Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Thomas Thiemeyer: Babylon

Einleitung

Thomas Thiemeyer stellt Ihnen seinen neuen Roman vor!

Hallo liebe Leser,

ich freue mich sehr, Ihnen an dieser Stelle meinen neuen Roman “Babylon” vorstellen zu dürfen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen ein paar Hintergrundinformationen zu liefern, die Sie so nicht im Buch finden werden. Vor allem möchte ich der Frage nachgehen, wie ich auf die Idee zu dieser Story gekommen bin, wie die Umsetzung erfolgte und welche Ängste ich bezüglich dieses Romans habe. Also treten Sie ein und lassen Sie sich mitnehmen auf die abenteuerliche Reise nach „Babylon“.

Zum Roman: 

Ich kann mich nicht genau erinnern, wann ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass im Nahen und Mittleren Osten etwas nicht stimmt. Ich muss noch recht jung gewesen sein. Meine Eltern waren politisch sehr aktiv  und so nahm ich die Nachrichten, Sondersendungen und Diskussionen im Vorbeigehen mit. Z.B. erinnere ich mich an den Versuch der PLO, den jordanischen König Hussein zu ermorden, ich erinnere mich an den Jom-Kippur-Krieg, den ersten Libanonkrieg, die Intifadas, den Krieg im Gazastreifen, aber natürlich auch an Afghanistan, die Golfkriege, usw. 

Schon damals erschien es mir unerklärlich, warum die Menschen in einer Region von der Größe Frankreichs nicht im Frieden miteinander leben können. Warum es dort seit Tausenden von Jahren Krieg gibt und warum keine Hoffnung auf Erlösung in Sicht ist. Selbst die Recherche zu „Babylon“ hat mich der Beantwortung dieser Frage kaum näher gebracht. Ich habe resigniert und eingesehen, dass es nun einfach mal „so ist“. Warum auch immer. Der Roman „Babylon“ ist ein Stück weit der Versuch einer Erklärung. 

Ein uraltes Geheimnis tief unter dem Sand.

Das irakisch-syrische Grenzgebiet. Zweistromland, Wiege der Zivilisation. Heute eine der gefährlichsten Krisenregionen der Erde.

Ausgerechnet hierhin entsendet Multimilliardär Norman Stromberg die Archäologen Hannah Peters und ihren Mann John Evans. Der Auftrag: die Erkundung eines der rätselhaftesten Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Hannah und ihr Team stoßen auf ein pyramidenartiges Bauwerk, das sich in immer engeren Spiralen hinunter in die Erde schraubt. Ein Schlund der Hölle, der fatal an Dantes Unterwelt erinnert. Was immer in der tiefsten seiner Kammern erwacht ist – ein vorzeitlicher Mechanismus oder eine uralte rachsüchtige Gottheit –, es hat das Ende der Menschheit eingeläutet.

Selbst jetzt, nachdem das Buch zu Ende geschrieben ist, lassen mich die Fragen nicht los. Vor allem vor dem Hintergrund der Flüchtlingstragödie. Was ist es, das die Menschen dort so quält, das sie treibt, Haus, Hof und Familien zu verlassen und auf eine Wanderung zu gehen, die Tausende von Kilometern lang ist? Sind es finstere Machthaber, ist es der Krieg, die Hoffnungslosigkeit und das Elend? Oder ist es die Sonne, die Religion, die Geschichte und Tradition? Ist das alles vom Menschen gemacht, oder existiert dort wirklich etwas Greifbares, „Böses“? Etwas, das man vielleicht ausgraben, exhumieren und vernichten kann? 

„Hölle auf Erden“, das fällt vielen spontan ein, wenn sie über den Nahen und Mittleren Osten sprechen. Dabei war es nicht immer so, im Gegenteil. Uraltes Kulturland liegt dort. Euphrat und Tigris, Babylon und Ninive, Ursprung der Schrift. Es war das Paradies auf Erden und der Beginn aller menschlichen Zivilisation. Heute ist die Region ein schwarzer Fleck auf unseren Seelen. 

Aber ist die Hölle auf Erden nicht vielmehr ein Ort in uns selbst? Ein dunkles Land, dessen Grenzen immer in Sichtweite sind und das schwer zu umwandern ist? Jeder kennt diese seelischen Abgründe. Einmal den Fuß dort hineingesetzt, und man kommt so leicht nicht wieder heraus. Wie Treibsand, der einen mit jedem Schritt tiefer hinabzieht.

„Babylon“ handelt von so einem Ort – einer Region, sowohl auf unseren Karten, als auch in unseren Köpfen und Herzen. Es handelt von einem Bauwerk, das bereits in der Bibel Erwähnung findet. Es handelt von Sprachverwirrung, von Krieg, von der Unfähigkeit zu kommunizieren und von Angst. 

Dinge, die uns nur allzu vertraut sind.

Nun vermute ich mal, dass mein Erklärungsversuch der Tragik der Situation nicht angemessen, sondern bestenfalls „originell“ zu nennen ist. Manch einer meiner Leser wird mir vielleicht vorwerfen, ich würde das Elend der Menschen in dieser Region ausschlachten und mich aus verkaufstechnischen Gründen an aktuelle politische Ereignisse anhängen. Solche Vorwürfe sind immer schwer zu entkräften. Tatsache ist allerdings, dass die Idee zu diesem Roman bereits seit vielen Jahren in meinem Kopf reift und dass sie einen Versuch darstellt, mich schriftstellerisch mit der Materie auseinanderzusetzen. Eine meiner größten Sorgen war dabei, dass die Ereignisse im Roman zum Zeitpunkt des Erscheinens schon wieder veraltet sind. Aber das ist das Risiko jedes Politthrillers. 

Wenn also ein spannender Roman dabei herausgekommen ist, der die Leser zum Nachdenken anregt - gut. Wenn nicht, nun, dann habe ich es wenigstes versucht. Denn wie gesagt: Das Drama um diesen Landstrich begleitet mich bereits mein ganzes Leben. 

Die Inspiration:

Wie so vieles in meinem Leben wurde auch dieser Roman von einem Bild inspiriert. Genauer gesagt, von zweien. Das eine, die klassische Darstellung des Turmbaus zu Babel, das andere, Dantes Hölle aus der „Göttlichen Komödie“. Als ich sie nebeneinander legte, war ich verblüfft über ihre Ähnlichkeit. Es war wie ein Spiegelbild – wie eine Reflexion im Wasser. 

Ein Gedanke begann zu reifen. Was, wenn der biblische Turm gar nicht in die Höhe, sondern in die Tiefe gebaut worden wäre? Was, wenn wir es mit einer, auf dem Kopf stehenden, Rundpyramide zu tun hätten? 

Ich druckte die beiden Bilder nebeneinander aus und fuhr damit zum Knaur Verlag nach München. Kaum hatte ich die Bilder auf den Tisch gelegt, da bekam ich schon die Zusage des Lektorats und einen Buchvertrag. Für mich ein Rekord! Manche Ideen sind einfach so prägnant, dass es nicht vieler Worte bedarf. 

Jetzt kann ich nur hoffen, dass der Funke auch bei Ihnen überspringt und dieser kleine Artikel den Wunsch weckt, das Buch selbst in die Hand nehmen und lesen zu wollen. Ich würde mich sehr freuen.

Viele spannende Lesestunden wünscht Ihnen

Ihr Thomas Thiemeyer

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