Verlagsgruppe Droemer Knaur



Daniel Holbe: Schwarzer Mann

Einleitung

Die hessische Provinz kann tödlich sein

Tatort Wetterau: In Daniel Holbes Krimi Schwarzer Mann ermitteln die beiden Kommissare Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach ihren zweiten Fall in der hessischen Provinz.
 
Die Wetterau ist eine beschauliche Region im Norden von Frankfurt zwischen den Ausläufern des Vogelsberges und den Hängen des Taunus. Hierhin, genauer gesagt nach Bad Vilbel, hat Autor Daniel Holbe seine Kommissarin Sabine Kaufmann versetzt, die zuvor bei der Frankfurter Mordkommission gearbeitet hat. Holbe kennt die Gegend wie seine Westentasche, denn er lebt selbst in der Wetterau auf einem Bauernhof mit vier Generationen Familie, einer Handvoll Katzen und zwei Minischweinen.

Bekannt wurde Holbe, als er im Herbst 2011 den literarischen Nachlass des verstorbenen Autors Andreas Franz übernahm und dessen Werk Todesmelodie vollendete. Seitdem führt er erfolgreich Franz’ Bestsellerreihe um die Frankfurter Hauptkommissarin Julia Durant fort.

Eingefleischten Durant-Fans ist Sabine Kaufmann bereits seit Mörderische Tage bekannt, wo sie an der Seite der Kult-Kommissarin ermittelte. Doch Holbe hat die ehrgeizige Sabine Kaufmann aus dem Schatten der Durant-Krimis treten lassen und sie zur Protagonistin einer eigenständigen Krimireihe gemacht, die nicht in der kriminellen Metropole Frankfurt sondern im ländlichen Umfeld der idyllischen Wetterau spielt. Denn auch in der Provinz lauert das Böse – und das hat für Holbe einen besonderen Reiz. Seiner Erfahrung nach entfaltet das Verbrechen auf dem Land nämlich einen größeren Schrecken als in der Stadt.

In Holbes erstem Band Giftspur hatte sich Sabine Kaufmann von Frankfurt nach Bad Vilbel versetzen lassen, um regelmäßigere Arbeitszeiten und ein reduziertes Stundenpensum zu bekommen. Sie muss ihre dort ansässige psychisch kranke Mutter pflegen und nutzte die Gelegenheit zum Wechsel, als bekannt wurde, dass in Bad Vilbel versuchsweise eine kleine Einheit mit K11-Beamten etabliert werden sollte.

In Bad Vilbel arbeitet Sabine mit Kommissar Ralph Angersbach zusammen, den sie zunächst mehr als gewöhnungsbedürftig findet. Ralph ist Mitte vierzig, hat eine schwere Kindheit mit Heim und Pflegefamilie hinter sich und kümmert sich um seine schwierige Teenager-Halbschwester Janine. Die beiden Ermittler bilden ein sehr gegensätzliches Duo und haben demzufolge keinen leichten Start miteinander. Sabine, ein Großstadtkind mit langjähriger Erfahrung bei K11 und Sitte, war an einigen vielbeachteten Morduntersuchungen beteiligt gewesen und hat einen scharfen Blick fürs Detail. Ralph stammt aus der hessischen Provinz, hat die meiste Zeit in Gießen Dienst geleistet und hat eine mürrische, ungehobelte Art. Sie redet zu viel, er zu wenig; sie zeigt Gefühle, er mimt den Harten (und am Ende ist er wahrscheinlich doch der Empathischere). Außerdem ist nicht geklärt, wer der Ranghöhere ist. Amüsant und mit einem schönen Blick für das Detail beschreibt Holbe die Beziehung der beiden Ermittler, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten langsam aufeinander zubewegen.
 
Im zweiten gemeinsamen Fall Schwarzer Mann wird das Ermittlerteam auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur steht die Existenz des Kommissariats in Bad Vilbel auf der Kippe, ein ungewöhnlicher Mordfall gibt den Beamten Rätsel auf: Ein Mann hängt, mit dem Kopf nach unten, an einem Galgen; in seiner Brust ein Projektil. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Toten um Veith Gruber, ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Roter März, der erst kürzlich aus der Haft entlassen und in sein Heimatdorf zurückgekehrt war. Sämtliche Einwohner des Dorfes schweigen eisig und lassen den Ermittlern keinen Zweifel daran, dass sie den Tod von Granaten-Gruber als gerechtfertigt betrachten.

Als das LKA sich in die Ermittlungen einschaltet und den Fall an sich reißen möchte, beginnt ein wildes Kompetenzgerangel. Doch schnell wird klar, dass Ralph auch persönlich in den Fall involviert ist, denn der Mörder hat es offenbar auf seine Familie abgesehen. Plötzlich ist Ralph mit Menschen konfrontiert, von denen er bis dahin nichts wusste und deren kriminelle Vergangenheit ihn zu überrollen droht. Ralph, der einen Teil seiner Kindheit in einem Erziehungsheim verbracht und die meisten Erinnerungen daran verdrängt hat, wird gezwungen, sich mit seiner verkorksten Familiengeschichte – einer "Buckelpiste voller Irrwege" – auseinanderzusetzen.

Sabine versucht nach Kräften, ihren Partner zu unterstützen, ist aber privat mit ihren eigenen Dämonen beschäftigt: die Psychose der Mutter und die Trennung von ihrem Freund, der einen schweren Unfall erleidet, machen ihr schwer zu schaffen.

Doch dann ist Ralph plötzlich verschwunden und gerät in höchste Gefahr. Das perfide Rachespiel des Täters nimmt ein dramatisches Ende ...

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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