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Interview mit Ulrich Berls

Knaur Klartext

Horst Seehofer hat die Landtagswahl in diesem Jahr als die „Mutter aller Schlachten“ bezeichnet – geht es 2013 für die CSU wirklich um alles oder nichts?
Das ist eine "Alles-Oder-Nichts-Wahl". Die CSU verteidigt dieses Mal nicht, wie früher jahrzehntelang üblich, eine bequeme absolute Mehrheit, sondern hat nur noch die mageren 43 Prozent von 2008 im Rücken und kann Bayern derzeit nur noch mit Hilfe der FDP regieren. Verlöre sie 2013 nochmals nur ein, zwei Punkte, wäre das höchstwahrscheinlich ihr Ende als Regierungspartei.

Von 60 auf unter 50 Prozent: Warum hat die CSU für viele Wähler an Attraktivität verloren?
Der CSU ist nichts anderes passiert als den beiden anderen Volksparteien auch, die Stammwähler brechen weg: Die SPD liegt bundesweit mittlerweile unter 30, die CDU deutlich unter 40 Prozent. Das Glück im Unglück für die CSU ist, dass sie von allen deutschen Volksparteien, das dickste Polster hat und wenigstens die 40-Prozent-Marke nicht fürchten muss.

Ist langfristig gar das Ende einer Ära im Freistaat zu erwarten?
Auch darüber entscheidet die Schicksalswahl 2013, womit ganz klar nicht die Bundestags-, sondern die Landtagswahl gemeint ist. Der 15. September ist für die CSU viel existenzieller als der 22. September. Gelingt es der CSU, den Abwärtstrend zu stoppen, muss auch ihre Ära noch nicht zu Ende sein.

Ja zum Betreuungsgeld, Nein zur Homo-Ehe: Ist die Politik der CSU überhaupt noch zeitgemäß?
Die CSU war immer das konservative Gewissen der Union. In einer Zeit, in der alle Parteien zur politischen Mitte drängen, muss nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland Raum für eine konservative Partei sein. Das Dilemma der CSU: Sie muss sich gleichzeitig aber auch modernisieren. Die Herkules-Aufgabe für Parteichef Seehofer und seinen Generalsekretär Dobrindt heißt: Wie modernisiert man eine Traditionspartei auf eine Art und Weise, dass auch konservative Wähler sich noch mit ihr identifizieren können.

Affären und Skandale erschüttern die Partei wenige Monate vor der Wahl. Könnte es am Ende doch noch eng werden?
Die Verwandten-Affäre kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für die CSU. Obwohl alle bayerischen Parlamentsparteien, mit Ausnahme der FDP, von der Affäre betroffen sind, haftet sie an der Dauer-Regierungspartei CSU besonders unangenehm und hat ihr den Start in den Wahlkampf vermasselt. Der Trend zur Skandalisierung wird immer stärker in heutigen Wahl-Auseinandersetzungen. Die Frage ist, wie stark diese Skandalisierungs-Mechanismen bei den bayerischen Wählern verfangen. Eigentlich sollte es bei einer solchen Wahl ja nicht um das Fehlverhalten Einzelner, sondern um den Zustand des Landes gehen. Eines ist klar: Es wird die spannendste Wahl in Bayern seit mehr als einem halben Jahrhundert!

 

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