Verlagsgruppe Droemer Knaur



Ulf Schiewe im Interview zu "Gold des Südens"

Schiewe

Sie haben sich einen Namen als Autor von historischen Romanen gemacht, die im Hochmittelalter spielen. Was reizt Sie daran, sich in Ihrem neuen Roman in eine ganz andere Zeit zu begeben?

Ich hatte einfach mal Lust, etwas anderes als Hochmittelalter zu schreiben, wobei ich dem Historischen natürlich treu geblieben bin. Aber in diesem Roman geht es nicht um reale historische Persönlichkeiten oder Ereignisse. Alle Figuren sind meine Erfindung. Ich konnte also meiner Fantasie freien Lauf lassen. Trotzdem versuche ich, der Epoche und der Karibik möglichst gerecht zu werden.
Es ist ja auch eine wirklich spannende Zeit um 1635, etwas mehr als hundert Jahre nach der Entdeckung der neuen Welt. In Nordeuropa tobt der Dreißigjährige Krieg, Spanien kann sich nicht genug um seine Kolonien kümmern und andere europäische Nationen dringen in die Karibik vor, um dort Fuß zu fassen. Ein paar Jahre zuvor haben die Holländer vor Kuba die spanische Silberflotte gekapert, Franzosen und Engländer gründen erste winzige Siedlungen. Auf Hispaniola und Tortuga nisten sich die Bukaniere ein und entdecken, neben der Jagd und einer primitiven Landwirtschaft, die Möglichkeiten eines zunächst noch bescheidenen Piratenlebens.
Es ist die Zeit der Ausrottung der Indios, des Sklavenhandels und der schrecklichen Ausbeutung der Afrikaner auf den Zuckerrohrplantagen der Spanier. Es entsteht diese tropische Mischung aus Katholizismus und Voodoo, eine Kultur zwischen Schwarzafrika und weißen Pflanzern, zwischen prüder Frömmigkeit und lasziver Erotik, zwischen kolonialer Zivilisation und einsamer, unberührter tropischer Wildnis. Es ist eine brutale Welt von Gewalt, Intrigen und Korruption inmitten einer verführerischen Natur. Und es ist die Jagd nach Reichtum und Glück, die unternehmungslustige Abenteurer wie meinen Helden in die Karibik treiben.
Meine Frau hat vor vielen Jahren an einer bekannten Pariser Hochschule eine soziologische Magisterarbeit über die Zuckerbarone verfasst. Und ich selbst habe einige Jahre in ihrer Heimat, dem tropischen Pernambuco gelebt, wo die Gesellschaft immer noch vom Zucker und der ehemaligen Sklaverei beeinflusst ist. Außerdem war ich viele Jahre Segler und kenne mich mit dem Meer aus, das in dem Buch ja auch eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Die gesamte Thematik ist mir also nicht unbekannt und es hat Spaß gemacht, darüber zu schreiben. Denn vor allem ist GOLD DES SÜDENS ein spannendes Abenteuer in einer exotischen Welt. Natürlich auch mit etwas Liebe dabei zur Würze. Die schöne Doña Maria spielt eine nicht unwichtige Rolle in der Geschichte.

Ist GOLD DES SÜDENS ein Piratenroman? Wie würden Sie ihn beschreiben?

Mein Held, Jan van Hagen, ist zunächst kein Pirat, sondern ein Schmuggler. Dazu muss man wissen, dass damals der Handel mit den spanischen Kolonien gesetzlich allein auf spanische Kaufleute beschränkt war, die das natürlich maßlos ausnutzten, indem sie den Pflanzern zu wenig für ihre Erzeugnisse zahlten, selbst aber europäische Waren zu Höchstpreisen anboten. Kein Wunder, dass der Schmuggel blühte, allen voran durch holländische Kapitäne. Der spanischen Krone entgingen dadurch wichtige Steuereinnahmen, weshalb der Schwarzmarkthandel bekämpft wurde. Das ist das Szenario, in dem Jan van Hagen versucht, sich zu bereichern und das verloren gegangene Familienvermögen wieder herzustellen.
Allerdings gerät er dabei in Situationen, in denen die Grenze zwischen Schmuggel und Piraterie manchmal verschwimmt. In jedem Fall ist er für die Spanier ein Gesetzloser, der gejagt wird. Ich habe vor, noch weitere Fortsetzungen zu schreiben, in denen Jan immer mehr in die Freibeuterei verstrickt wird, allerdings auf "legale" Weise mit einem offiziellen Kaperbrief der Holländer, die ja mit Spanien zu der Zeit achtzig Jahre lang im bitteren Krieg lagen.

Wie viel Schiewe steckt in Ihrem neuen Protagonisten Jan Van Hagen?

Ich glaube als Autor steckt man immer etwas von sich selbst in seine Protagonisten, auch wenn das ganz unbewusst geschieht. Ich war, besonders als junger Mann, recht abenteuerlustig, bin in der Welt herumgezogen, habe an verschiedenen Orten gelebt, mich für fremde Sprachen und Kulturen interessiert. Und ich liebe das Meer und die Seefahrt, obwohl ich heute kaum noch Gelegenheit dazu habe.
Aber das sind Elemente, die sich auch in der Figur des Jan van Hagen wiederfinden, das unbekümmerte Streben in die Ferne, die Neugierde, was hinter dem Horizont liegt.

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