Verlagsgruppe Droemer Knaur



Gabriella Engelmann schreibt über "Strandkorbträume"

Einleitung

Wie die Büchernest-Serie entstand & warum es gerade Sylt als Handlungsort sein muss!

Ich erinnere mich noch genau an das Mittagessen mit der Programmleiterin des Knaur-Verlags, nachdem mein Debüt erschienen war. Sie sagte: „Frau Engelmann, schreiben Sie doch mal über ernstere, größere Themen, ich traue Ihnen das zu.“

Nach zwei Romantic Comedies erschien mir dieser Vorschlag zwar schmeichelhaft, aber schwierig umzusetzen. Worüber sollte ich schreiben? Und wo sollte der Roman spielen?

Keine drei Wochen später kam mir die Idee:

Ich stand in einer Buchhandlung in Westerland vor dem Regal mit den Sylt-Büchern und sah „nur“ Krimis oder historische Romane. 

Doch was sollten diejenigen lesen, die sich nicht gern gruselten? 

Die sich im Strandkorb entspannen, zwischendrin aufs Meer schauen oder sich von daheim aus auf die Insel träumen wollten?

Gabriella Engelmann: auf hoher See und bei ihren Leserinnen hoch im Kurs!

Und wieso gerade Sylt, könnte man sich fragen – es gibt doch so viele andere schöne Inseln! Die Antwort darauf lautet: weil ich Sylt bereise, seit ich Mitte zwanzig bin (also schon ein paar Tage her). Ich kenne und liebe diese Insel, habe dort Urlaube verbracht, sogar geheiratet. In all den Jahren habe ich – teils betrübt – beobachtet, wie Sylt sich verändert. Doch ich bin immer noch fasziniert von der schönen und abwechslungsreichen Landschaft, der tollen Luft. Dem Erholungswert, der einsetzt, sobald man angekommen ist – und davon, wie viele Facetten Sylt hat. All dies zu beschreiben hat mich von der ersten Sekunde meiner Idee gereizt.

 Da ich selbst gelernte Buchhändlerin bin, nahm die Figur der Larissa, genannt Lissy, ganz schnell Gestalt in meinem Kopf an. Von ihrem Freund betrogen und verlassen, sollte sie ihre Tante Bea in Keitum auf Sylt vertreten, solange diese mit ihrer besten Freundin Vero auf Weltreise ging. 

Da ich es liebe zu lesen, aber auch in Cafés herumzusitzen (oder idealerweise beides miteinander zu verbinden), musste natürlich ein Café her – am besten in nächster Nähe zur Buchhandlung Bücherkoje in Keitum, die von nun an Lissys Wirkungsstätte werden würde. 

Meine andere Leidenschaft gilt der Kunst, die auch das Leben der chaotischen, flatterhaften Künstlerin Nele, Betreiberin des Cafés Möwennest, bestimmt.

Dass Lissy und Nele, vollkommen unterschiedliche Charaktere, sich später mögen würden, war zu Beginn des Schreibens nicht abzusehen. Denn „Blöde Kuh“ und „Arrogante Ziege“, war noch das Netteste, was sich die beiden bei ihrer ersten Begegnung gegenseitig an den Kopf warfen.

2007 erschien also Inselzauber und legte damit den Grundstein zu einer Reihe, die mittlerweile Die Büchernest-Serie heißt und bislang vier Bände umfasst. Aus der Buchhandlung und dem Café wurde das Buchcafé Büchernest. Aus ehemaligen Feindinnen beste Freundinnen. Der Roman geriet von Anfang zum Hit, beinahe so, als hätten die Leserinnen nur darauf gewartet.

Nach dem Erfolg von Inselzauber erschienen plötzlich viele Sylt-Romane aus dem Genre „Frauenunterhaltung“, doch ich bekam immer wieder Anfragen, einen zweiten Band zu schreiben. Alle wollten wissen, wie es mit Lissy, Nele, aber auch der resoluten, dickschädeligen Bea und ihrer fantastisch kochenden Freundin Vero weiterging. 

Sie wollten erfahren, ob Larissas Liebe zu Leon eine Zukunft hat und wohin es die rastlose Nele mit ihren zahllosen Affären und dem Hang, einfach zu türmen, als nächstes treibt. 

Es dauerte bis 2013, bis ich diesem Wunsch nachkommen konnte, denn ich schrieb in der Zwischenzeit fünf moderne Märchenadaptionen für den Arena-Verlag.

In Inselsommer standen die Hamburger Galeristin Paula und ihr unerfüllter Kinderwunsch im Mittelpunkt. Sie wurde „die Neue“ und gründete später die Inselkrabben, eine Kinderbetreuung im Buchcafé. Auch sie hatte eine Menge Themen im „Gepäck“, als sie nach Sylt kam, und fühlte sich im Team des Büchernests willkommen und geborgen. Tante Beas Herz geriet in diesem Band ein wenig aus dem Takt, da der sympathische Yogalehrer Adalbert ihr eindeutige Avancen machte – nicht ganz ohne für die Kapitänswitwe mit ausgeprägtem Freiheitsdrang. 

Beim Schreiben von Bea hatte ich übrigens von Anfang an die Schauspielerin Nicole Heesters im Kopf – mal schauen, ob diese Reihe jemals verfilmt wird. Inselzauber wurde immerhin schon mal von Ziegler Film optioniert. 

Nach dem großen Erfolg von Inselsommer baten die Leserinnen erneut um eine Fortsetzung, eine Bitte, der ich sehr gerne nachkam. Es gab schließlich noch soooo viel von den Figuren zu erzählen …

Da ich den Inselwinter auf Sylt ganz besonders liebe, und Weihnachten sowieso, schlug ich dem Verlag vor, einen Weihnachtsband auf den Markt zu bringen, ergänzt von einem Adventskalender, in dem ich viele Inselbräuche aus einem Sylt-Buch untergebracht habe. 

Leider ist es schon lange nicht mehr lieferbar. Doch auf diese Weise konnte ich in Wintersonnenglanz ein Stück Inselkultur und altes Brauchtum bewahren und den Adventskalender mit Rezepten ausstatten. Denn Essen und Genuss spielen, nicht zuletzt dank Köchin Vero, eine wichtige Rolle in allen vier Büchern – genau wie in meinem Leben.

Beinahe legendär ist das Rezept für Veros Kartoffel-Zucchini-Tomaten-Gratin, der begeisterte „Nachkocher“ gefunden hat und immer noch findet. 

Im Anhang von Strandkorbträume gibts endlich die Anleitung für ihre Seelenwärmer-Suppe mit Nordseekrabben, auf das viele schon lange gewartet haben.

In Band vier der Reihe steht das Büchernest selbst im Mittelpunkt, man könnte beinahe sagen, im Zentrum des Sturms. Nach einem heftigen Wasserschaden droht nun auch noch der Rauswurf durch den Pächter – und damit das endgültige Aus für die Buchhandlung, die ohnehin schon unter rückläufigen Zahlen zu leiden hat.

Das bekommt auch Sophie zu spüren, die extra aus Wien angereist ist, um die schwangere Lissy zu unterstützen, der strengste Bettruhe verordnet wurde. Ist sie ihren neuen Job schneller los, als sie das Wort Nordseeinsel buchstabieren kann?!

Werden Bea und Adalbert wie geplant heiraten, oder büxt die eigensinnige Friesin in letzter Sekunde aus? 

Was wird aus der Tändelei von Nele mit Sven, dem Besitzer des Reiterhofs in Keitum, der zum Hotel umgebaut werden soll – und kann sich der Wildfang dazu entschließen, dauerhaft auf Sylt zu leben?

Wenn mich jemand fragt, ob und wie ich für diese Bücher recherchiere, dann kann ich nur sagen: Äußerst akribisch! Wenn Sophie in List mit dem Riesenrad fährt, habe ich das persönlich vor dem Schreiben mit genauso viel Feuereifer getestet, wie die Thai-Nudeln bei Gosch, das Gesteinstürmchen-Bauen am Morsum Kliff oder den Spaziergang im Wäldchen am Strand von Hörnum. 

Da meine Zeit als Buchhändlerin schon ein paar Jahre zurückliegt, habe ich vor dem Schreiben von Strandkorbträume einen Tag in der Badebuchhandlung Klaumann in Westerland hospitiert. Kein ganz leichtes Unterfangen, weder für mich noch für die Kunden. Das Empfehlen von heißgeliebten Büchern ging mir immer noch leicht von der Hand. Aber Scannen von Büchern zur Erfassung von Warengruppen? Ein hochsensibles Kassensystem?

Ich denke immer noch mit Schaudern an die lange Warteschlange, die ich durch meine Unfähigkeit produziert habe, und bitte um Nachsicht.

Natürlich helfen mir auch immer wieder nette Insulaner oder andere Menschen bei den Recherchen. Sie erklären mir die politische Situation und das Gentrifizierungsproblem, führen mich an die Welt des Surfens und Kitens heran oder tragen maßgeblich dazu bei, dass aus einem Glasbläser plötzlich ein raubeiniger Treibholzkünstler nach dem Vorbild von Bo von der Galerie Dünenstrauss in List wird.

Wildrosen verzaubern die Inseln mit ihrer leuchtenden Farbe und dem wunderbaren Duft

Auch viele Leserinnen haben Freude daran, mir Location-Tipps zu geben, wie z.B. das Café Kuhstall in Tinnum, das in diesem Roman allerdings noch nicht vorkommt.

Aber wer weiß?

Vielleicht gibt es ja einen weiteren Band – und damit ein Wiedersehen mit den Figuren des Büchernests, die so viele Leserinnen bereits als ihre Freundinnen bezeichnen.

Ein riesiges Kompliment, über das ich mich jedes Mal wieder aufs Neue freue.

Denn Freundinnen möchte man doch gerne wiedersehen, nicht wahr?

Viel Spaß beim Lesen von Strandkorbträume, habt einen wundervollen Sommer.

Eure Gabriella

Noch mehr Meer von Gabriella Engelmann!

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