Verlagsgruppe Droemer Knaur



Mechtild Borrmann im Porträt

Einleitung

"Mechtild Borrmann spürt in ihren präzise und komplex erzählten Geschichten den Untiefen der menschlichen Psyche nach." Welt am Sonntag

Mit ihren feinfühlig erzählten Kriminalromanen hat Mechtild Borrmann in den letzten Jahren bei Kritik und Lesern viel Aufmerksamkeit erregt. Und das zu Recht, denn Borrmann versteht es wie keine andere deutsche Autorin, Spannung und historisches Zeitgeschehen in eine komplexe Handlung zu verweben, die den Leser in ihren Bann zieht. Wir stellen Ihnen die Autorin und ihre Romane vor.

Eine klassische Autorenkarriere kann die 1960 in Köln geborene Mechtild Borrmann wahrlich nicht vorweisen; ihr Werdegang als Schriftstellerin ist ebenso bunt wie vielseitig. Aufgewachsen am Niederrhein, wo auch viele ihrer Romane angesiedelt sind, machte Borrmann Ausbildungen zur Erzieherin, Gestalttherapeutin, Personalmanagerin sowie Tanz- und Theaterpädagogin. Sie arbeitete viele Jahre in verschiedensten pädagogischen Bereichen, für Tanz- und Theaterprojekte sowie in der Drogenberatung, bevor sie nach Korsika ging und dort eine Strandbar hatte. Von 2003 bis 2009 betrieb sie ein eigenes Restaurant in der Altstadt von Bielefeld und begann parallel mit dem Schreiben von Kriminalromanen. Rückblickend reflektiert Borrmann: "Ich habe in meiner Vergangenheit schon viele verschiedene Dinge gemacht und mich immer auf der Suche erlebt." Mit der Schriftstellerei habe sie das Gefühl, beruflich angekommen zu sein: "Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen."

Borrmanns erster Kriminalroman erschien 2006 unter dem Titel Wenn das Herz im Kopf schlägt. Es folgten Morgen ist der Tag nach gestern (2007) und Mitten in der Stadt (2009), die durchgehend als atmosphärisch dichte, spannungsreiche Kriminalgeschichten gelobt wurden. Mit Wer das Schweigen bricht schrieb die Autorin 2011 einen Bestseller, der mit dem Deutschen Krimi Preis 2012 ausgezeichnet wurde. Das war der literarische Durchbruch für Mechtild Borrmann, die seither als freie Schriftstellerin in Bielefeld arbeitet und lebt.

Mit Der Geiger (2012) und Die andere Hälfte der Hoffnung (2014) umfasst Borrmanns Werk mittlerweile sechs Romane. Alle ihre Bücher sind spannende Zeitreisen, in denen gesellschaftspolitische Fragen eine wichtige Rolle spielen. Dabei geht es der Autorin darum, Realitäten aufzuzeigen: "Sehr oft sieht man nur die großen Zusammenhänge, nicht aber, was diese großen politischen Umstände im Kleinen bedeuten, etwa für eine Familie oder eine Dorfgemeinschaft."

In Wer das Schweigen bricht beschäftigt sich Borrmann mit der NS-Zeit und deren Auswirkungen auf das Leben des Theo Gerhardt. Der Roman stellt die Frage, wie Menschen mit ihrer Schuld weiter leben können, ohne jemals dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. In ihrem Roman Der Geiger wendet sich die Autorin der russischen Historie und der Stalinzeit zu. Wieder verbindet Borrmann vergangene Familien- und Zeitgeschichte mit einer in der Gegenwart spielenden Handlung, die ungemein spannend ist. Kenntnisreich und mit eindringlicher Präzision beschreibt sie das Schicksal des Ehepaars Grenko und ihrer Kinder, die durch die Willkür eines gekränkten Menschen um die Existenz gebracht werden.

In einem Interview erklärt Borrmann ihr Interesse für Geschichte und aktuelles Zeitgeschehen: "Ich mag es, ein Thema intensiv zu recherchieren, in einer spannenden Rahmenhandlung zu erzählen und eine Perspektive zu wählen, die einen anderen Blick auf die Ereignisse erlaubt. Wenn ich mich mit Einzelschicksalen beschäftige, wird nüchternes Geschichtswissen für mich lebendig."

Auch in ihrem Roman Die andere Hälfte der Hoffnung zeigt Borrmann, dass sie es versteht, historische Stoffe spannend zu verpacken. Dieses Mal geht es um den Reaktorunfall in Tschernobyl, der nicht in Vergessenheit geraten dürfe, so Borrmann in unserem Interview, weil das tatsächliche Ausmaß dieser Katastrophe bis heute heruntergespielt werde. Besonders interessieren sie aber "die Menschen und Schicksale der direkt Betroffenen. Aus dem Blickwinkel dieser Menschen werden geschichtliche Ereignisse erlebbar." Das Grauen des Reaktorunglücks, dessen Vertuschung und Auswirkungen bis in die Gegenwart beschreibt Borrmann am Beispiel der Familiengeschichte von Valentina und ihrer Tochter Ekatarina. Geschickt verknüpft sie drei Handlungsstränge zu einem spannenden und bewegenden Stück Zeitgeschichte, das den Leser unwillkürlich in seinen Bann zieht.

Mit Die andere Hälfte der Hoffnung beweist Borrmann erneut, dass sie "keine der üblichen Krimiautoren hierzulande" ist. "Sie spürt in ihren präzise und komplex erzählten Geschichten den Untiefen der menschlichen Psyche nach," so die Welt am Sonntag. Die virtuose Mischung aus Spannung, Geschichte und Zeitgeschehen ist das Markenzeichen von Borrmanns Romanen, die lange im Leser nachwirken.

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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