Verlagsgruppe Droemer Knaur



Nancy Salchows "Kirschblütentage" oder auch: Am Ende wird alles gut!

Einleitung

Ein zauberhaftes Buch voll bittersüßer Erinnerungen - Nancy Salchow erzählt über die Hintergründe von "Kirschblütentage"!

Als mir zum ersten Mal die Idee zum Manuskript von „Kirschblütentage“ kam, lief dieser vage Gedanke noch unter dem Arbeitstitel „Emilias Spuren“. Es war mein Wunsch, zu zeigen, wie eine liebende und fürsorgliche Großmutter, als typisches Beispiel für das Bindeglied einer Familie, selbst nach dem Tod noch dafür sorgt, dass ihre Kinder und Enkelkinder einander nicht verlieren. Und ich wollte darstellen, dass nicht nur die Liebe, sondern auch Andenken und Erinnerungen an vergangene Zeiten sehr viel stärker sein können als die Schnelllebigkeit, der wir uns heutzutage viel zu leicht und viel zu schnell unterordnen.

Im Roman macht es sich die willensstarke Emilia kurz vor ihrem Tod zur Aufgabe, ihrer zerrütteten Familie scheinbar zufällige Spuren aus Erinnerungsstücken zu legen, von denen sie hofft, dass sie sowohl ihrem Sohn und seiner Frau als auch ihren beiden Enkelkindern die Augen über den langsamen Zerfall der Familie öffnen mögen. Fotos, Bücher, ein lustiger Anhänger in Form eines roten Plastikschweins – all diese Dinge bilden den roten Faden, mit dem Emilia versucht, ihre Familie vor dem Auseinanderbrechen zu retten.

Auch ich besitze kleine Dinge, die mich immer wieder an meine Familie oder besonders wichtige Begebenheiten erinnern. Kleinigkeiten, die banal erscheinen, und doch so viel Bedeutung in sich tragen:

Kurz bevor meine Mutter verstarb, erstellte sie mir zu meinem Geburtstag eine Glückwunschkarte, in der sich ein kleiner Schutzengel befand. Diesen kleinen Engel trage ich noch heute immer bei mir und erwische mich gerne bei der Vorstellung, dass er auch heute noch seinen Job erledigt, wohin auch immer ich gehe. Bild_Salchow_Engel

 

 

Leider musste ich mich auch von meinem Zwillingsbruder viel zu früh verabschieden, allerdings gibt es ein Foto von uns beiden, das ich stets im Herzen und bei mir trage. Es bedeutet mir sehr viel und lässt mich stets daran glauben, dass alles im Leben aus einem ganz bestimmten Grund geschieht. Selbst die schlimmen Dinge ergeben an irgendeinem Punkt im Leben einen Sinn, der uns die Kraft für neue Erfahrungen und Wege gibt.Bild_Salchow_Zwillingsbruder

 

 

Eine besonders schöne Erfahrung habe ich zu Beginn dieses Jahres gemacht: Im März 2014 erblickte meine kleine Nichte das Licht der Welt. Seitdem erinnert mich dieses bezaubernde kleine Fuß-Foto daran, dass sich für jede Tür, die sich im Leben schließt, immer auch eine neue öffnet – dieses Foto ist daher wie ein Zeichen für mich. Ein Zeichen dafür, dass das Schicksal seine ganz eigenen Gesetze hat. Bild_Salchow_Babyfüße

 

Und so, wie ich daran glaube, glaube ich auch an die Tatsache, dass am Ende alles gut wird und dass man, wenn es noch nicht gut ist, eben auch noch nicht am Ende angelangt ist. Das zumindest sagt Oscar Wilde in einem Zitat, das mich während eines kurzzeitigen Klinikaufenthaltes begleitet hat und das ich mir auf einer kleinen Karte notierte, die mich seitdem ebenfalls begleitet.

 

All das sind scheinbar winzige Details und doch haben sie bis heute eine große Bedeutung für mich. Denn am Ende zählt doch nur eines: der Glaube daran, dass alles gut wird.


Nancy Salchow im Oktober 2014

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