Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Nathan Filer: Nachruf auf den Mond

Einleitung

"Authentisch, lustig und unendlich traurig" (The Sunday Times)

Mit seinem Debütroman Nachruf auf den Mond hat Nathan Filer in Großbritannien für einen großen Überraschungserfolg gesorgt, der von der Presse euphorisch gefeiert und mit renommierten Preisen wie dem Costa Book Award und dem Betty Trask Prize ausgezeichnet wurde. Auch deutsche Leser werden von der tragikomischen Geschichte begeistert sein!

"Sie sollten wissen, dass ich kein netter Mensch bin. Manchmal bemühe ich mich, nett zu sein, aber meistens klappt es nicht."

Mit diesen Sätzen beginnt Matthew Homes seine Geschichte und erzählt aus seinem 19-jährigen Leben, das ihn als Patient in die Psychiatrische Klinik in Bristol katapultiert hat. Diagnose: Schizophrenie. Das Schreiben ist Bestandteil seiner Therapie und soll ihm helfen, mit seinen Erinnerungen fertig zu werden.

"Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe."

Der Tod seines Bruders Simon ist Dreh- und Angelpunkt von Matthews Erzählung. Seit dem tragischen Unfall des Bruders vor zehn Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall hat Matthew sich und sein Leben nicht mehr unter Kontrolle. Selbst nach zehn Jahren gibt er sich immer noch die Schuld am Tod von Simon. Um mit seiner Trauer, seinen Schuldgefühlen und seinem trostlosen Alltag fertig zu werden, beginnt Matthew, seine Erinnerungen aufzuschreiben.

"Es ist schwieriger, als ich dachte. Über die Vergangenheit nachzudenken ist, wie Gräber aufzubuddeln."

Matthew erzählt seine Geschichte nicht chronologisch, vielmehr springt er durch Raum und Zeit, spricht dabei den Leser direkt an, entschuldigt sich für Passagen, schreibt einmal auf dem Gemeinschaftscomputer der Klinik, einmal auf der Schreibmaschine, die ihm seine Großmutter geschenkt hat, fügt Zeichnungen und Briefe ein. So entwickelt sich ein ausgefuchstes Spiel mit dem Leser, der sowohl in den trübsinnigen Klinikalltag als auch in Matthews Fantasiewelt und Halluzinationen mithineingezogen wird. Wenn Matthew eigenmächtig seine Medikamente absetzt, ist Simon nicht länger tot, dann kann Matthew den Bruder sehen und mit ihm sprechen.

"Simon hat ein wunderschönes Lachgesicht, das aussieht wie der Mond."

Halluzinierend arbeitet Matthew an seinem "Spezialprojekt", hortet Marmeladengläser, stiehlt Spritzen und Schläuche aus dem Krankenhaus. Der geliebte Bruder soll endlich die Ameisenfarm erhalten, die er sich immer wünschte. "Auch Tote haben noch Geburtstag", denkt sich Matthew und glaubt mit diesem Geschenk, alles wieder gut zu machen.

Neben Simon lässt Matthew auch seine Kindheit auferstehen: Er erzählt von seiner Krankheit und erforscht, warum es ausgerechnet ihn getroffen hat. Er zitiert aus dem medizinischen Lexikon, zählt die Nebenwirkungen seiner Medikamente auf und berichtet, wie die Schizophrenie ihn immer mehr beherrschte, er die Kontrolle verlor und schließlich in die Klinik zwangseingewiesen wurde.

"Meine Krankheit hat die Gestalt und den Klang einer Schlange. Wann immer ich etwas Neues lerne, lernt meine Krankheit es auch ... Sie schlängelt sich durch die Äste unseres Familienstammbaums."

Das Schreiben hilft Matthew, den Blick für die Wirklichkeit nicht völlig zu verlieren. Im Laufe des Schreibprozesses lernt er Abschied zu nehmen, seine Trauer loszulassen und langsam ins Leben zurückzufinden. Seine Krankheit bleibt, aber Matthew lernt, sie zu akzeptieren.

"Ich habe Ihnen von meinem ersten Klinikaufenthalt erzählt, und es wird nicht mein letzter bleiben. Wir tanzen einen Reigen, meine Krankheit und ich. Wir sind Elektronen, die einen Atomkern umkreisen."

Mit Nachruf auf den Mond hat Nathan Filer einen tragikomischen Roman über Schizophrenie, das Erwachsenwerden und über den Verlust eines geliebten Menschen geschrieben, der unglaublich einfühlsam und sensibel ist, ohne dabei jemals ins Sentimentale abzudriften. Filers Einblicke in die kranke Seele des Matthew Homes sind sehr bewegend, sehr glaubwürdig – und zugleich sehr witzig. Ohne Zweifel hat der Autor und ehemalige Krankenpfleger einer psychiatrischen Klinik "ein Gespür für die dunkle Komödie des Lebens" (The Observer).

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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