Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Hanna Caspian

Ihr Tipp: Nach den Sternen greifen, um zum Mond zu kommen!

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Beschreiben Sie sich mit drei Worten!

Wissbegierig, Lebenshungrig und Weltreisende 

Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?

Unhöfliche Menschen und fehlende Wertschätzung ärgern mich sehr. Ungerechtigkeiten können mich tagelang verfolgen. Leben und Leben lassen ist keine Aufforderung zur Ignoranz. 

Zeit mit Freunden zu verbringen macht mir Freude. Unglaubliche Freude empfinde ich bei einem Buch, in das ich abtauchen kann. Wie schade, dass die besten Bücher immer so schnell enden, selbst wenn sie dick sind.

Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?

Mein Frühstück würde ich gerne in Cairns, Queensland, einnehmen. Hinter mir der Regenwald, vor mir das Great Barrier Reef und über mir die australischen Sonne. Was will ich mehr?

Mittagsessen am liebsten noch mal wie früher bei Muttern, mit all meinen Geschwistern rund um den Tisch.

Abendessen in Koh Samui am Strand mit Blick auf den thailändischen Mond. Dazu scharfes Gemüse in Kokosmilch. Yummi!

Kaffee oder Tee?

Morgens früh Kaffee, später Earl Grey, zwischendurch viel Wasser und abends Lemon, Lime and Bitters.

Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?

Ein Tag am Meer, soviel ist mal sicher. Es ist sonnig und ich kann den ganzen Tag schwimmen. Dabei kommt mir eine grandiose Idee für einen nächsten Roman. Zwischendurch werde ich bekocht. Das ist wichtig, weil ich nicht gerne koche, aber sehr gerne lecker esse. Doofe Kombination, ich weiß. Hab ich mir nicht freiwillig ausgesucht. Nach dem Essen ziehe ich mich zurück mit einem guten Buch. Und abends wird am Strand gegrillt – mit netten Leuten bei Bier, Wein oder Cocktail in einer interessanten Runde. Also alles in allem nichts Kompliziertes.

Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?

Da gibt es diese Frau, die mir abends beim Einschlafen an die Schädeldecke klopft und befiehlt: Schreib das jetzt auf. Doch ja, meine Muse will mir immer in den unpassendsten Momenten ihre neusten Ideen unterschieben. Wenn ich gerade im Urlaub bin, oder abends entspannt bei einem Bierchen sitze. Vielleicht stehe ich gerade unter der Dusche oder … Egal, sie wird schon einen völlig ungeeigneten Moment finden. Denn eins ist sicher: Sie kreuzt nicht einfach auf, wenn ich nach Ideen suchend und um Hilfe flehend am Schreibtisch sitze. Sie plant ihren grandiosen Auftritt – eine echte Diva. 

Neben der Arbeit als Schriftstellerin – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?

Segelschiffskapitänin. Mit einer schönen Windjammer rund um die Welt segeln, das würde mir sehr gefallen. Morgens Delfine zählen und abends die Sterne. Segeln lernen steht noch auf meiner Liste. Dazu bin ich bisher leider noch nicht gekommen. Aber ich liebe es, auf Schiffen zu sein. 

Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?

Wow, was für eine kniffelige Frage an eine Autorin. Nun kann ich mich stolz in die Brust werfen und mit bedeutenden Namen jonglieren, um mir einen elitären Anstrich zu geben. Was ich nicht mag. Oder ich nenne schnell meine Lieblingskolleg*innen und mache mich dafür bei Tausend anderen unbeliebt. 

Tatsächlich ist es sowieso so, dass ich nicht die eine oder andere Autor*in bevorzuge. Ich lese querbeet. Und zwar alles, dessen ich habhaft werde. Am liebsten historische Romane und Liebesromane, Jugendromane und Fantasie, J.R.R. Tolkien und George R.R. Martin, Thriller und Krimis, Sach- und Fachbücher, Märchen und Abstruses, Gebrauchsanleitungen für Feuerwerke. Eben alles, Hauptsache, ich habe etwas zu lesen. Wichtig ist mir nur, dass die Autor*in es schafft, mich in die Geschichte hineinzuziehen. Selbst bei der gleichen Verfasser*in kann das von Buch zu Buch sehr unterschiedlich sein.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? 

„Bühlerhöhe“ von Brigitte Glaser. Ganz neue Einsichten in ein spannendes historisches Thema. Gut geschrieben und fesselnd. Tolle Figuren, Hintergrundwissen, unbekannte  Aspekte einer bekannten Welt. Das ganze Paket eben. So liebe ich das. 

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

„Der Circle“ von Dave Eggers. In Zeiten wie unseren ein hilfreicher Wegweiser bei der Frage: Wie will ich eigentlich in Zukunft leben? Ende offen, eben wie im richtigen Leben.

Gibt es ein Buch, das Sie geschenkt bekommen haben, und das für Sie eine besondere Bedeutung hat? Warum?

„Grimmsche Märchen“ zur Kommunion. Weil es mein erstes Buch war. Weil es mich in die Welt der Geschichten geführt hat. Heldenreisen und Roadmovie, Familienintrigen, böse Könige und Coming-of-Age-Prinzessinnen, Kriege, Blut, Mord und Liebesromanzen, Fantasie, Kinderreime und sprechende Tier, Wegweiser für Moral, Ethik und Gefahren. Alles schon dabei, was sich nachher mühsam in einzelne Genres auffächert.    

Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?

Dieser Typ aus dem Bestseller …? Wie war noch gleich der Titel? Ah, genau: The Bible. Übersetzt und redigiert von zu vielen ………… (hier darf die geneigte Leser*in nach Belieben ergänzen). Also Gott eben. Dem würd ich aber mal gehörig die Meinung geigen. Ich frage mich ernsthaft, ob das Inkompetenz ist oder Lustlosigkeit? Chillt der da oben den ganzen Tag, oder was ist los? Läuft doch echt nicht rund hier unten. Der braucht offensichtlich ein Coaching. Wenn man mich fragt, die ganze illustre Bande da oben.

Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?

Tatsächlich wäre ich gerne am 9. November 1918 in Berlin gewesen. Der Krieg war beendet, der Kaiser abgedankt. Zwei Mal wurde an dem Tag die erste deutsche Republik verkündet. Einmal eine demokratische und einmal ein sozialistische. Niemand wusste, wie es weitergehen würde. Die Menschen drifteten zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Verbitterung und Armut. Für eine Zuschauerin muss das extrem spannend gewesen sein. Gelebt haben möchte ich nicht unbedingt zu dieser Zeit. Dazu weiß ich zu viel über ihre Schattenseiten.

Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?

Dann imitiere ich mal kurz Miss World: Ich wünsche mit Frieden auf der Welt. Tatsächlich wäre mir das ein wirkliches Anliegen. Außerdem habe ich in meinem Leben gelernt, dass man immer nach den Sternen greifen soll, damit man wenigstens bis zum Mond kommt. Kleiner geht nicht. Also: Weltfrieden.

Als Zweites wünsche ich mir dann ganz profan einen eigenen Swimmingpool. Das ist mein absoluter Traum. Jederzeit schwimmen können, wann und wie ich Lust habe. Im Wasser schwimmen, schweben, spielen. Hach, mein eigener Swimmingpool – materiell gesehen mein allergrößter Wunsch. 

Aber da ich von meinen beiden ersten Wünsche noch so weit entfernt bin, greife ich vorsichtshalber bei meinem letzten Wunsch zu etwas sehr Naheliegendem: Glück und Gesundheit für mich und für alle meine Lieben. Das Beste daran: Für beides kann man selbst viel bewirken. 

Was ist Ihre Lebensphilosophie?

Meine Lebensphilosophie, hm … da ist diese Sache mit der Krone, und der Königin, und dem Hinfallen. Also immer wieder aufstehen, Krone richten und weiter auf den Thron zulaufen. Und wenn ich den Thron erreicht habe, so ein Palast hat doch immer auch einen eigenen Pool. Dann schwimme ich den ganze Tag, also fließe dahin. Ja genau, das war es: Panta rei – alles fließt. Wie beim Yoga. Mit dem Prana das Glück einatmen.  Und das Glück ist mit den Tüchtigen. Bin ich ja. Ich muss immer alles ausprobieren – Versuch macht kluch. Dabei nicht vergessen, das Leben zu genießen. Carpe diem. Und immer schön mit der Energie gehen – dem Chi. Und immer beide Seiten bedenken – Yin und Yang. Das wiederum führt mich zu … Ich glaube, das Leben ist zu vielschichtig für nur eine einzige Lebensphilosophie. Da ist so vieles, was mich antreibt.

Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?

Das nächste Projekt? Bei mir sind es eher zu vielen Projekte, die mir durch den Kopf spucken. 

Ich recherchiere immer unglaublich viel für meine historischen Romane. Und praktisch bei jeder Einzelrecherche taucht ein neues Thema auf, eine spannende Begebenheit, interessante Aspekte der Geschichte, die sich alle lohnen würden, sie in einem Roman zu erzählen. Also, die Ideen gehen mir nicht aus. Mir fehlt nur ein wenig Zeit. 

Danke, dass ich die Fragen beantworten durfte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und beste Unterhaltung beim Lesen. Ob Sie nun meine Romane lesen, oder andere.

Liebe Grüße, Hanna Caspian

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