Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Kati Naumann

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Frau Naumann, Ihr neuer Roman heißt „Die Liebhaber meiner Töchter“. Kurz und knapp, um was geht’s?


Es geht um eine Mutter, die drei fast erwachsene Töchter hat und diese wiederum haben 3 feste Freunde, die ganz eng in die Familie integriert sind. Als sich die Töchter von ihnen trennen, sieht ihre Mutter überhaupt nicht ein, dass auch sie sich von ihnen trennen soll.

Frau Naumann, ist ihre Hauptfigur Nina der Prototyp einer guten Mutter?


Es wäre ja langweilig, wenn man ein Buch über eine durchweg gute Mutter schreiben würde. Nina ist überdreht, stur, emotional und sie liebt ihre Töchter sehr innig und möchte als Mutter unbedingt alles richtig machen und macht dadurch natürlich eine ganze Menge falsch. Das ist für die Familie und die, die mittendrin stecken, sehr anstrengend und zum Teil katastrophal, aber für die Leser sehr amüsant.

Was ist es, was Nina für die (Ex-)Freunde ihrer Töchter empfindet? Ist es Schuld? Schlechtes Gewissen? Mitleid?


Eigentlich gar nichts davon. Es ist aufrichtige Zuneigung und Verantwortungsgefühl. Nina hat es aus verschiedenen Gründen nicht geschafft, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen und deshalb kurzerhand den ihrer Töchter übernommen. Als sich die Töchter von ihren Freunden trennen, will sie verhindern, dass ihre ganze Familie, ihre ganze heile Welt, dadurch kaputt gemacht wird.

Wie viel von ihrem Leben steckt in dem Beziehungsgeflecht Ihres Romans?


In jedem Buch, das ich schreibe, steckt eine ganze Menge von mir selbst, es kommt schließlich aus meinen eigenen Ideen, Gedanken, aus meinen Gefühlen und die werden natürlich von den Menschen beeinflusst, die um mich herum sind, also von meiner Familie. In diesem Fall allerdings ganz speziell, weil ich auch 2 Töchter habe, die im Alter von Ninas Töchtern sind und sie waren eine große Inspirationsquelle für das Buch. Sie sind, wie Greta, Marlene und Lotta. Intelligent, wunderschön, witzig und beliebt und das führt natürlich in der Familie zu großen Turbulenzen und zu spannenden Szenen. Ich würde allerdings niemals irgendetwas direkt aus meinem Familienleben in ein Buch schreiben und niemanden preisgeben.

Würden Sie sich als Mutter ähnlich verhalten?


Nachdem ich dieses Buch geschrieben habe und weiß was dabei herauskommt, wenn man sich so verhält, ganz bestimmt nicht. Außerdem bin ich ein ganz anderer Charakter als Nina. Ich bin wesentlich nachgiebiger und mit mir kann man sich immer irgendwie einigen, während man sich mit Nina ja nur einigen kann, wenn man genau ihrer Meinung ist.

Aus der Perspektive einer Tochter. Wie würden Sie reagieren, wenn ihre Mutter sich so verhalten würde?


Aus heutiger Sicht würde ich deutlich meine Meinung sagen und meinen eigenen Weg gehen. Aber wenn ich so zurückdenke, wie ich in diesem Alter war, dann bin ich eine sehr folgsame Tochter gewesen und es war mir immer sehr wichtig, was meine Eltern sagen. Ich fürchte, ich hätte mich überreden lassen, mich mit meinem Ex-Freund wieder zu vertragen und mich dadurch unglücklich gemacht.

Wie weit darf elterliche Fürsorge gehen?


Ich habe ja jetzt keinen Erziehungsratgeber geschrieben, sondern eine unterhaltsame Familiengeschichte. Und darin erzählt Noah, der kanadische Ex-Freund von Greta, eine Inuit-Weisheit, die er von seinen Vorfahren überliefert bekommen hat: Man darf niemals einem anderen Menschen seinen Willen aufzwingen und sich niemals in seine Pläne mischen. Ich glaube, das ist genau die Grenze, die man nicht überschreiten darf.

Man spricht immer von einem unsichtbaren Band zwischen Mutter und Kindern, das ein ganzes Leben lang bestehen bleibt. Wie gelingt Ihrer Meinung nach dennoch das Loslassen?


Das übe ich im Moment noch, das Loslassen. Das Band zwischen Nina und ihren Töchtern ist am Anfang ganz fest und starr und deshalb zerreißt es. Am Ende, nachdem sie viele Entwicklungen und schmerzhafte Erkenntnisse durchgemacht hat, ist es wieder da, aber durchsichtig und flexibel und das ist wohl das Geheimnis. Loslassen bedeutet ja nicht, dass man den anderen verliert, sondern ihn laufen lässt, ihm seine Freiheit lässt. Wenn man das schafft, Kontakt zu halten, füreinander da zu sein, aber den anderen trotzdem seinen eigenen Weg gehen lässt, dann glaube ich, gelingt es.

Das „Hotel Mama“ scheint für junge Männer nach wie vor eine Option zu sein, wenn man ihrem Roman glaubt. Woran liegt es ihrer Meinung nach, dass eigentlich erwachsene Menschen so gern in eine Art „familiäres Nest“ zurückkehren?


Ich glaube, das betrifft Jungs eher als Mädchen, deshalb ist es wohl ein großer Teil Bequemlichkeit. Das ist bei Noah, Till und Konrad jedenfalls so. Es ist einfach gemütlich, es ist immer warm, der Kühlschrank ist voll, die Wäsche ist gewaschen. Zum anderen sind heute die Möglichkeiten so ungeheuer vielfältig, und das schafft eine gewisse Unsicherheit. Und von dem sicheren Zuhause aus, wo man sich geborgen fühlt, ist es angenehmer, leichter und besser zu sondieren, welchen Weg will ich finden, wo will ich hin in der Welt. Ich glaube, die grenzenlose Freiheit ist ein Hauptgrund, warum die Jugend heute Existenzangst hat und entscheidungsunfreudig ist.

Drei Generationen werden in Ihrem Buch behandelt. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein gutes generationenübergreifendes Zusammenleben?


Es muss eigentlich gar nicht bedeuten, dass man gemeinsam unter einem Dach lebt, es heißt vielmehr, dass mehrere Generationen einer Familie guten Kontakt haben und füreinander da sind. In dem Buch gelingt das nicht, denn es bedeutet, dass alle drei Generationen das wollen, dass sie Respekt voreinander haben und die Vorteile, die jede Generation mit sich bringt, auch anerkennen. Ninas Mutter schafft das einfach nicht. Sie hat einen anderen Plan für ihr eigenes Leben gehabt und gibt Nina die Schuld an ihrem Scheitern. Nina kann sich auf den Kopf stellen und machen was sie will, das wird nicht klappen.

Stellenweise wirkt ihr Roman wie die Vorlage für einen Film. Könnten Sie sich eine Verfilmung vorstellen?


Das wäre großartig und ein Traum! Ich hatte schon beim Schreiben ganz viele Bilder im Kopf und ich würde mir natürlich wünschen, dass sie Realität werden!

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