Verlagsgruppe Droemer Knaur



Lisa Jackson im Interview zu "T Tödliche Spur"

"Meine Bücher müssen mir selbst Angst machen!"

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Ein verschwundenes Kind, eine verzweifelte Mutter und ein Netz aus Lügen, Intrigen und Hass: Aus diesen Zutaten strickt Bestsellerqueen Lisa Jackson in T Tödliche Spur einen echten Gänsehaut-Thriller. Im Interview sprachen wir mit Jackson über ihre Inspirationen, ihre Faszination für die Schattenseiten des Lebens und ihren enormen Erfolg.

Wie ist die Idee zu T Tödliche Spur entstanden?

Ob Sie es glauben oder nicht, die Idee kam mir vor ungefähr acht Jahren während eines Schreibworkshops, in dem ich die erste Szene eines Buches schreiben musste. Eigentlich mache ich so etwas überhaupt nicht gerne, aber eine Freundin leitete den Workshop. Die Zeit lief also und alle anderen Teilnehmer im Raum schrieben wie wild, aber mir wollte einfach nichts einfallen und ich wurde immer nervöser. Doch dann hatte ich plötzlich eine Inspiration und hatte dieses Bild vor mir: Ein Junge, der am Ende eines Stegs stand. Es war mein Kind, aber ich konnte nicht zu ihm. Stand er da wirklich oder war es eine Vision? Ich schrieb wie verrückt und als ich schließlich meinen Text laut vorlas, sagte die Workshop-Leiterin: „Du bist wirklich verdreht!“ Da wusste ich, dass ich ins Schwarze getroffen hatte. Aber es verging ziemlich viel Zeit, bis ich das Buch tatsächlich geschrieben habe. Ich habe mich sehr gerne mit Ava und ihrer Geschichte beschäftigt.

In dem Roman geht es um den schlimmsten Albtraum aller Eltern: ein Kind verschwindet spurlos. Sie sind selbst Mutter. Wie hart war es für Sie, darüber zu schreiben?

Es war gruselig und sehr emotional und aus dem Bauch heraus. Sie haben recht, es ist der schlimmste Albtraum einer Mutter, daher konnte ich meine mütterlichen Gefühle einfach in den Text einfließen lassen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Ava, eine verzweifelte und vom Schicksal hart getroffene Frau, deren Erinnerung nur langsam wiederkehrt, als sie ihre Medikamente absetzt. Ava ist eine sehr komplexe Figur und es war bestimmt nicht einfach, eine Protagonistin zu entwickeln, der man nicht ganz trauen kann ...

Ich mag diesen Typ von Protagonist. Er lässt mich und die Leser im Ungewissen und ist niemals langweilig. Daher fiel es mir nicht schwer, diesen Charakter zu entwickeln. Ich kenne Ava schon sehr lange, genaugenommen seit diesem Schreibworkshop, und ich wollte endlich ihre Geschichte erzählen. Dass sie eine komplexe und komplizierte Figur ist, macht sie umso interessanter und reizvoller. Mir hat das wirklich Spaß gemacht!

Der Roman spielt auf einer Insel im Pazifischen Nordwesten der USA. Woher kam die Inspiration für diesen Handlungsort?

Ich lebe selbst im Pazifischen Nordwesten und wollte einen isolierten Ort schaffen. Ich war einige Male auf den San Juan Islands (im US-Bundesstaat Washington) und mir gefiel die Atmosphäre dort. Daher erschuf ich mir meine eigene, imaginäre Insel. Ich glaube, es gibt dort an der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten auch kleine Inseln in Privatbesitz, so dass sich die San Juan Islands bestens als Handlungsort für meinen Roman geeignet haben.

In T Tödliche Spur beschäftigen Sie sich wieder einmal mit den Untiefen und Abgründen der menschlichen Seele. Wie erklären Sie sich Ihre Faszination für die Schattenseiten des Lebens?

Ich weiß es nicht. Ich war schon immer von gruseligen, düsteren Dingen, von Rätseln und psychischer Manipulation fasziniert. Burgen, Verliese und Geheimgänge finde ich einfach großartig! Ich habe schon immer gerne Kriminalgeschichten gelesen und mag Überraschungsmomente und unerwarteten Wendungen, die mich schockieren; und ich habe eine Schwäche für schaurige, beinahe übernatürliche Stimmungen und Atmosphären. Ich mag Bücher, die mich im Ungewissen lassen und für Nervenkitzel sorgen.

Haben Sie am Beginn Ihrer Schriftstellerkarriere bereits geahnt, wie intensiv Sie sich in Ihren Romanen mit Mördern und Serienkillern beschäftigen werden?

Oh nein, keinesfalls. Am Anfang habe ich nur romantische Liebesgeschichten geschrieben, weil das damals angesagt war. Die Geschichten durften nicht zu düster oder mysteriös sein. Aber dann begann ich für meinen jetzigen Verlag längere Bücher zu schreiben und hatte mehr Freiheiten, so dass ich Thriller und romantische Spannungsromane schreiben konnte. Ein bisschen Liebe darf in meinen Büchern nicht fehlen, sollte aber die Spannung nicht überwiegen. Beides muss im richtigen Gleichgewicht stehen. In meinen Büchern ergründe ich gerne die Psyche der Mörder, versuche dabei aber den Typus des Bösewichts zu variieren, so dass es nicht immer nur um Serienmörder geht. Das macht es interessanter und abwechslungsreicher, hoffe ich.

Machen Ihre Geschichten Ihnen nicht selbst Angst?

Auf jeden Fall, ich muss mich sogar ängstigen. Wie wüsste ich sonst, ob ich meine Leser in Angst und Schrecken versetzen werde? Ich versuche eine möglichst enge Verbindung mit meinen Charakteren aufzubauen, so dass deren Erlebnisse meine Leser auf verschiedenen Gefühlsebenen berühren. Wenn ich selbst Angst bekomme (und den Computer ausschalten muss), dann weiß ich, dass ich gute Arbeit geleistet habe. Manchmal überrasche ich mich auch selbst beim Schreiben. Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung, die ich nicht erwartet habe. Das ist jedes Mal großartig! Außerdem versuche ich, immer einen Schritt weiter zu sein als der Leser. Ich betrachte das Ganze als Spiel: Hier ist die Geschichte, finde Du nun heraus, was passiert ist und ich sorge im Verlauf hoffentlich für den nötigen Nervenkitzel.

Sie schreiben sehr erfolgreich sowohl "Stand Alones" als auch Serien. Welche Freiheiten und Herausforderungen bieten Ihnen die "Stand Alones" im Vergleich zu den Serienromanen?

Ich mag die Abwechslung. Schreibt man am Buch einer Serie, fühlt es sich an, als schlüpfe man in seine bequemen Lieblingsschuhe. Das Kunststück ist, im Kopf zu behalten, was alle Charaktere in den vergangenen Bänden getan haben, aber der Schauplatz steht bereits fest und gewisse Strukturen sind einem vertraut. Bei Serien ist es wichtig, dass sich die Bände nicht zu sehr ähneln und man die Handlung und Charaktere immer wieder neu aufmischt.

Im Gegensatz dazu fühlt es sich bei den "Stand Alones" so an, als ob ich mir ein neues Paar Schuhe anziehe, die noch eingelaufen werden müssen, bevor ich mich richtig darin wohl fühle. Angenehm ist, dass ich mich als Autorin nicht an Details aus früheren Büchern erinnern muss. Die Herausforderung besteht darin, sich eine neue Schar von Charakteren und einen Handlungsort, real oder erfunden, auszudenken. Ich muss sozusagen einen ganzen Kosmos erschaffen. Egal ob Serie oder Einzeltitel, jedes Buch stellt mich als Autorin vor bestimmte Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Und genau darin liegt für mich der Spaß.

Sie sind eine international erfolgreiche Bestsellerautorin. Inwiefern hat Ihr enormer Erfolg Ihr Leben verändert?

Als ich mit dem Schreiben begann, war ich pleite und stand kurz davor, mein Haus, Auto und alles andere zu verlieren. Diese Sorgen habe ich nun nicht mehr. Ich arbeite immer noch rund um die Uhr, aber das ist meine eigene Entscheidung. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen und ich habe Enkelkinder, so dass ich das Tempo eigentlich drosseln könnte, aber ich liebe meine Arbeit einfach zu sehr. Dank des Erfolges meiner Bücher habe ich viel von der Welt gesehen. Es ist absolut herzerwärmend, auf der ganzen Welt Fans zu haben, mit denen ich über meine Webseite, Facebook und Twitter kommunizieren kann. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich das tun kann, was ich gerne mache und dafür bezahlt werde!

In jedem Beruf gibt es Dinge, die man besonders mag oder hasst. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf als Autorin am besten? Und was mögen Sie überhaupt nicht?

Das Schreiben macht mir am meisten Spaß. Ich entwickele sehr gerne Geschichten und Handlungsverläufe. Mein Kopf ist voller Ideen und ich werde es nie schaffen, alle umzusetzen. Der kreative Prozess des Schreibens gefällt mir am besten.
Ich mag keine Abgabetermine. Sie sind ein notwendiges Übel, machen mich aber nervös. Das Gefühl, ständig unter Termindruck zu stehen und hinten dran zu sein, ist nicht schön, aber das Schreiben ist nun mal ein Vierundzwanzig-Stunden-Job. Es ist nicht einfach, die richtige Balance zu finden.

Sie haben in den letzten zwanzig Jahren unglaublich viele Romane veröffentlicht. Haben Sie einen Lieblingsroman? Ein Buch, das Ihnen aus einem bestimmten Grund besonders ans Herz gewachsen ist?

Meine Favoriten wechseln natürlich von Zeit zu Zeit, aber ganz besonders hänge ich an Shiver, T Tödliche Spur und vermutlich Dark Silence. Außerdem mag ich wirklich die Serienbücher gerne. Ich freue mich jedes Mal, wieder nach Grizzly Falls, Montana für die „To-Die“-Reihe oder nach Savannah und New Orleans, wo meine anderen Serien spielen, zurückkehren zu können.

Woran arbeiten Sie gerade? Was dürfen die Leser als nächstes von Lisa Jackson erwarten?

Ich bin gerade dabei, meinen Roman Deserves to die, das sechste Buch der Montana-To-Die-Reihe, abzuschließen. Außerdem ist gerade Close to Home fertig geworden, ein Roman, der etwas von den anderen abweicht, da es sich um eine Geistergeschichte handelt. Das hat mir großen Spaß gemacht. Beide Bücher erscheinen dieses Jahr im Spätsommer in den USA und danach geht es mit den Büchern für 2015 weiter!

Liebe Lisa Jackson, vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Alexandra Plath im Februar 2014 für www.droemer-knaur.de

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