Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Daniel Holbe zu Giftspur

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Wie war es, Ihren ersten „eigenen“ Roman zu schreiben?

Genau genommen war es ja nicht der erste, aber in Bezug auf das Genre Krimi stimmt es natürlich. Ich würde mal sagen, dass es nicht so viel anders war, weil ich natürlich einen Plot und eine Menge an Personen auch für die beiden letzten Durant-Bände entwickeln mußte. Das Handwerk bleibt also dasselbe und auch vom Grundgerüst ändert sich nicht die Welt. Was mir an neuen Hauptpersonen mehr Arbeit abverlangte, konnte ich durch eine vertrautere Landschaft wieder ausgleichen. Der vielleicht größte Unterschied ist, dass ich mir bewußt eine ganz andere Atmosphäre herausgesucht habe, in der die Handlung spielt. Düster ist nur der lange Winter, ich arbeite also schon in Kontrast zu den Geschichten um die Frankfurter Mordkommission.

Wie war die Herangehensweise an die Charaktere?

Sabine Kaufmann kennt man bereits seit Mörderische Tage. Doch viel mehr als nur ihr Name und zwei Sätze zum Werdegang existierten nicht mehr. Ich habe sie dennoch beim Lesen in mein Herz geschlossen und beim Vollenden von Todesmelodie geschah dann etwas sehr eigendynamisches. Das vorliegende Material enthielt keine weiteren Pläne für sie und Schritt für Schritt nahm sie, zunächst vollkommen unbewußt, die Charakterzüge der Ermittlerin aus meiner eigenen Krimi-Idee an. Jener Idee, mit der ich damals in die Krimiwelt einsteigen wollte. Ich ließ es geschehen, sie ist nun zu der Frau geworden, die ich für eine eigene Geschichte haben wollte. Daher rührte auch die Entscheidung, sie in meine Reihe zu adoptieren. Das Gleiche gilt für ihren etwas kauzigen Kollegen, der ebenfalls im Schreibtisch ruhte und auf seinen Auftritt wartete. Und auch einige andere Charaktere durften aus ihrem Versteck kommen, wie üblich gibt es für beinahe jeden eine reale Vorlage – ordnungsgemäß verfälscht versteht sich.

Was unterscheidet Ihre Kommissarin Sabine Kaufmann von Julia Durant?

Sabine Kaufmann startet etwa dort, wo Julia Durant im ersten Band der Reihe stand. Doch sie ist nicht fern ihrer Heimat und der verbliebenen Familie, im Gegenteil, manchmal hat sie davon mehr, als ihr lieb ist. Sabine ist ehrgeizig und achtet auf sich, auf ihre Psychohygiene, aber ist auch zerbrechlicher und nimmt sich Dinge mehr zu Herzen. So etwa den Wechsel in die Kleinstadt (Bad Vilbel möge mir diese Begriffswahl verzeihen!), in der sie nunmehr „die Neue“ ist, die Großstadt-Tussi, und sich ihren Stand erst erkämpfen muß. Sabine wird es mit weitaus weniger düsteren Fällen zu tun bekommen, das Thema sexuelle Gewalt, die bedrückenden Szenarien, die der Reihe um ihre Kollegin Julia Durant zugehören, werde ich in Frankfurt belassen. Das ist genau der Kontrast, den ich bereits erwähnte. Damit herrscht um Sabine Kaufmann herum eine andere Grundstimmung, die natürlich auch auf sie abfärbt. Und dann gibt es da ja noch ihren sonderbaren Kollegen, Ralph Angersbach.

Was war die größte Herausforderung bei Giftspur?

Nicht zu viel von meinem ursprünglichen Plot mitzunehmen und das Buch nicht zu überladen. Dann ist außerdem noch etwas ganz lustiges passiert: Während ich Teufelsbande schrieb und nun plötzlich in den Köpfen von gleich zwei „fremden“ Kommissare denken musste, sehnte ich mich manchmal danach, etwas ganz eigenes zu machen. Also ohne, dass da jemand Personen entwickelt hatte, außer mir selbst. Dann setzte ich mich an Giftspur und starrte eine Ewigkeit auf den weißen Bildschirm, und das, obwohl der Plot längst vorlag. Da merkte ich zum ersten Mal, wie sehr ich mich in dem Durant-Universum wohlfühle und wie schwer es ist, diesem plötzlich wieder zu entfliehen. Auf Knopfdruck quasi. Das war eine echte Hürde, aber letzten Endes ist es natürlich schön, zwei Welten zu haben, in denen man sich heimisch fühlt. Universen meine ich.

Giftspur spielt in der südhessischen Provinz – ist das Buch ein Regio-Krimi im klassischen Sinne?

Nicht mehr und nicht weniger als die Julia-Durant-Reihe. Es gibt vielleicht mehr Beschauliches, eine Prise englischen Krimis vielleicht, aber das war es auch schon. Die Festlegung auf Regio-Krimi wäre mir eine zu starke Einschränkung.

Werden Sabine Kaufmann und Julia Durant auch mal gemeinsam ermitteln? Oder welches Projekt planen Sie als Nächstes?

Nach Giftspur ist wieder Julia Durant an der Reihe. Sie wird in einem sehr düsteren Fall ermitteln, dazu verrate ich jetzt mal noch nichts, aber es wird auch Überschneidungen in Nachbarreviere geben. Peter Brandt wäre da aber stets meine erste Wahl. Sabine Kaufmann wird bis auf weiteres ohne Überschneidungen zum Frankfurter K11 auftreten … und von einer Reihe kann man ja bisher auch noch nicht sprechen. Zugegeben, der Platz nach Julia Durants fünfzehntem Fall ist noch frei, und Ideen für Sabine habe ich genügend. Aber da reden wir von 2015 und soweit habe ich noch nicht geplant.

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