Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Katja Maybach

Die Autorin über die Mode, das Schreiben und ihren neuen Roman "Das Haus ihrer Kindheit"

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Sie haben lange als Designerin gearbeitet. Wie sind Sie schließlich zum Schreiben von Romanen gekommen?
Die Leidenschaft für Bücher packte mich bereits im zarten Alter von sechs Jahren: Kaum konnte ich lesen, bin ich regelmäßig alleine in die Leihbibliothek gefahren, um mir so viele Bücher auszuleihen, wie ich tragen konnte. Meine ersten Bücher waren: „Hauffs Märchen“ – so schön zum Gruseln, dass ich mich auch am Tag fürchtete – „Peter, der Eichkater“, und später natürlich „Nesthäkchen“, „Hanni und Nanni“ und die „Fünf Freunde“.
Aus dem Lesen wurde eine richtige Sucht, die ganz automatisch zum Schreiben führte. Und so schrieb ich mit zwölf Jahren meinen ersten Mädchenroman – mit der Hand, denn tippen auf der Schreibmaschine konnte ich noch nicht. Irgendwann sind dann aber leider die stolzen 220 Seiten verloren gegangen.
Später entwickelte sich mein Leben erst einmal anders, bis ich zum Schreiben zurückkehrte. Als mein erster Roman „Eine Nacht im November“ ein so toller Erfolg wurde, habe ich natürlich weitergemacht.
Was begeistert Sie beim Schreiben am meisten?
In der Entwicklung einer Geschichte, dem Nachspüren eines erfundenen Lebens gibt es keine Grenzen. In der Phantasie ist alles möglich. Das ist faszinierend.
Ihre Romane behandeln in den meisten Fällen eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Üben Geheimnisse aus der Vergangenheit eine besondere Faszination auf Sie aus? Gibt es eventuell Anleihen aus Ihrem persönlichen Leben oder dem von Bekannten?
Ja, aus meiner Familie. Hier gibt es erstaunliche Geschichten, die es alle wert sind, erzählt zu werden. Aber nicht alle Geheimnisse in meinen Romanen sind autobiographisch. Vieles ist natürlich auch Fiktion.
Wie recherchieren Sie für Ihre Romane, deren Themenfelder sich von Mode über Malerei erstrecken, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs oder in der Nachkriegszeit angesiedelt sind und sich auf vielerlei unterschiedliche Schauplätze erstrecken, zum Beispiel Italien, Argentinien, England?
Ich wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Musik, Literatur und Malerei eine große Rolle spielten. Und Mode war ja jahrelang mein Beruf. Ich interessiere mich auch heute noch für alle Entwicklungen innerhalb der Mode, auch wenn meine Entscheidung richtig war, die Szene zu verlassen.
Zu der Zeit des Zweiten Weltkriegs habe ich Recherchen innerhalb meiner Familie gemacht: Authentische Erzählungen von Großeltern, Eltern, Tagebücher, Briefe. Ein unglaublicher Schatz an persönlichen Schicksalen und Erlebnissen.
Was Argentinien („Melodie der Erinnerung“) betrifft, finde ich die Ära der Evita Peron sehr faszinierend. Argentinien kenne ich leider nicht persönlich, hier durchforstete ich Bildbände und ließ mir sehr viel von Leuten erzählen, die Buenos Aires gut kennen. Hinterher hatte ich das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein.
Die Heldin Ihres neuen Romans, Georgia, ist Kostümbildnerin, ihr Freund Aiden ist Regisseur am Opernhaus Covent Garden in London. Wie haben Sie über die Welt der Oper recherchiert?
Meine Schwester war viele Jahre Kostümbildnerin und an großen Opernhäusern tätig. Darüber hinaus kenne ich eine junge Frau, die an Covent Garden künstlerisch tätig ist.
Waren Sie selbst schon einmal in England – und gibt es ein reales Vorbild für das Pfarrhaus, das als „Das Haus ihrer Kindheit“ beschrieben wird?
Ich kenne London sehr gut. Für das Pfarrhaus in Surrey hatte ich kein Vorbild, das sah ich nur in meiner Phantasie vor mir.
Welche der Figuren im Roman „Das Haus ihrer Kindheit“ ist Ihre Lieblingsfigur? Und warum?
Außer Isla Jones liebe ich den alten Kunsthändler Sir Alistair Flythe. Ein alter Mann, der Charme, Klugheit und einen vornehmen Geist besitzt. Ein Mann, der in jungen Jahren Verantwortung übernommen hat, zu einer großen Liebe fähig und dazu bereit war, für diese Frau alles zu tun. Ist das nicht überwältigend?

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