Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit V. M. Giambanco

Die Autorin im persönlichen Gespräch

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Warum haben Sie einen Thriller geschrieben?
Ich lese viele Kriminalromane. Diese Geschichte war eine Geschichte, die ich einfach schreiben musste. Und sie wurde zum Thriller. Es hat mich gereizt, mit den Bildern von Gut und Böse und auch mit allen Schattierungen dazwischen zu spielen. Wenn man sich mit solchen Extremen beschäftigt, landet man in der Regel im Reich der Krimis.
Es stimmt, dass ich in meinem bisherigen Beruf (Cutterin), nicht an vielen Thrillern gearbeitet habe. Aber bei jedem Film, an dem ich gearbeitet habe, ging es darum, eine Geschichte zu erzählen. Das kann ich jetzt anwenden.
Man nimmt eine Szene: An welchem Punkt beginnt die Erzählung? An welchem Punkt wechselt die Handlung? Wie erzeugt man Struktur in einer Geschichte und warum ist das wichtig?
Außerdem habe ich zwar noch nicht an Thrillern gearbeitet, aber ich habe mir so viele angesehen. Man sieht sich die wirklich guten an und fragt sich: „Warum funktioniert diese Handlung so gut?“ Man sieht sie sich als Ganzes und in Teilen an. Diese Aufgaben gibt es genauso auch im Filmschnitt.
Welcher Autor hat Sie inspiriert?
Ich wurde von so vielen Autoren inspiriert und nur einige von ihnen sind Krimiautoren. Was das Erschaffen einer weiblichen Figur betrifft, die in einer Welt lebt, die meiner ähnelt, haben Thomas Harris und die frühen Bücher von Patricia Cornwell eine große Rolle gespielt. Aber auch George Pelecanos, Donna Leon, Ian Ranking und Henning Mankell gehören zu den Autoren, die ich bewundere. Auch die Geschichten von Stephen King, die vermutlich nicht als Thriller bezeichnet werden können, haben mich fasziniert.
Und es gibt noch so viele andere Schriftsteller.
Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Alice Madison?
Alice Madison und ich haben den gleichen Geschmack, was Filme, Bücher, Musik und Essen betrifft, soviel kann ich sicher sagen. Der Rest ist schwieriger. Unsere Hintergründe und Geschichten sind völlig verschieden, aber uns verbinden dieselben Werte. Ich genieße es, Zeit mit ihr zu verbringen, auch wenn ihre Welt so viel dunkler ist als meine. Sie interessiert sich dafür, warum Menschen tun, was sie tun und warum sie sind, wer sie sind. Auch das haben wir gemeinsam.
Warum spielt Ihre Geschichte in Seattle?
Ich habe mich in Seattle verliebt, als ich zum ersten Mal dort war. Ein Teil meiner Familie lebt dort, deshalb war ich oft in Seattle. Es ist von Wasser und Bergen umgeben, das Licht und die Farben sind außergewöhnlich. Man ist in einer Großstadt, alles ist sehr lebendig und multikulturell, aber nur 30 Minuten entfernt wartet die absolute Wildnis. Atemberaubend schön und gefährlich. Die Landschaft hat fast einen eigenen Charakter, das ist einfach der perfekte Schauplatz für meine Geschichte. Für mich war es außerdem eine Möglichkeit dort zu sein, während ich zuhause war.
Gibt es italienische Einflüsse in der Geschichte?
Das ist eine gute Frage, aber eine, die ich nur sehr schwer beantworten kann. Ich lebe seit fast 27 Jahren in England und mein Stil wurde über kurz oder lang, auf die eine oder andere Weise, von allem beeinflusst, was ich seither gelesen habe.
Wie lange haben Sie an diesem Buch geschrieben?
Während ich an diesem Buch geschrieben habe, habe ich auch an vielen verschiedenen Projekten gearbeitet, deshalb ist das schwer zu sagen. Mit Sicherheit einige Jahre. Ich hatte eine Geschichte im Kopf, aber als die Figuren entstanden, hat sich vieles noch verändert. Ich habe immer eine Vorstellung davon, wohin die Geschichte führen soll, aber gleichzeitig muss ich flexibel genug sein, damit sich die Geschichte und die Figuren eigenständig entwickeln können. Einige Details will ich gar nicht wissen, bevor ich wirklich dabei bin, das Kapitel zu schreiben.
Meine Vorstellungskraft ist sehr visuell, der Ausgangspunkt ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild. Außerdem höre ich viel Musik, wenn ich schreibe – Soundtracks, Klassische Musik, Rock … Alles, was gerade zur Geschichte passt.
Welche Frage, die wir Ihnen nicht gestellt haben, würden Sie jetzt gerne noch beantworten?
Ich wünschte wirklich, ich könnte Ihnen jetzt eine originelle Antwort geben, aber das ist schwierig. Sie haben mich nicht gefragt, warum ich schreibe, also werde ich diese Frage beantworten.
Ich habe als Kind so früh wie möglich Lesen gelernt, weil ich nicht abwarten konnte, dass mir Erwachsene die Bücher vorlesen, die mich gerade interessierten. Wenn ich mit dem Lesen fertig war, habe ich mir einfach vorgestellt, wie die Geschichte weitergehen könnte. Und das mache ich immer noch. Die Geschichten sind zwar anders, aber ich habe noch immer das Bedürfnis, sie alle zu erzählen.

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