Verlagsgruppe Droemer Knaur



Werner Bartens über die Notwendigkeit der Berührung

Einleitung

"Wie Berührung hilft" kann jeder spüren!

Der Untertitel des neuesten Sachbuchs von Werner Bartens verspricht die Antwort auf eine nur scheinbar banale Frage: „Warum Frauen Wärmflaschen lieben und Männer mehr Tee trinken sollten“. Es geht nämlich um nicht mehr und nicht weniger als darum, wie wir durch Berührungen mehr Wärme ins menschliche Miteinander bringen können. Werner Bartens war Arzt, bevor er Wissenschaftsredakteur bei der Süddeutschen Zeitung wurde, und weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er selbst oft genug erlebt, wie wenig Bedeutung noch bis vor kurzem einfachen Berührungen beigemessen wurde – die dabei doch große Heilkraft entfalten können, wie Bartens aus ganz verschiedenen Perspektiven und für ganz verschiedene Bereiche beschreibt.


Handschmeichler und Kuschelpartys

So erzählt er nicht nur von „Heilenden Berührungen“, der „Sehnsucht nach Berührung“ oder von dem Zusammenhang von körperlicher Nähe und Liebe, sondern auch davon, wie haptisches Erleben zum Erfolg eines ganzen Geschäftszweigs führen kann, wie etwa beim Siegeszug von iPhone und iPad.
Der Mensch ist ein „Dauerfühler“, denn der haptische Sinn kann nicht wie etwa Sehen oder Hören willentlich abgeschaltet werden. Fühlen ist die erste und letzte Fähigkeit, die einen Menschen ausmacht. So banal diese Erkenntnisse erscheinen, so wenig beachtet wurden sie in der Forschung, die erst seit relativ kurzer Zeit beispielsweise die kulturellen Unterschiede von „Berührungsmustern“ erforscht. In Deutschland, so der Autor, herrscht offenbar ein großes unerfülltes Bedürfnis nach Berührung. Warum sonst boomt die Wellness-Industrie derart, gibt es „Kuschelpartys“ oder großangelegte „Umarmungs“-Aktionen und käufliche „Handschmeichler“?

Mit anschaulichen Beispielen zeigt Bartens, wie und wo zu wenig oder zu viel berührt wurde:  Scheinbar „wilde“ Kinder lassen sich durch Berührungen beruhigen oder eine Körpertherapeutin hilft bei der Heilung. Ein eigenes Kapitel widmet er dem Miteinander von Mann und Frau und den sich daraus ergebenden „Berührungspunkten“ wie etwa beim Sex. Und als Mediziner geht Bartens natürlich darauf ein, was genau die „Gerätemedizin“ verpasst, wenn sie nicht bei Berührungen als Diagnose beginnt. Als prominentes Beispiel beschreibt er, wie Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsarzt der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nur mit seinen Fingern in die Muskeln der Fußballspieler „taucht“, um eine Diagnose stellen zu können.

Der Mensch als "Dauerfühler"

 Weil „Heilung durch Berührung“ zu Unrecht immer noch unterschätzt wird, ist es in Deutschland immer noch unüblich, schreiende Kinder einfach auf den Arm zu nehmen. Zu tief sitzt anscheinend die Angst in vielen Menschen, es könne ein „Zuviel“ an Berührung und Zuwendung geben. Für Bartens ist das Unsinn und er plädiert dafür, endlich von der Idee abzukommen, kleine Kinder aus erzieherischen Gründen schreien zu lassen. Auch hier kann er mit Studien und Untersuchungen verschiedener Fachrichtungen aufwarten und seine These untermauern: zu viel Berührung geht eigentlich gar nicht. Menschen brauchen Berührung, um sich wohl zu fühlen, körperlich und seelisch wachsen und gedeihen zu können. 
Und auch die Sache mit der Badewanne und dem Tee scheint nach der Lektüre einleuchtend, wenn Bartens  durch das Zitieren wissenschaftlicher Studien untermauert, dass eine warme Badewanne oder ein warmer Tee uns am ganzen Körper berühren – bis in die Seele!

Alexandra Hessler, Juli 2014

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