Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Claudia und Nadja Beinert

Die beiden Autorinnen ganz persönlich

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Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
Claudia: Spontan, lebensfroh, bis-zur-Erschöpfung-strukturiert.
Nadja: Engagiert, wissensdurstig, besonders-empfänglich-für-Lachanfälle.
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Nadja: Nörgelei und ständige Unzufriedenheit anderer Menschen mag ich nicht. Gute Laune bekomme ich bei glücklichen Gesichtern und bei Ketchup. An ersterem kann ich mich nicht satt sehen und an letzterem nicht satt essen (was mir den Beinamen Ketchup-Queen eingebracht hat).
Claudia: Mir machen Musik und der Geruch von Holzkohle auf einem Grill gute Laune. Wenn dann auch noch Thüringer Rostbratwürste gebrutzelt werden, mmh, einfach unverwechselbar! Schlechte Laune kann ich mir nur schwer bei Unhöflichkeiten im Alltag verkneifen.
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?
Claudia und Nadja: Da sind wir uns einig. Frühstück in Südfrankreich auf einer Terrasse mit Meerblick und frischen Croissants, Mittag in Neundorf (mitten in Sachsen-Anhalt): Pflaumenknödel mit Zucker und Zimt von und mit der Mutti, Abendessen mit Pasta Frutti di Mare in einem Florentiner Hinterhof an einem riesigen Tisch mit Freunden.
Kaffee oder Tee?
Claudia:: Kaffee – am liebsten mit Sojamilch und schön cremig, sodass er kaum durch ein Sieb geht.
Nadja: Kaffee – frisch gemahlen und frisch gebrüht.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Nadja: Nach dem Ausschlafen gemütlich frühstücken, danach in die Bibliothek gehen und vor den Regalen voller Bücher entlang spazieren. Ich habe viel Zeit, in jedes interessante Buch hineinzuschmökern. Den perfekten Tag lasse ich mit einem guten Glas Rosé-Wein ausklingen.
Claudia: Mein perfekter Tag beginnt damit, dass ich vom Vogelgezwitscher vor meinem Fenster geweckt werde. Danach würde ich in Aufbruchstimmung für das nächste Buch beginnen, in meinem Lieblingscafé Plot und Figuren zu skizzieren – auf einem einfachen weißen Blatt Papier. Danach treffe ich Familie und Freunde. Ich bin Herbstfan – also am liebsten an einem Tag im Oktober mit allen Düften und Farben, die dazu gehören und nicht wärmer als 18 Grad.
Woher kommt die Inspiration zu Ihren Büchern?
Claudia und Nadja: Die Inspiration für Geschichten stammt von interessanten Personen und Fakten, die wir bei der Recherche entdecken. Die Formung der Figuren nehmen wir aus bisher Erlebtem, aus Alltagssituationen und natürlich aus unserer eigenen Gefühlswelt. Um herauszufinden, ob knifflige Szenen wie vorskizziert funktionieren, proben wir sie zu zweit mit verteilten Rollen. Nicht selten enden solche Proben aber auch in einem Lachanfall. Nicht über die Figuren, sondern beispielsweise über die Grimasse, die Nadja aufsetzt, um den fiesen Erzbischof zu mimen.
Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Nadja: Mich packt regelmäßig das Fernweh und nirgendwo sonst könnte ich das besser ausleben, als als Reisejournalistin. Über ferne Länder und fremde Kulturen zu berichten, würde mir großen Spaß machen.
Claudia: Ich sehe mich mit Kochschürze und großer Haube in einem Restaurant. Vorstellen kann ich mir auch eine „Beschäftigung“ als Neuzeit-Hippie. Was ein Neuzeit-Hippie ist? Jemand, der die Freiheit hat zu tun, wozu ihn die Inspiration verleitet. Jeder Tag birgt damit das Potenzial für neue Eindrücke, interessante Begegnungen und Selbstverwirklichung.
Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Nadja: Ich lese Bücher verschiedener Autoren. Am liebsten mit Schauplatz Deutschland und die Emotionen dürfen nicht zu kurz kommen. Ich kann mich an ein Buch erinnern, dessen Charaktere mich so gefesselt haben, dass ich das Buch verzweifelt auf den Boden warf, weil die Liebenden nicht glücklich bis ans Lebensende sein durften.
Claudia: Ich halte es mit der Vielfalt wie Nadja und dementsprechend groß ist die Anzahl der Lieblingsautoren. Zuletzt war ich begeistert von Richard Harris und von Andrew Davidson. Deren Geschichten sind wortgewaltig und humorvoll. Ich musste an Stellen schmunzeln, an denen ich es niemals erwartet hätte.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Claudia: Zuletzt habe ich „Ali Baba und andere Räubergeschichten“ gelesen. Ich hatte das Buch am Wochenende zuvor auf einem Flohmarkt erstanden.
Nadja: Ich las kürzlich „Die Truhen des Arcimboldo“ von Hanjo Lehmann. Ein historischer Roman über brisante Dokumente des Vatikans, die die Unfehlbarkeit des Papstes ins Wanken bringen.
Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Nadja: „Noch’n Gedicht“ von Heinz Erhardt – herrlich unbekümmerter Wortwitz.
Claudia: „Der Zauber der ersten Seite“ von Laurence Cossé. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Lesen und Schreiben.
Beide: Für jüngere Leser empfehlen wir „Timur und sein Trupp“ von Arkadi Gaidar. Ein Buch über Freundschaften und Hilfsbereitschaft – unabhängig vom politischen Hintergrund, vor dem es geschrieben wurde. Als Kinder haben wir das Buch sogar nachgespielt: Wir sind wie Timur auf Bäume geklettert und haben in der Stadt versucht, älteren Menschen zu helfen, indem wir ihnen die Einkäufe nach Hause trugen.
Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?
Claudia: Ich träfe gerne eine Frau des Mittelalters. Auf einen unverdünnten Wein würde ich sie einladen und mich über Alltagsthemen den Gedanken, die sie wirklich bewegen, nähern. Wahrscheinlich bewertete die Frau der damaligen Zeit Sachverhalte anders, als wir dies rückblickend tun. Zum Beispiel schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich an die Gebährmaschinerie und an die Willkür des Mannes in der Ehe denke – die mittelalterliche Frau mag dies anders empfunden haben, weil die Gesellschaft zu jener Zeit andere Normen pflegte.
Nadja: Von großen Persönlichkeiten kann man auch lernen, ohne sie zu treffen (im Angesicht des Dalai Lamas wäre ich vermutlich eh erst einmal sprachlos).
Bei welchem historischen Ereignis wären sie gerne Zeuge gewesen?
Nadja: Bei einem großen historischen Ereignis war ich bereits dabei: dem Fall der Mauer. Für die politische Wende bin ich dankbar, denn die Welt außerhalb der ehemaligen DDR hat so viel zu bieten.
Claudia: Auch wenn diese Ereignisse nicht in Geschichtsbüchern auftauchen – ich würde gern meine Großeltern und Eltern als junge Erwachsene erleben; sehen, wie sie agierten und was sie ausstrahlten, also die Schwarz-Weiß-Fotos aus den Familienalben zum Leben erwecken.
Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen die aus?
Claudia: Also Nadja wünscht sich sicherlich ein Bad in Ketchup … nein, im Ernst, und da spreche ich auch für meine Schwester: Wir würden unseren Lieben und uns selbst Gesundheit wünschen. Würde uns dies erfüllt, könnten wir auf die verbleibenden zwei Wünsche verzichten.
Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Nadja: Genieße jeden Augenblick. Mit allen Sinnen.
Claudia: Ne discere cessa (Höre niemals auf zu Lernen). Es gibt so vieles zu entdecken. Jeden Tag.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Claudia und Nadja: Oh ja!

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