Verlagsgruppe Droemer Knaur



Markus Heitz im Interview zu Exkarnation

Von so einem Erfolg träumt man

Mit Ihren Zwergen-Romanen haben Sie den großen Durchbruch geschafft, mit Ihren Urban-Fantasy-Thrillern begeistern Sie eine große Fangemeinde. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Von so einem Erfolg träumt man, ist aber noch mehr überrascht, wenn er sich plötzlich einstellt. Natürlich freue ich mich, dass ich mit dem meinen Lebensunterhalt verdienen kann, das mir am meisten Spaß macht. Was kann es Besseres geben? Nix. Eben.
Gleichzeitig ist es eine schöne Anerkennung für die Kreativität, mit der man unermüdlich Welten erschafft, Handlungen entwirft und Charaktere durch Leben und Tod führt.
Allerdings bin ich mir im Klaren darüber, dass Erfolg sehr vergänglich ist. Und schnell vergehen kann.
Die Presse bezeichnet Sie gerne als „Großmeister der deutschen Phantastik“. Was halten Sie von diesen Schlagwörtern?

Sie meinen, nachdem ich aus dem Lachen rausgekommen bin?
Ach, ich bin ja froh, nicht als "Kleingeselle" bezeichnet zu werden. Und so ein Titel lockt stets Menschen an, die den "Großmeister" herausfordern oder beerben wollen. Das kann stressig werden.
Mit meinem "Magister"-Titel bin ich allerdings zufrieden, ehrlich an der Uni "einstudiert", und "Meister", das ist in Ordnung.
Oh, ja, die Frage lautete, was ich davon halte.
Man ahnt die Antwort, oder? Sie stand zwischen den Zeilen.
Das Schreiben nimmt einen wichtigen Platz in Ihrem Leben ein. Woher kommt Ihre Lust am Schreiben und Fabulieren?

Keine Ahnung. Sie ist seit meinem 14. Lebensjahr da, und seitdem verschwindet sie nicht mehr. Hoffe, es bleibt so, und daher hinterfrage ich den Ursprung der Quelle lieber nicht. Sonst könnte sie versiegen.
Abgesehen davon gehört das Kreativsein in mein Leben wie Atmen. Ich brauche beides.
In jedem Beruf gibt es Dinge, die man besonders mag oder hasst. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf als Autor am besten? Und was mögen Sie überhaupt nicht?

Ich mag, dass ich in meinen Büchern und Geschichten tun und lassen kann, was ich will; und die ganzen Specialeffects kosten nicht mal Geld, im Gegensatz zum Film. Ganz klarer Vorteil. Es gibt keine Grenzen - abgesehen von meiner Vorstellungs- und Ausdruckskraft.
Für meinen Teil kann ich nur sagen: An meiner Berufung habe ich nichts auszusetzen.
Uh, doch: auf letzte Fehlersuche in der Lesefahne gehen. Das gehört natürlich dazu, aber es gibt schönere "Arbeiten".
Können Sie sich erinnern, wann Ihre Faszination für Zwerge, Orks, Wandelwesen & Co., sprich Fantasy, entstand? War das bereits in Ihrer Kindheit?

Meine Kindheit war voller Märchen, Sagen und Legenden. Grimm, Tieck, Bechstein, römische und griechische Sagen, moderne Märchenerzählungen, das bekam ich zuerst vorgelesen, später las ich die Bücher selbst. Mich faszinierten die Erlebnisse, die verschiedenen Welten und Möglichkeiten.
War die Phantastik recht früh in meinem Leben, kam die Fantasy erst später hinzu. Und zwar durch den Hobbit, aber ohne, dass ich sofort darauf angesprungen wäre.
Erst mit dem Faible für das klassische Pen&Paper-Rollenspiel rückte die Fantasy in den Vordergrund.
Betrachtet man Ihre mehr als 30 Romane ist offensichtlich, dass Ihre große Liebe der dunklen Seite des Seins gehört. Von SF über Fantasy, Thriller und Horror bis hin zum Rollenspiel erstreckt sich Ihr Schaffen. Wie erklären Sie sich Ihr Faible für das Böse bzw. für die Welt des Dunklen?

Die Bosheits-Abteilung darf eben mehr als die Kollegen von der Guten-Fraktion. Mehr Möglichkeiten.
Zwielichtige Gestalten, graue Figuren, die immer zwischen Gut und Böse pendeln - solche Charaktere gefallen mir besonders. Die klare Zuordnung findet im normalen Leben auch nicht statt. Wie viele Saubermänner und -frauen entpuppten sich nach ihrem Tod als grausam, pervers oder bösartig? Reichlich viele, angefangen bei den einfachen Leuten bis zu gefeierten Helden und Herrscherinnen.
Zudem möchte sich die Leserschaft gruseln, sich fürchten, im Dunkeln ins Grübeln kommen, ob es wirklich eine gute Idee ist, in das leere Haus zu gehen. In einer Welt, in der Technik überwiegt und vieles erklärbar wurde, darf es ruhig ein bisschen mehr unheimlich und merkwürdig zugehen.
Es gibt den berühmten Spruch, jede Legende habe einen wahren Kern. Sollte man nicht vergessen, auch ohne unbedingt daran zu glauben.
Jetzt ist mit Exkarnation wieder ein düsterer, actionreicher Roman erschienen, in dem Wandelwesen und Vampire eine Rolle spielen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Thema der Seelenwanderung. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Da fehlte mir speziell noch der Aspekt der Seele - ein ebenfalls bekanntes Motiv aus dem Horror- und Mysterybereich. Und auch hier zeige ich unbekannte Seiten und Erklärungsmodelle, die natürlich auch Vampire, Werwölfe und Dämonen interessieren. Nicht unbedingt, weil sie ihre Seele zurückerlangen wollen. Es stellt sich nämlich plötzlich Frage, warum sie die Seele überhaupt verloren haben sollten.
Oder was wirklich mit der Seele nach dem Vergehen des Körpers geschieht.
Das Motiv der Seelenwanderung ist altbekannt und eng mit dem Thema der Vergänglichkeit bzw. Unsterblichkeit verbunden. Was hat Sie an diesem Thema gereizt?

Eine Freundin brachte mich mit ihrem Hinweis auf den Grundgedanken, und wenn so eine Idee erstmal im Kopf unterwegs ist, gibt sie nicht auf, bis der Autor -ich- sich mehr und näher damit beschäftigte. Gekoppelt daran war immer die Suche nach einer Darbietung des Motivs, bei dem die Leserschaft nicht mit den Augen rollt und sagt: "Das haben wir schon hundert Mal gelesen."
Beschäftigt Sie dieses Thema auch persönlich? Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich bin Agnostiker und kann damit schwerlich Dinge ausschließen, die mit dem Glauben zu tun haben. Ich habe mich mit mir in langen Diskussionsnächten entschieden, nicht an weitere Durchgänge oder ein Leben danach zu glauben, denn damit fehlt mir im Jetzt die Ausrede, Dinge anzupacken.
Sonst könnte ich sagen: Dafür habe ich Zeit, wenn ich tot bin.
Man muss Dinge tun, wenn man sie umgesetzt haben möchte. Vom Abwarten wird meistens nur Wein besser.
Auch Eric und Sia, die Ihren Lesern bereits bekannt sind, spielen wieder eine Rolle. Worin liegt für Sie der besondere Reiz, die Welt von Eric und Sia ständig zu erweitern?

Nachdem der dunkle Kosmos meiner Schreiberwelten besiedelt ist mit Vampiren, Werwölfen und Dämonen wollte ich eine weitere Komponente ins Spiel bringen. Zwar greife ich auf bekannte Motive des Horrors zurück, lege aber Wert darauf, neue Facetten herauszuarbeiten, sodass für die Leserschaft nicht nur Unterhaltung, sondern auch noch ein kleiner Mehrwert beim Kenntnisstand entsteht, angefangen beim Volksglaube zum Thema Vampir bis zu den verschiedenen Gestaltwandlern. Jetzt also noch Seelenwanderer. Je mehr in einem Kosmos los ist, desto mehr Möglichkeiten habe ich.
In Exkarnation tauchen mit Eric und Sia alte und mystische Charaktere auf, gleichzeitig finden sich Hinweise auf Totenblick und Oneiros, in denen es streckenweise deutlich realer zugeht. Und Leipzig ist der Schmelztiegel.
Wer also in den letzten Jahren seinen Spaß mit den Horror-Romanen hatte, wird sich an manchen Stellen doppelt und dreifach freuen. Doch ich will keine falschen Erwartungen wecken: Der Fokus liegt ganz klar auf dem Seelen-Aspekt rund um Claire; die anderen Hauptcharaktere sind Eric und Sia, die übrigen haben kleinere Chameo-Auftritte.
Bestatter zum Beispiel kann man immer gebrauchen.
Autoren haben meist eine enge Beziehung zu den Charakteren ihrer Bücher. Haben Sie eine besondere Zu- oder Abneigung für einen der Charaktere in Exkarnation?

Nein. Das wäre gelogen. Ich mag alle meine Charaktere, die guten und die bösen.
Was war für Sie die größte Herausforderung beim Schreiben dieses Romans?

Ganz klar die Suche nach dem Neuen im Motiv der Seele und der Seelenwanderung.
Nach so etwas sucht man, und es ist ein bisschen wie bei einer Jagd. Nur würde ich nicht sagen, dass es nach dem Stellen der Idee vorbei ist - ganz im Gegenteil: DANN geht es erst richtig los.
Am Ende von Exkarnation kündigen Sie bereits den zweiten Band an. Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben, wie es weitergeht und wann wir mit Teil zwei rechnen dürfen?

Ein Charakter, der im ersten Teil einen Nebenrolle spielte, rückt hierbei in den Vordergrund.
Und mich reizt es wahnsinnig, eine eigene "Liga der Ungewöhnlichen" aufzustellen. Wer weiß, ob wir Sia, Eric, Justine, Saskia, Korff und Löwenstein gemeinsam in die Schlacht ziehen sehen?
Jeder von ihnen kann was Besonderes und ist was Besonderes. Andererseits: Wer sollte DEM Team widerstehen?
Ach ja, die "Liga der Unbesiegbaren Schurken". Bisschen plakativ, aber meine Güte. So ist es dann.
Sie haben bisher mehr als 30 Romane geschrieben. Haben Sie einen Lieblingsroman? Ein Buch, das Ihnen aus einem bestimmten Grund besonders ans Herz gewachsen ist?

Habe ich - nicht.
Ehrlich, es wäre unfair, einen besonders hervorzuheben. Ich verbinde mit allen Romanen einen besonderen Eindruck, ein besonderes Gefühl. Doch keiner kommt auf einen Sockel.
Sie sind ein überaus aktiver Autor und sind ständig mit neuen Projekten beschäftigt. Wie schaffen Sie es, so produktiv zu sein?

Indem ich arbeite, und zwar gerne und unentwegt. Das vergessen manche, die neidisch sind oder rumjammern. Irgendwo las ich die vereinfachte Formel: Erfolg = Vorbereitung + Gelegenheit. Da ist was dran. Gerade im Buchgeschäft hat Glück eine nicht unbedeutende Rolle.
Zudem möchte ich daran erinnern, dass meine größte Motivation der Spaß an dem ist, was ich tun darf. Es zwingt mich keiner, Geschichten zu schreiben, ich WILL sie schreiben. Und dann noch die ganzen anderen Projekte, aus denen auch mal nichts wird. Ich bin nicht nur von Erfolg gesegnet. Die Vorbereitungen waren schon öfter da, nur die Gelegenheiten erschaffen, das habe ich noch nicht raus. So versandete auch einiges. Aber wer weiß, was ich aus den Ideen noch mache.
Gibt es konkrete Pläne, Ihre Romanwelten zu verfilmen? Dürfen sich Ihre Fans auf eine Verfilmung der Zwerge freuen?

Die Pläne, eine Serie aus den ZWERGEN zu machen, sind noch aktiv. Ansonsten herrscht vornehme Zurückhaltung.
Können Sie uns zum Abschluss einen kleinen Ausblick geben, womit Ihre Leser im nächsten Jahr (2015) rechnen dürfen?

Na, auf alle Fälle mit dem zweiten Band von Exkarnation, vermutlich wieder um den August herum, und die Fantasy-Fans dürfen sich im Frühjahr auf einen fünften Band der Zwerge freuen.

Vielen Dank Markus Heitz!

Die Fragen stellte Alexandra Plath im Juli 2014 für www.droemer-knaur.de

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