Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Sabine Ebert im Porträt

Einleitung

Geschichte, die unter die Haut geht

Mit ihren historischen Romanen hat Sabine Ebert in den letzten Jahren regelmäßig die vorderen Plätze der Bestsellerlisten erobert. Ihre Mittelalterromane um die Hebamme Marthe und ihr großer Roman 1813 - Kriegsfeuer über die Völkerschlacht bei Leipzig begeistern nicht nur Fans und Leser, sondern haben der deutschen Autorin auch viel Anerkennung von Historikern und Militärs eingebracht. Mit 1815 - Blutfrieden setzt Ebert diesen Erfolg fort und zeichnet ein erschütterndes und aufwühlendes Bild Europas zwischen Völkerschlacht und Waterloo. Wir stellen Ihnen die Bestsellerautorin vor, die es versteht, akribisch zu recherchieren und mit Herzblut zu schreiben – Geschichte, die unter die Haut geht!
Sabine Ebert ist gelungen, wovon viele Autoren träumen: Gleich ihr erster Roman Das Geheimnis der Hebamme wurde 2006 zum Überraschungserfolg. Geplant war dieser Erfolg nicht – eigentlich hatte Ebert sich mit dem Schreiben ihren Herzenswunsch erfüllt und einen Roman über ihre sächsische Wahlheimat Freiberg geschrieben. 
 
Geboren 1958 in Aschersleben, ist Ebert in Berlin aufgewachsen und wollte nach eigenen Aussagen „schon immer Journalistin werden“. Nach dem Volontariat in Magdeburg studierte sie in Rostock Lateinamerika- und Sprachwissenschaften. Anschließend verschlug es sie beruflich in das sächsische Freiberg, wo sie als freie Journalistin arbeitete und mehrere Sachbücher über die Stadt veröffentlichte. Fasziniert von der Geschichte der alten Silberstadt, begann sie einen Roman über Freiberg und seine Menschen im Mittelalter zu schreiben.

Fünf Jahre hat Ebert am ersten Band gearbeitet, akribisch recherchiert, Material gesammelt und fleißig geschrieben und so die Geschichte ihrer fiktiven Figur Marthe mit der großen Geschichte verwoben. Als Das Geheimnis der Hebamme Ende 2006 erschien, war die Fortsetzung schon fast fertig.

Den Erfolg, der nach Erscheinen des ersten Bandes einsetzte, hat niemand erwartet, der Verlag ebenso wenig wie die Autorin. In kurzer Zeit musste nachgedruckt werden und für den Folgeband standen die Leser bereits Schlange. Kein Wunder, denn Ebert beherrscht die Kunst, ebenso lebendig wie historisch detailliert zu schreiben und verbindet auf elegante Weise wunderbares Lesefutter mit Wissensvermittlung. Wenn man aus ihren Romanen auftaucht, möchte man mehr: mehr lesen über das Schicksal der Romanfiguren, aber auch mehr wissen über die Zeit, in der ihre Romane spielen.

Die Geschichte der Hebamme Marthe führt den Leser in die Zeit der Regentschaft Kaiser Barbarossas und seines Sohnes Heinrich VI. und erstreckt sich über 30 Jahre. Die Leser erleben, wie Ende des 12. Jahrhunderts Siedler das Land östlich von Saale und Elbe erschlossen, und wie das erste Silber im Erzgebirge gefunden wurde, während sich weltliche und geistliche Fürsten gegen Heinrich den Löwen auflehnten. Mit dem fünften Band Der Traum der Hebamme findet die bewegende Saga ihren dramatischen Abschluss. Der Leser erlebt dreieinhalbtausend Seiten pralle Geschichte, gefüllt mit Ereignissen, die sich im 12. Jahrhundert tatsächlich zugetragen haben. „Aber“, so betont die Autorin, „es ist auch eine Geschichte darüber, wie aus Knechten Bauern und aus Bauern Bürger werden, eine Geschichte vom Mut der kleinen Leute.“ Inzwischen sind auch die Filmrechte verkauft und derzeit finden in Tschechien die Dreharbeiten zum Zweiteiler Marthes Geheimnis statt. Auch Eberts Roman Blut und Silber nimmt seinen Ausgangspunkt in Freiberg, spielt aber fast einhundert Jahre später um 1300 und wendet sich einem fast unbekannten, aber sehr dramatischen Stück deutscher Geschichte zu.

In all ihren Romanen geht es Ebert darum, nicht nur „eine Liebesgeschichte, ein Rachedrama oder ein Actionabenteuer vor historischer Kulisse zu erzählen. Sondern immer ein Stück deutscher Geschichte. Ich möchte unsere Geschichte lebendig werden lassen – so nah an den Quellen und Fakten, wie es im Roman möglich ist, trotzdem fesselnd, aufwühlend und hochemotional ... Die Grundlage bilden immer die tatsächlichen historischen Ereignisse, alles Fiktive muss sich unterordnen und einfügen.“

Um diesem Anspruch Genüge zu tun, sind akribische Recherchen notwendig: Bevor sie mit dem Schreiben beginnt, arbeitet Ebert sich durch tausende Seiten Fachliteratur, sichtet Quellen und Dokumente und führt viele Gespräche mit Historikern und Experten. Die Bestätigung kommt von ihren Fans, die der Autorin immer wieder schreiben, dass ihre Bücher sie dazu gebracht haben, sich stärker für deutsche Geschichte zu interessieren. Das freut Ebert besonders, die nicht müde wird, die Bedeutung von Geschichte hervorzuheben: „Sie verwurzelt uns, schafft Identität und lässt uns das Heute besser verstehen. Das ist mein Credo.“

Mit ihrem Roman 1813 - Kriegsfeuer verließ die Bestsellerautorin das Mittelalter und befasste sich mit dem epochalen Ereignis der Völkerschlacht bei Leipzig Anfang des 19. Jahrhunderts. Die bis dahin größte Schlacht der Menschheitsgeschichte in einem Roman darzustellen, sei eine enorme Herausforderung für sie gewesen, so Ebert. Doch es war ihr ein besonderes Anliegen, mit den Mythen, die sich bis heute um die Völkerschlacht ranken, aufzuräumen und die Geschichte „frei von Pathos und Heldenverklärung“ zu erzählen. Ebert verlegte ihren Wohnsitz nach Leipzig, um den Orten des Geschehens nahe zu sein und begann, sich in die Quellen zu vertiefen. Detailbesessen arbeitete sie sich durch zwanzig- bis dreißigtausend Seiten Fachliteratur – militärische Abhandlungen, Biografien, Augenzeugenberichte, Tagebücher, Korrespondenzen, diplomatische Geheimakten und vieles mehr – und konnte dabei auch weitgehend unbekanntes, unerforschtes Material sichten. Sie ging mit einer Historiengruppen mehrfach auf Zeitreise ins Jahr 1813 und nahm an Biwaks teil, wo sie zum Beispiel lernte, wie man ein Steinschlossgewehr lädt oder Exerzierübungen durchführt.

 
Bei ihren Recherchen stellte Ebert rasch fest, dass die Fachliteratur und die Quellen extrem widersprüchlich sind: „Das beginnt mit den Zahlen zu Schlachtteilnehmern, den großzügig auf- und abgerundeten gegnerischen und eigenen Verlusten. Da werden Leute zum Sieger einer Schlacht erklärt, die gar nicht dabei waren. Andere, die Großes leisteten, sind vergessen – oder vergessen befohlen? Kaum zwei Augenzeugenberichte lassen sich logisch in Übereinstimmung bringen.“ So räumt Ebert in ihrem Buch mit manchem Mythos auf, der sich um die Schlacht und viele Persönlichkeiten rankt: „Ich grub ganz tief nach den Biografien von Menschen, an denen damals dramatische Entscheidungen hingen und die heute fast vergessen sind. Manchen kann ich rehabilitieren. Bei anderen am Denkmalssockel kratzen.“
 
Von Anfang an hatte sich Ebert das Ziel gesetzt, so dicht wie möglich an den Geschehnissen zu bleiben: „Neunzig Prozent meiner Romanfiguren haben tatsächlich gelebt, nicht nur Generäle, Marschälle und Monarchen, sondern auch Zivilisten. Ich folge Tage für Tag, nicht selten auf die Stunde genau ihren Spuren und lasse sie agieren wie ihre historischen Vorbilder.“ Herausgekommen ist kein „Schlachtenepos“, sondern ein großer Antikriegsroman, der die Geschehnisse und das Leid der Menschen eindrücklich darstellt und den Leser tief bewegt. Die Resonanz auf den Roman ist überwältigend. Nicht nur Leser und Kritik sind begeistert, auch Historiker und Militärs loben die detailgetreue Darstellung der Personen und Geschehnisse.
 
Der Roman 1815 - Blutfrieden schließt nahtlos an die letzten Szenen von 1813 - Kriegsfeuer an, und die Schicksale vieler Protagonisten werden weitererzählt. In bewegenden Szenen beleuchtet Ebert die kaum bekannte Zeit zwischen Völkerschlacht und Waterloo, die für viele deutsche Städte von unglaublicher Dramatik war und heute fast in Vergessenheit geraten ist. Auch in diesem Roman räumt die Autorin mit so manchem Vorurteil auf und zeichnet nach gründlicher Recherche ein erschütterndes und aufwühlendes Bild Europas nach der Völkerschlacht – gesehen mit den Augen ihrer Hauptfigur Henriette.
 
Mit 1815 - Blutfrieden und 1813 - Kriegsfeuer hat Ebert ein breit angelegtes Panorama dieser bewegten Zeit erschaffen, das den Leser tief berührt, indem es die Geschehnisse und das Leid jener Jahre detailliert darstellt. Wie kaum eine andere deutsche Autorin versteht es Ebert, akribisch zu recherchieren und mit Herzblut zu schreiben – Geschichte, die unter die Haut geht!

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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