Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Iny Lorentz im Interview zu "Das goldene Ufer"

Wir stehen immer auf der Seite der Unterdrückten.

Iny Lorentz

Das goldene Ufer ist der erste Band von Iny Lorentz’ neuer, großer Auswanderersaga. Spannend und bewegend erzählt das Bestsellerduo die aufregende Geschichte von Gisela und Walther, die im 19. Jahrhundert aus Deutschland fliehen müssen und sich in Amerika ein neues Leben aufbauen. Wir haben die Autoren zum Start ihres spannenden historischen Vierteilers zum Interview gebeten.

Das goldene Ufer erzählt die Geschichte von Gisela und Walther, die sich auf den Schlachtfeldern von Waterloo das erste Mal begegnen und am Ende gemeinsam aus Deutschland fliehen, um sich in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Iny Lorentz: Elmars Interesse an der Geschichte von Texas wurde schon früh durch den Film The Last Command (1955) mit Sterling Hayden als Jim Bowie geweckt.  Auch später kam er immer wieder auf dieses Thema zurück und las alles, was er darüber finden konnte.  Am tiefsten berührte ihn dabei das 1986 - übrigens  auch bei Droemer-Knaur - erschienene Buch Texas von James A. Michener, der darin die Geschichte von Texas in romanhafter Form dargestellt hat. Ein weiterer wichtiger Ansporn war der 1994 erschienene Roman Stolze Frauen, weites Land von Janice Woods Windle, in dem diese die Geschichte ihrer Familie und deren Einwanderung nach Texas behandelte.

Den ersten Versuch, einen Roman zu schreiben, der in Texas spielt, machte Elmar bereits sehr früh, gab es allerdings vor der Fertigstellung auf, da er zu dem Zeitpunkt begann, Kurzgeschichten für SF-und Fantasy-Anthologien zu schreiben.

2005 machten wir die Bekanntschaft eines Redakteurs beim ZDF, der in Texas gewesen war und gerne mit uns zusammen an einem Roman darüber geschrieben hätte. Zwar wurde im Endeffekt nichts daraus, doch Elmars Wunsch, Texas als Thema eines Romans zu wählen, war erneut geweckt. Es dauerte jedoch etliche Jahre, bis die Zeit dafür reif war und es ist nicht zuletzt unserer „Trettin“-Trilogie mit Dezembersturm, Aprilgewitter und Juliregen zu verdanken, dass wir diese vier Romane jetzt verwirklichen  können.

Das goldene Ufer ist, wie auch bereits Ihre „Trettin“-Trilogie, im 19. Jahrhundert angesiedelt. Haben Sie genug vom Mittelalter? Oder, anders gefragt, was reizt Sie am 19. Jahrhundert?

Iny Lorentz: Das Mittelalter ist für uns noch immer sehr wichtig und wir werden auch weiterhin Romane schreiben, die in dieser Epoche spielen. Uns interessieren jedoch auch die sozialen und politischen Verwerfungen des 19. Jahrhunderts samt ihren schnellen industriellen Entwicklungen, die das Leben der Menschen oft aus der Bahn geworfen haben, und halten diese Zeit für ein Panorama, in dem spannende und emotionale Geschichten vor einem ebenso faszinierenden Hintergrund wie dem Mittelalter angesiedelt werden können. Beide Zeiträume – wobei sich das Mittelalter über 1000 Jahre erstreckt – bieten eine Fülle interessanter Situationen und Ereignisse, die uns einfach anspornen, darüber zu schreiben.  

Das Thema Auswandern steht im Mittelpunkt Ihres Vierteilers. Was hat Sie an diesem Thema so besonders fasziniert?

Iny Lorentz: Wer sich mit der Historie beschäftigt, stößt unweigerlich auf Menschen, die ihre Heimat verlassen, um in einem fremden Land einen neuen Anfang zu wagen. Für uns ist es immer wieder faszinierend, den Spuren dieser Leute zu folgen und Berichte über ihr Schicksal zu lesen. Viele machten ihr Glück, doch für andere war es eine Reise in den Tod und es ist manchmal  erschütternd zu lesen, wie Hoffnungen so sehr enttäuscht wurden.

Auswandern ist heute lange nicht mehr so gefährlich wie im 19. Jahrhundert. Haben Sie selbst auch schon mal daran gedacht, zu „neuen Ufern“ aufzubrechen, sprich auszuwandern?

Iny Lorentz: Nein, das haben wir nicht. Wir fühlen uns hier sehr wohl. In weniger als einer Stunde sind wir in unserer Agentur oder beim Verlag Droemer-Knaur, und das ist uns sehr wichtig. Zwar würden wir uns auch woanders zurecht finden, doch ein Umzug in eine ferne Umgebung und die Eingliederung in eine fremde Kultur samt einer fremden Sprache würde uns bei dem stören, was uns am wichtigsten ist, nämlich dem Schreiben.

Wenn Sie auf Reisen sind, gerade im weit entfernten Ausland, was bedeutet da Heimat für Sie und was ist für Sie im Reisegepäck unverzichtbar?

Iny Lorentz: Heimat ist für uns der Ankerpunkt, von dem aus wir aufbrechen und zu dem wir zurückkehren. Unverzichtbar sind für uns Bücher, denn die freien Stunden unterwegs sind für uns die beste Gelegenheit zu lesen.

Können Sie uns etwas über den historischen Hintergrund der Auswandererwelle im 19. Jahrhundert erzählen?

Iny Lorentz: Die Auswandererwelle im 19. Jahrhundert hatte mehrere Gründe. In zweiten Jahrzehnt war es vor allem der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien, der in Europa für mehrere kalte, verregnete Sommer und große Ernteausfälle sorgte. Die Folge waren hohe Lebensmittelpreise und eine allgemeine Not. Viele Leute hofften damals auf ein besseres Leben in Amerika. Die beginnende Industrialisierung sorgte für den Niedergang vieler Handwerkszweige, so dass viele Handwerkerfamilien den Weg über den Ozean antraten. Dazu kam dann auch noch das Scheitern der Revolution von 1848. Viele, die daran teilgenommen hatten, mussten aus Deutschland fliehen, da ihnen die Hinrichtung oder lange Zuchthausstrafen drohten. Andere verließen aus Enttäuschung die Heimat, da sie ihre Hoffnung auf Demokratie und persönliche Freiheit verloren.

Wie sind Sie bei der Recherche zu Ihrem Roman vorgegangen? Gibt es für die Figuren und Schauplätze reale Vorbilder?

Iny Lorentz: Das Schicksal unserer Auswanderer Gisela und Walther ist eine freie Interpretation von Schicksalen echter Auswanderer aus jener Zeit. Auch die Vorgeschichte der beiden in Deutschland wurde entsprechend der damaligen sozialen Kultur und den politischen Gegebenheiten entworfen. Die Schauplätze sind zum Teil erfunden (Schloss Renitz), zum großen Teil aber echt. Auch haben wir in diesem Roman einige historische Persönlichkeiten mit eingebaut. Deren Zahl wird sich in den folgenden Bänden noch steigern.

Sie stellen in dem Roman das Leid und den Kampf der kleinen, unterdrückten Leute dem Machtstreben und der Bosheit der Adligen, privilegierten Schicht gegenüber. Verstehen Sie sich als Advokat der einfachen Leute?

Iny Lorentz: Wer unsere Romane kennt, weiß, dass wir immer auf der Seite der Unterdrückten stehen, sei es bei der Wanderhure Marie, oder eben hier bei Gisela und Walther. Allerdings gibt es bei uns nicht stereotypen Gegensatz zwischen einfachem Volk und Adel. Einige unserer Heldinnen entstammen durchaus besseren Kreisen, müssen sich aber trotzdem gegen ihre Umwelt durchsetzen, wie z.B. Irmela von Hochberg in Die Feuerbraut, sowie die Bürgerstöchter Tilla und Veva in Die Pilgerin und Die Ketzerbraut. Auch Ciara aus Feuertochter entstammt dem Adel.

Das goldene Ufer ist der erste Band eines Vierteilers. Worin liegt für Sie der Reiz einer Fortsetzungsgeschichte?

Iny Lorentz: In diesen vier Bänden können wir in einem Zeitrahmen von über fünfzig Jahren die Schicksale zweier Generationen erzählen. Es ist für uns äußerst reizvoll, den Bogen von der Einwanderung der Eltern bis hin zur Enkelgeneration spannen zu können.

Im Nachwort kündigen Sie bereits den zweiten Band an. Können Sie uns ein wenig verraten, wie die Geschichte von Walther und Gisela in Amerika weitergeht?

Iny Lorentz: Gisela und Walther leben sich in ihrer neuen Heimat ein, doch gibt es bald neue Probleme und es tauchen neue Charaktere auf, die im Verlauf der weiteren Bände eine große Bedeutung haben werden. Es gibt Freunde und Feinde. Walther wird vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben verändern wird. Außerdem werden in diesem Roman die ersten Kinder geboren.

Iny Lorentz, wir danken für das Interview!

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