Verlagsgruppe Droemer Knaur



Werner Bartens: „Glückliche Kinder“

Einleitung

Eine Rezension zu Werner Bartens Ratgeber

Ein Ratgeber, der keinen direkten Rat gibt – so könnte man das Buch von Werner Bartens in Kurzform beschreiben. Denn „Glückliche Kinder“ ist eben nicht wieder ein Ratgeber, der Eltern und solchen, die es werden wollen, vor Augen führen will, was man mit Kindern alles falsch machen kann, und was gegen die Alltagssorgen „wirkt“. Vielmehr zeigt der fünffache Vater und Wissenschaftsjournalist, wie Kinder glücklich werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ihnen mit Herzlichkeit und Vertrauen begegnet wird und sie nicht immer im Fokus aller elterlichen Aktionen stehen. Und natürlich warnt Bartens wie in seinen früheren Publikationen wie etwa „Heillose Zustände“ vor einem aufgeblähten Gesundheitssystem, das tatsächlich eher ein „Krankheitssystem“ zu sein scheint. Gemäß dem Motto, dass es für jedes Problem schon ein passendes Medikament geben wird.

Werner Bartens, der u.a. Medizin in den USA studiert hat, untermauert seine Theorien mit umfassendem Wissen aus medizinischen Untersuchungen der letzten Jahre, die u. a. belegen, dass ein Zusammenhang zwischen Stress und bestimmten Krankheiten besteht. Auf der anderen Seite warnt er davor, zu viel Vertrauen in die Medizin zu setzen, die jegliche Auffälligkeit von Kindern mit Medikamenten unterbinden will. Ein großes Kapitel widmet sich daher kritisch der medikamentösen Behandlung von „Zappelphilippen“, bei denen zunehmend das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – zu Recht oder zu Unrecht – diagnostiziert wird.

Vor allem aber will Bartens, der schließlich selbst ein erfahrener Vater ist, Eltern den Druck nehmen, dass die Entwicklung von Kindern und Teenagern nach einem bestimmten Schema ablaufen muss. Auch hier wieder zeigt er gerade durch das Zitieren der unterschiedlichsten Studien, dass Entwicklung immer ganz unterschiedlich abläuft, dass Forschungsergebnisse und damit verbundene Ratschläge unterschiedlich sein können und immer selbst in Entwicklung sind. Und dass auch für scheinbar unumstößliche Regeln wie „Du musst viel trinken“ gilt: nichts ist absolut. Wie bei so vielem kommt es einfach darauf an, mit Sinn und Verstand zu handeln – womit sich z.B. das Kapitel zum Thema Ernährung unter der Überschrift „Auf den Geschmack kommen“ beschäftigt.

Das Spannende an „Glückliche Kinder“ ist, dass hier die Entwicklung von Kindern nicht chronologisch nach dem Kindesalter behandelt wird. Stattdessen werden Themen vorgestellt und es wird gezeigt, welche Bedeutung das Thema in den Lebensphasen von Kindern hat. So erklärt Bartens etwa zum Thema Schlaf nicht nur, was bei Kleinkindern zu Schlafstörungen führen kann, sondern darüber hinaus, wie die unterschiedlichen Schlafgewohnheiten von Teenagern medizinisch erklärt werden.

Sehr ausführlich ist ebenfalls beschrieben, was bei den verschiedenen Krankheiten zu tun ist, die so gut wie jedes Kind durchlebt. Sein Credo: nicht jede Erkältung ist gleich eine Krankheit, die medizinisch behandelt werden muss. Und nicht jede Unverträglichkeit gleich eine Allergie. Denn abgesehen davon, dass der kindliche Organismus lernen soll, selbst mit Erregern fertig zu werden, sind oft die Dosierungsangaben gar nicht auf Kinder abgestimmt. Auch hier gilt also: ein gesundes Maß an Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl und auf die Stärke der eigenen Kinder hilft oft mehr als teure Medizin und gutgemeinte Ratschläge!

Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Thesen und bietet daher einen leichten Überblick – und vor allem Erleichterung, denn die Quintessenz von „Glückliche Kinder“ ist, dass man beim Kinder heranwachsen lassen gar nicht so viel falsch machen kann!

Dr. Alexandra Hessler für www.droemer-knaur.de

↑ nach oben