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So liest man heute.

Kruzitürken: Su Turhan und sein Kommissar Pascha

Einleitung

"Völkerverständigung auf die humoristische Art, das ist es, was der Münchner Schriftsteller und Filmemacher mit seinen Kriminalromanen um Kommissar Pascha betreibt" (SZ Extra)!

Su Turhan ist Autor und Erfinder von Kommissar Pascha, der eigentlich Zeki Demirbilek heißt und bei der Münchner Kripo arbeitet. Beide haben einiges gemeinsam: Als Istanbuler Münchner oder bayrische Türken ist ihr Lebensmittelpunkt zwischen Döner und Schweinsbraten, Çay und Weißbier angesiedelt. Dass dies kein Widerspruch sondern eine Bereicherung ist, beweisen Turhan und sein Antiheld nach Kommissar Pascha und Bierleichen auch im dritten Roman Kruzitürken.

Bei Freunden und Kollegen ist er wegen seiner "osmanischen" Verhaltensweisen nur als Kommissar Pascha bekannt: Zeki Demirbilek – ein deutscher Kriminalkommissar türkischer Herkunft, der bei der Münchener Polizei das (fiktive) Sonderdezernat Migra leitet. Gemeinsam mit seinen beiden Mitarbeiterinnen Isabel Vierkant und Jale Cengiz soll Zeki "Kapitalverbrechen aufklären, bei denen Opfer oder Täter einen Migrationshintergrund aufweisen." Für diese Aufgabe scheint der türkische Pascha und bayerische Grantler prädestiniert zu sein, der freitags betet und sonntags gerne Schweinebraten isst und der sowohl eine türkische als auch eine deutsche Ex-Frau hat. Zeki ist ein Wanderer zwischen den Kulturen:

"Zeki Demirbilek galt nicht nur im Polizeipräsidium als Vorzeigetürke, auch innerhalb der türkischen Gemeinde genoss er den Ruf als einer, der es geschafft hatte, obwohl er bei aller Integration seine Wurzeln nicht leugnete. Der Spagat, in beiden Kulturen heimisch zu sein und sich wohlzufühlen, gelang ihm scheinbar mühelos. Der Grund lag jedoch nicht darin, dass der von klein auf streitbare, oft uneinsichtige Zeitgenosse sich an die deutschen Verhältnisse übergebührlich anpasste oder charakterlich verrenkte, um der zu sein, der er war. Vielmehr lag es daran, dass er sich einen Dreck, darum scherte, ob seine Mitmenschen ein Problem damit hatten, was er war. Er war Münchner. Durch und durch. Und Istanbuler. Durch und durch. Und über beiden kulturellen Identitäten schwebte seine Berufung zum Kommissar."


Wie Kommissar Pascha ist auch der Autor selbst ein Wanderer zwischen den Kulturen und kennt das Lebensgefühl, das seinen Antihelden umtreibt, aus eigener Erfahrung. Seine türkischen Wurzeln sind Su Turhan ebenso wichtig wie sein Münchner Lebensumfeld. Hier arbeitet er erfolgreich als Regisseur und Autor und zieht gemeinsam mit seiner Frau, einer waschechten Münchnerin, seine zwei Kinder groß. Auch Turhan isst gerne Schweinebraten und trinkt gerne Bier, obwohl er strenggenommen Muslim ist und – ginge es nach seinen Eltern – die Finger davon lassen sollte. Aber er kann eben nicht anders – da geht es ihm wie seinem Kommissar, mit dem er einiges gemeinsam hat.
 
Süleyman (Su) Turhan wurde 1966 in Istanbul geboren und kam als Sohn deutscher Gastarbeiter im Alter von zwei Jahren nach Deutschland. Seine Eltern ließen sich in Straubing, einer 45.000-Einwohner-Stadt in Niederbayern, nieder, wo seine Mutter als Näherin und später gemeinsam mit ihrem Mann in einer Skifabrik arbeitete. Ihr Sohn Süleyman besuchte das Gymnasium und war der erste türkische Abiturient Straubings. Anschließend ging er nach München, um dort Germanistik mit Schwerpunkt Filmphilologie zu studieren. Bereits während seines Studiums arbeitete er als Aufnahmeleiter und Regieassistent an diversen Filmprojekten mit.

Für seinen Kurzfilm Gone Underground, für den Turhan neben prominenten Darstellern wie Ralph Herforth und Katja Flint auch den Kameramann Michael Ballhaus gewinnen konnte, hat er u. a. den Deutschen Kurzfilmpreis in Silber gewonnen. Sein Kinofilm Ayla, eine dramatische Liebesgeschichte über die Zwangsehe in türkischen Familien in Deutschland, wurde auf dem renommierten Max-Ophüls-Festival uraufgeführt und gewann zahlreiche Preise, u. a. den Publikumspreis in New York und Siena. Außerdem dreht Turhan Musikvideos, Werbespots und Dokumentationen fürs Fernsehen.

Seit 2013 feiert Turhan auch als Kriminalautor Erfolge: Auf sein Debüt Kommissar Pascha folgten mit Bierleichen der zweite und mit Kruzitürken der dritte Fall des eigenwilligen Kommissars Zeki Demirbilek und seiner SOKO Migra. Turhans Bücher offenbaren, dass er großen Spaß daran hat, die Einwanderungsgesellschaft in allen ihren Facetten zu spiegeln und das bayrisch-türkische genüsslich durch den Kakao zu ziehen. Das Spiel mit den Klischees betreibt Turhan herrlich bissig und inkorrekt, aber stets mit einem Augenzwinkern. Dabei kommt aber auch der Krimiplot nicht zu kurz. Unterhaltsam und spannend zugleich hält uns Turhan mit seinem Kommissar Pascha vor Augen, dass Menschen, die beide Kulturen in sich vereinen, längst zum Alltag gehören und die Gesellschaft bereichern. Nicht zuletzt zeigen Turhans Figuren auch, wie die tageszeitung bemerkt, "dass die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Türken weitaus größer sind als das Trennende." So träumt der fastende Kommissar während des Ramadans von einer Butterbrezel mit Salz und einem süffigen Weißbier. "Völkerverständigung auf die humoristische Art, das ist es, was der Münchner Schriftsteller und Filmemacher mit seinen Kriminalromanen um Kommissar Pascha betreibt" (SZ Extra)!

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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