Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Die Beinert-Schwestern schreiben über Martin Luther!

Einleitung

Oder auch: wie nähert man sich einem kirchlichen Übermenschen?

Kaum eine historische Persönlichkeit hat so viel niedergeschrieben und sich derart umfangreich geäußert wie Martin Luther (1483-1546). Wer seine Schriften, erhaltene Korrespondenzen und Äußerungen studieren will, hat 80.000 Buchseiten vor sich. Hinzu kommt Sekundärliteratur, die hilft, das umfangreiche Schriftwerk zu verstehen und zu deuten. Noch heute streiten sich Historiker über viele von Luthers Äußerungen, sodass weitere Sekundärliteratur entsteht. Wäre das für uns Romanautoren der richtige Weg, uns dem großen Reformator über sein Schrifttum zu nähern? 

Wir haben die Frage von der Antwort her aufgezogen. Nach der Recherche wollten wir zeigen können, wie Martin Luther zu dem mutigen, klugen Mann geworden ist, der die Reformation der Kirche einleitete und dafür sogar sein Leben zu geben bereit war. Uns war es ein Anliegen, den Reformator vor allem als Menschen kennenzulernen, um ein persönliches, emotionales Bild von ihm zu zeichnen. So sind wir auf Martins Mutter Margarethe gestoßen, durch deren Augen Sie, liebe LeserInnen, in unseren neuen Roman „Die Mutter des Satans“ Martin aufwachsen und werden sehen. Vorranging haben wir uns auf Martins Erziehung, das Verhältnis zu seiner Mutter Margarethe und sein familiäres Umfeld vor dem Hintergrund der sozialen Regeln seiner Zeit konzentriert. Ständig hatten wir die Frage nach Martins Wurzeln und Prägungen im Hinterkopf. Erst an zweiter Stelle haben wir seine Schriftzeugnisse und seinen theologischen Werdegang studiert.

Das Umfeld des jungen Martin bestimmte der Kupferschiefer-Bergbau im Mansfelder Land

Aber nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater prägte Martin. Sein Name war Hans Luder, er gehörte zu den wohlhabendsten Bauern im thüringischen Möhra und doch verließ er das Heimatdorf, weil er als ältester von vier Söhnen nicht erbberechtigt war. Damals erbte der Jüngste. Hans Luder gelang der Aufstieg zum Vierherren und angesehenen Bürger in Mansfeld. Er ernährte seine Familie als Hüttenmeister, d.h. Hans schmolz Kupferschiefer zu Schwarzkupfer, aus dem im nächsten Schritt vor allem Silber gewonnen wurde. Luder war der korrekte Familienname auch des Reformators. Martin nannte sich ab ca. 1517 in Anlehnung an eleutherios (griech: Befreiter) Luther.

„Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn, wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald.“

Martins Mutter Margarethe Luder, geborene Lindemann, war die Tochter einer angesehenen Eisenacher Ratsherrenfamilie, aus der viele Juristen hervorgingen. Das Ehepaar Luder war sparsam, erlangte über die Jahre auch bürgerlichen Wohlstand. Beste Vorrausetzungen dafür, Martin ein Studium zu ermöglichen. Als wir uns über die Luders und Martins Erziehung ein Bild machten, mussten wir uns dabei immer wieder ins Gedächtnis rufen, nicht unsere modernen Maßstäbe anzulegen. Martins Zeit war von großer Frömmigkeit und tiefen Ängsten geprägt. Um 1500 war es gang und gäbe an Hexen und Teufel zu glauben, Kinder mit der Rute zu züchtigen und die Frömmigkeit auf die Spitze zu treiben, beispielhaft für Letzteres ist der massive Kauf von Ablassbriefen.

Martins Erziehung und die Rolle seiner Eltern

Martin wuchs im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts auf, wo nicht-adelige Kinder die ersten Jahre ihres Lebens bei der Mutter verbrachten. Sie war die vorrangige Bezugsperson und prägte das Kind. Erst an zweiter Stelle kam der Vater, der tagsüber berufsbedingt meist außer Haus war. Das galt vor allem für Hüttenmeister wie Hans Luder, die in ihren Schmelzhütten in unmittelbarer Nähe der Bergwerke arbeiteten. Sie besaßen keine Werkstatt im Haus, wie es bei einem Schmied oder anderen Handwerkern der Fall war, bei denen die Nähe zu ihren Kindern zumindest räumlich gesehen möglich war. 

Wir sind davon überzeugt, dass viele unserer Eigenschaften, die wir im Erwachsenenleben aufweisen, bereits in unserer Kindheit angelegt wurden und durch Erziehung gefördert oder gemindert werden. Im Falle von Martin waren das sein Interesse an Büchern, an der Sprache grundsätzlich, seine Musikalität und das so wichtige (kindliche) Urvertrauen. Dafür hatte nur Margarethe Zeit.

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Mutter

Margarethe war es also, die Martin durch ihre mütterliche Fürsorge und bedingungslose Liebe mit mit den Voraussetzungen ausstattete, ohne die er später nicht für seinen Glauben hätte eintreten können. Wir sind überzeugt, dass sich Margarethe mit einer liebevollen Strenge ihrer Kinder annahm, die Martin später auch die Liebe und Barmherzigkeit Gottes erkennen ließ. Denn Zärtlichkeit, Wärme und Entzücken kann ein Mensch am ehesten empfinden, wenn er sie selbst erfahren hat. Und die Liebe und Barmherzigkeit Gottes sind der emotionale Kern der Reformation oder „das Mark des Knochens“, wie Martin es formuliert hätte. Ohne Margarethes Liebe für ihren Sohn, hätte Martin den liebevollen Gott vermutlich nicht erkennen können. Das erachten wir als die wichtigste Leistung Margarethes. Die Wurzeln der Luther’schen Reformation sind damit weiblich, glauben wir.

„Unsere Romanheldin Margarethe Luther hat unsere Einstellung zum Glauben verändert.“

Monatelange Recherche floss in „Die Mutter des Satans“, darunter aber eben erst an zweiter Stelle eine intensive Beschäftigung mit dem christlichen Glauben und Martins Schriften. Wir sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen und nicht religiös erzogen worden. Über die Recherche der Luther-Schriften haben wir uns dem evangelischen Glauben genähert. Zuerst vorsichtig, auch kritisch, aber vor allem unvoreingenommen. Die Geschehnisse der Reformation erleben Sie, liebe LeserInnen, durch Margarethes Augen. Sie entwickelt sich von der Katholikin zur Protestantin. 

Der barmherzige Gott Luthers hat uns berührt, ebenso die unmittelbare Beziehung des Gläubigen zum höchsten Richter, wie Martin Luther es betonte. Im Rahmen dieser Annäherung haben wir evangelische Messfeiern in unterschiedlichen Ländern besucht, Gläubigen zugehört sowie berührende und stärkende Momente erlebt. Unsere Romanheldin Margarethe hat uns erst die Augen für den Glauben geöffnet und uns mit auf ihre protestantische Reise genommen. 

Und warum macht das Margarethe Luder zur Mutter des Satans? Nun ist es an Ihnen, liebe LeserInnen, das nachzulesen. Lassen Sie sich von Pest, Ablass und Aberglaube ins ausgehenden Mittelalter entführen. Wir wünschen ein spannendes Leseerlebnis mit „Die Mutter des Satans“. 

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