Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Don Winslow: "Das Kartell"

Einleitung

Art Keller, der berühmte US-Drogenfahnder aus "Tage der Toten", ist zurück.

Der Bestseller Tage der Toten des US-amerikanischen Autors Don Winslow über den Drogenkrieg in Mexiko und den USA wurde von Lesern und Kritikern weltweit gefeiert. In Das Kartell kehrt Art Keller, der berühmte US-Drogenfahnder aus Tage der Toten, zurück und dringt erneut tief in die Strukturen der mexikanischen Drogenmafia ein. Ein ebenso mitreißender wie erschütternder Thriller!

Der amerikanische Krimiautor Don Winslow, der in Kalifornien bei San Diego lebt, beschäftigt sich seit Jahren mit dem mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg. Für seinen Roman Tage der Toten recherchierte und schrieb er sechs Jahre lang intensiv, studierte Akten und Protokolle, reiste nach Mexiko und in andere Länder der Welt, um mit Opfern und Tätern des Drogenhandels ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise ist ein monumentaler Roman entstanden, der die Strukturen der Drogenmafia gnadenlos offenlegt und ein blutiges, äußerst kritisches Panorama des vor 40 Jahren von der US-Regierung ausgerufenen "War on Drugs" zeichnet. Tage der Toten wurde international als Meisterwerk gefeiert und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis 2011.

Mit Das Kartell legt Winslow nun eine Fortsetzung vor und schildert schonungslos und realitätsnah die dramatische Eskalation des Drogenkrieges während der letzten zehn Jahre. Im Interview erklärt der Autor: "Ich habe wirklich geglaubt, in Tage der Toten das Schlimmste schon verarbeitet zu haben. Doch seitdem sind die Dinge noch viel schlimmer geworden, schon allein wenn man an die Drogengewalt in Mexiko denkt."

Das Kartell spielt in den Jahren 2004 bis 2012 und wieder steht Art Keller, der US-Drogenfahnder der "Drug Enforcement Agency", und sein Kampf gegen den mächtigen Drogenboss Adán Barrera im Mittelpunkt der Handlung. Nachdem es Keller in Tage der Toten gelungen war, die weltweit mächtigste Drogenorganisation, El Federación, zu zerschlagen und deren Patron Adán Barrera in San Diego hinter Gitter zu bringen, hat sich der Fahnder in ein Kloster zurückgezogen.

Doch dann stört die Verlegung von Barrera in ein mexikanisches Gefängnis das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Drogenkartellen. Als Barrera die Flucht aus dem Gefängnis gelingt und er beginnt, sein Machtzentrum langsam aber sicher wieder aufzubauen, bricht ein Krieg von ungekannten Ausmaßen und unvergleichlicher Brutalität zwischen den Kartellen aus.

Keller nimmt seinen Feldzug gegen Barrera wieder auf und ist entschlossen, seinen Erzfeind dieses Mal endgültig auszuschalten. Er begibt sich auf eine atemlose Jagd und in einen entfesselten Krieg, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse längst verschwunden sind: ein Krieg mit epischem Ausmaß und von unvorstellbarer Gewalt, ein Krieg gegen die Gesetzlosen. Dieser Krieg wird in den Bergen und Städten Mexikos ebenso wie im Machtzentrum Washingtons und auf den Straßen von Berlin und Barcelona geführt. Zugleich ist es auch Kellers persönlicher Drogenkrieg, gegen seine eigene Verstrickung. Die Frage, die über jeder seiner Taten schwebt: Strebt er nach Gerechtigkeit oder Rache?

Die Handlung umspannt einen Zeitraum von fast zehn Jahren und neben den Protagonisten Keller und Barrera bringt Winslow eine Vielzahl weiterer Charaktere ins Spiel, die alle, bis hin zur kleinsten Nebenfigur, vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet sind. Gewidmet ist der Roman all jenen Journalisten, die in der vergangenen Dekade in Mexiko ermordet wurden: eine lange, zwei Seiten umfassende Auflistung von Namen. Im Laufe des Romans erhält der Leser Einblick in das Leben mexikanischer Journalisten, die über den Drogenkrieg berichten und dafür mit ihrem Leben bezahlen. Eindrucksvoll wird dargestellt, wie die Kartelle nicht nur die Staatsmacht unterwandern, sondern systematisch auch die Medien und große Teile der Bevölkerung korrumpieren und zerstören. Dabei nimmt die Spirale der Gewalt und Korruption unfassbare Dimensionen an.

Das Kartell ist ein Roman mit beängstigender Realitätsnähe, eine wahrhaft erschütternde, genau recherchierte Geschichte über die mexikanisch-amerikanischen Drogenkriege und die Männer - und Frauen -, die sie führen. Schonungslos legt der Roman die Strukturen des Drogenhandels offen und erklärt die amerikanische Drogenpolitik der letzten 40 Jahre für gescheitert. Dass Washingtons Krieg gegen die Drogen, der bereits Billionen Dollar verschlungen hat, das System des Verbrechens und der Gewalt am Leben hält, diese Wahrheit spricht Winslow in seinem Roman offen aus:

„Der sogenannte Krieg gegen die Drogen ist ein Karussell. Fliegt einer raus, steigt sofort der Nächste ein. Und solange die Gier nach Drogen unersättlich ist, bleibt das so. Der gierige Moloch aber lauert auf dieser Seite der Grenze.
Was die Politiker nie verstehen oder auch nur zur Kenntnis nehmen: Das sogenannte mexikanische Drogenproblem ist nicht das mexikanische Drogenproblem, es ist das amerikanische Drogenproblem.
Ohne Käufer kein Geschäft.
Die Lösung liegt nicht in Mexiko.
Fängt man einen Boss wie Barrera, wird er durch einen neuen ersetzt. Fängt man den auch, kommt wieder ein anderer. Und so weiter.“

Für Winslow steht außer Frage, dass nur die Legalisierung von Drogen die Spirale der Gewalt in Mexiko beenden kann. Denn nur so könne der Profit der Kartelle minimiert und der Infrastruktur des Verbrechens und der Gewalt das Handwerk gelegt werden. So liegt die Lösung des 'mexikanischen' Drogenproblems nicht nur in Amerika sondern auch in Europa, wo die Kartelle "35 bis 50 Prozent mehr für Kokain erlösen als in Amerika - ein gewaltiger Bonus".

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de 

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