ungeduld, Horror, Entsetzen etc." Gleichzeitig möchte Minier aber seine Thriller nicht ausschließlich auf die Spannungsmomente reduziert wissen: "Ich möchte auch ein Bild unserer Zeit zeichnen und habe einiges über die französische Gesellschaft von heute und über unsere moderne Gesellschaft im Allgemeinen zu sagen." Das rückt Minier in die Nähe skandinavischer Krimiautoren, deren Werke er sehr bewundert (insbesondere Jo Nesbø, Henning Mankell und Arnaldur Indriðason). Minier bezeichnet sich selbst als "eklektischen Vielleser", der eine große Bandbreite an Literatur verschlingt. Zu seinen Lieblingsautoren zählen Nabokov, Grass, Thoma Bernhard, Salinger und Borges.

Nach seinen Schreibgewohnheiten gefragt, beruft sich der Franzose gerne auf Stephen King, der einmal erklärt hat, dass er jeden Tag außer an Weihnachten schreibe, im kleineren Kreis aber zugeben musste, dass er eigentlich selbst an Weihnachten schreibe und das nur sage, um seine Leser nicht zu erschrecken. "Mir geht es eigentlich genauso," sagt Minier, "jeden Morgen starte ich meine Kaffeemaschine und meinen Computer und schreibe an sieben Tagen der Woche, meistens ab acht Uhr morgens ... Wenn ich ausnahmsweise einmal nicht schreibe, dann versuche ich vor allem eines zu vermeiden: Routine."

Aufgewachsen ist Minier am Rande der Pyrenäen in der kleinen Stadt Montréjeau in der Region Comminges. "Mein Vater war Lehrer und unser Haus war voller Bücher – das war für mich ausschlaggebend und der wichtigste Teil meiner Ausbildung." Nach der Schule studierte er einige Semester in Toulouse und arbeitete danach in der Verwaltung. Minier lebt mit seiner Frau heute in der Nähe von Paris; ihre zwei Kinder sind mittlerweile erwachsen. Der Erfolg von Schwarzer Schmetterling erlaubt es ihm, sich nun ganz dem Schreiben zu widmen – ein Privileg, das er als "unglaubliches Glück" bezeichnet.

Als Schauplatz für Schwarzer Schmetterling hat Minier die Landschaft und Gegend seiner Kindheit gewählt: "Das ist nicht weiter verwunderlich," erklärt er, "während meiner gesamten Kindheit hatte ich stets die Pyrenäen vor Augen, deren Bedeutung für mich mit Melvilles weißem Wal vergleichbar ist: zugleich allgegenwärtig, mysteriös und unerreichbar." Auch wenn der Schauplatz des Thrillers – Saint-Martin-de-Comminges – der Fantasie des Autors entspringt, so findet man ähnliche Städte in dieser Gegend und Saint-Martin erinnert stark an den Ort Luchon. "Die abgeschiedene und ursprüngliche Region Comminges im Herzen der Pyrenäen gibt es wirklich," erklärt Minier, "ich habe lediglich die örtlichen Begebenheiten etwas verrückt." So hat er das wirklich existierende Wasserkraftwerk um 50 Kilometer verschoben, ebenso wie das enge Tal, das zum Institut Wargnier führt: "Meine Beschreibungen basieren auf einem kleinen Tal, das ich eines nachmittags während eines schlimmen Schneesturms mit einem Freund durchquert habe. Mein Freund, der am Steuer saß, befürchtete, dass wir nicht mehr umkehren könnten und dort die Nacht über festsitzen würden. Ich dagegen war absolut fasziniert und füllte Seite um Seite meines Notizbuches. Endlich hatte ich den Ort gefunden, nachdem ich solange gesucht hatte."

Die Enge und Düsternis des abgelegenen Tals, die harten Winter und die Verschlossenheit der Einwohner werden in Schwarzer Schmetterling eindrücklich beschrieben. Minier weiß, wovon er schreibt und lässt das Lokalkolorit gekonnt in seinen Roman einfließen. Von der ersten Seite an schafft er eine düstere, beklemmende Atmosphäre, die den Leser unweigerlich in ihren Bann zieht und einen unglaublichen Lesesog entwickelt.

Auch in seinem zweiten Thriller Kindertotenlied erweist sich Minier als Meister der Atmosphäre, der den Leser in einen Zustand faszinierten Grauens und atemloser Spannung versetzt. Kindertotenlied spielt zwei Jahre nach den Geschehnissen von Schwarzer Schmetterling und abermals stehen Kommissar Martin Servaz und sein Team im Mittelpunkt. "Aber die Geschichte ist völlig anders," erklärt Minier, "keine Berge und ein neuer Schauplatz, der aber genauso faszinierend ist und dem Leser viele Überraschungen und Spannungsmomente bietet."

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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