Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Auf dem roten Teppich: Angelika Svensson

Die Autorin im persönlichen Gespräch

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Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
Kreativ, optimistisch, zielstrebig, humorvoll, ungeduldig, herzlich, lebhaft, neugierig und unmöglich auf drei Worte zu reduzieren.
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Schlechte Laune: Ewige Nörgler, Neider, launenhafte Menschen und solche, die mich ständig mit ungebetenen Ratschlägen versorgen. Laute Handytelefonate in der Öffentlichkeit. Alle Arten von Hausputz, da man die Zeit doch so viel besser zum Schreiben nutzen könnte.
Freude: Ein Tag an der See bei Wind und Wetter. Sylt, am liebsten im Herbst und Winter. Regenspaziergänge. Ein leuchtendes Rapsfeld unter knallblauem Himmel. Ein gutes Buch oder ein guter Film, über die man mit anderen diskutieren kann. Treffen mit Freunden. Ein Bild zu malen. Und natürlich immer wieder schreiben, schreiben, schreiben …
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?
Frühstück: an Deck eines Kreuzfahrtschiffes bei der Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal. Mit Sekt, wohlgemerkt!
Mittagessen: auf einer blühenden Wiese am Geirangerfjord. Schiffe und Berge „gucken“ und dabei den Inhalt des mitgebrachten Picknickkorbs verzehren.
Abendessen: in einem der zauberhaften Restaurants der Gamla Stan in Stockholm. Anschließend geht’s zum Sundowner ins Königliche Schloss : ) Sind ja nur ein paar Schritte.
Kaffee oder Tee?
Beides. Wobei ich beim Kaffee die klassischen Varianten bevorzuge. Beim Tee geht der Geschmack von A wie Assam bis Z wie Zitrone-Ingwer.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Um sieben Uhr springe ich aus den Federn und gehe als erstes eine Stunde schwimmen. Natürlich im ausladenden Pool meines weißen Reetdachhauses an der Ostsee : ) Danach folgt ein ausgiebiges Frühstück, das eine gute Fee in der Zwischenzeit zubereitet hat, verbunden mit der Lektüre mehrerer Tageszeitungen (immer gut für die Inspiration). Und während die Fee sich um so profane Dinge wie den Haushalt kümmert, schnappe ich mir das Notebook und verziehe mich bei gutem Wetter in den üppig blühenden Garten. Immer die Ostsee und das wogende Rapsfeld im Blick, das das Grundstück begrenzt und einen verführerischen Duft herüberschickt. Die paradiesische Stille beflügelt meine Gedanken und wird nur von den Geräuschen der Natur unterbrochen. Essen und Trinken werden zur Nebensache, erst recht, wenn der heißersehnte „flow“ einsetzt. Das geht so weiter bis Einbruch der Dunkelheit, wenn ich zum ersten Mal wieder auftauche, erstaunt in die Runde blicke und denke „Huch, schon so spät?“. Zum Abschluss des Tages gibt es dann noch etwas Leckeres zu essen – am liebsten Fisch – und ein schönes Glas Wein.
Die Wintervariante findet im Inneren des Hauses statt, mit gemütlichem Licht, duftendem Tee und einem bollernden Kachelofen.
Aber jetzt mal im Ernst: an einem perfekten Tag kann ich mich ganz und gar dem Recherchieren und Schreiben widmen, ohne von äußeren Einflüssen gestört zu werden.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?
Aus allem, was mich umgibt. Zuallererst natürlich aus den Menschen und ihren vielfältigen Erscheinungsbildern. Ich beobachte meine Umwelt sehr genau, also aufgepasst, liebe Mitmenschen! Vielleicht findet ihr euch in einem meiner nächsten Bücher wieder : )
Eine weitere Quelle sind die Dinge, die man täglich sieht, hört oder liest. Die einen emotional bewegen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Da meine Krimis in Schleswig-Holstein spielen, sind die Kieler und Lübecker Nachrichten Pflichtlektüre. Ebenso die Pressemeldungen der schleswig-holsteinischen Landespolizei. Ich will wissen, was in meinem Bundesland passiert. Das ist, wenn man so will, eine tägliche Recherche, die sich natürlich überregional fortsetzt. Irgendwann springt mich dann ein Thema an und lässt nicht mehr locker. Und wenn es mich bis in meine Träume hinein zu verfolgen beginnt, weiß ich, dass ich darüber schreiben muss.
Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Ich habe ja einen alternativen Beruf, nämlich meinen Job beim NDR in Hamburg. Hier habe ich lange Jahre im Bereich Unterhaltung / Fernsehspiel gearbeitet und auf Produktionsseite an der Entstehung vieler Shows und einer Staffel der seinerzeit sehr beliebten Krimi-Serie „Sonderdezernat K1“ mitgewirkt. Als ich mit dem Schreiben begann, hatte ich das Gefühl, als wenn sich ein Kreis schließen würde. Früher habe ich die bewundert, die sich die Geschichten ausgedacht haben, jetzt gehöre ich selber zu ihnen. Schon ein tolles Gefühl. Denn was kann es Schöneres geben, als den Menschen spannende Geschichten zu erzählen?
Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Absolut unmöglich, sich für einen zu entscheiden.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Tana French: „Schattenstill“. Ich liebe die Kraft ihrer Sprache, diesen einzigartigen Stil, der ihre Bücher zu einem ganz besonderen Leseerlebnis macht. Genial!
Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Eine schwere Frage, deren Beantwortung anmaßend erscheinen mag. Dazu gibt es einfach zu viele wundervolle Werke der Weltliteratur. Ich versuche es trotzdem einmal: die Märchen der Gebrüder Grimm und die aus tausend und einer Nacht. „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“ in der Originalfassung von Gustav Schwab. Jane Austen „Stolz und Vorurteil“. Die Schwestern Bronte mit „Sturmhöhe“ sowie „Jane Eyre“. John Knittel „Via Mala“. Daphne du Maurier „Rebecca“.
Gibt es ein Buch, das Sie geschenkt bekommen haben, und das für Sie eine besondere Bedeutung hat? Warum?
Bei dieser Frage muss ich leider passen.
Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?
Arved Fuchs. Ich würde ihn zu überreden versuchen, mich auf seine nächste Grönland-Expedition mitzunehmen.
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?
Bei der ersten Durchquerung der Nordwestpassage durch Roald Amundsen.
Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?
Gesundheit, mehr Zeit zum Schreiben, und dass wir wieder lernen, aufeinander zu achten und nicht wegschauen, wenn unsere Hilfe benötigt wird.
Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Nicht nur im Kopf, sondern schon fertiggeschrieben.

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