Verlagsgruppe Droemer Knaur



Schäfchenwolkenhimmel oder: Ein Schaf namens Emmi

Einleitung

Alles begann mit einem Schaf namens Emmi.

Emmi kam genau zu dem Zeitpunkt in mein Leben, als ich Plüschi-Junkine dachte: es ist Zeit, erwachsen zu werden, und deshalb alle meine Stofftiere verschenkt hatte. 

Doch Emmi war von Anfang an nicht „irgendein“ Stofftier, sondern eins mit Charakter, Seele und einer ganz eigenen Sprache. („Ich bin sÄHr glücklich.“)

Man darf ruhig lachen oder mich für komplett verrückt erklären, aber so ist es. Während andere Autoren-KollegInnen Bilder von ihren Hunden oder Katzen posten, zeige ich Emmi. 

Auf Facebook ist sie seit vielen Jahren als „Losschaf“ zuständig für die Ermittlung der Gewinner bei Verschenkspielen. Und nun auch noch Hauptdarstellerin meines neuen Romans, wer hätte das gedacht? Am allerwenigsten wohl Emmi, die recht scheu ist und dem Trubel der Buchbranche immer ein wenig skeptisch gegenübersteht. Schließlich ist es viel wichtiger und schöner, auf einem Deich Gras zu futtern, lange und viel zu schlafen, und die Dinge ruhig anzugehen. Doch ruhig geht´s in einem Autorenleben eher selten zu, denn es wird viel geschrieben, viel gereist – wie im Fall der Recherchen für den Roman nach Föhr – und es gibt Veranstaltungen, und bei allem ist Emmi stets ganz vorne dabei.

Doch wie wurde Emmi zur tierischen Buch-Protagonistin?

„Schuld“ war Droemer Knaur. Verlagsleiter Steffen Haselbach fragte, ob ich mir vorstellen könnte, im neuen Buch ein Tier einzubauen. Einen Hund vielleicht? Eine Katze, ein Pferd? Ich musste erstmal schlucken, und bat bei diesem Meeting (schickes Restaurant in München, Programmleitung und Agentin schauten mich erwartungsvoll an) um eine kleine Bedenkpause. Hunde mag ich zwar sehr, kenne mich aber nicht so gut mit ihnen aus. Katzen und Pferde liebe ich ebenfalls, bin aber leider hochgradig allergisch. 

Dann dachte ich: That´s it! Es gibt doch Emmi.

Die Recherchereise hat neue berufliche Ideen bei Gabriella Engelmann geweckt: Schäferin sein wäre auch ein Sache!

Copyright Foto: Thomas Duffé

Von einem großstädtischen Plüschschaf bis zu einem „echten“ ist´s natürlich ein weiter Weg, und wer mich und meine Bücher kennt, weiß: ich vertraue nicht auf Google, sondern auf  die eigene Recherche. Doch wo treibt man als Hamburgerin ein Lämmchen auf, wie erfährt man von der artgerechten Haltung? Den typisch tierischen Eigenheiten? Die Antwort darauf hat vor allem einer – der Schäfer. Und so saß ich eines Abends in der Stuv von Jörn Petersen in Wrixum auf Föhr, und ließ mir alles erzählen, was es über diese besonderen Tiere zu wissen gibt. Wie es sich anfühlt, ein Schäfchen im Arm zu halten und ihm die Flasche zu geben, erfuhr ich erst beim Foto-Shooting für den Roman. Ganz ehrlich?! Sollte es mal mit dem Schreiben nicht mehr klappen, werde ich Schäferin auf Föhr. 

Damit kommen wir zum Romanschauplatz, meiner Lieblingsinsel im Wattenmeer, umschlossen von Sylt und Amrum. Föhr verändert sich – und diese Veränderung ist ein wichtiges Thema im Buch. Minnie reist im Auftrag eines TV-Senders dorthin, denn Föhr droht allmählich zu „versylten“: die Immobilienpreise steigen, bezahlbarer Wohnraum für Insulaner und Saisonkräfte wird knapp; ein Thema, das mich auch beim Schreiben der Sylter Büchernest-Reihe nachhaltig beschäftigt. Wunderschöne Häuser geraten zu Spekulationsobjekten, werden dank Finanzspritzen aber auch erhalten, liebevoll saniert und restauriert. Dass die Dinge immer zwei Seiten haben, lernt Minnie sehr schnell, und erst recht, als sie sich im Verlauf der Rückkehr an den Ort ihrer Kindheitssommer immer mehr in Föhr verliebt. Genau wie in das hilflose Lämmchen Emmi, das durch Zufall (oder Schicksal?) ihren Weg kreuzt. 

Emmi heißt übrigens EMMI, weil der Roman „Gut gegen Nordwind“ zu meinen Lieblingsbüchern gehört. Heldin Emmi Rothner gewann von der ersten Seite des Buchs an mein Herz, genau wie das Plüschschaf.

Und wie immer geht die Liebe zu Land und Leuten auch durch den Magen - in diesem Fall mit einem besonderen Cruffin

Natürlich wird auch im neuen Roman neben den „tierischen“ und Föhrer Themen wieder viel geschlemmt, Genuss ist nun mal mein Thema. Pensionswirtin Dörte Nielsen, bekannt aus SOMMERWIND und der Kurzgeschichte „Föhrer Glückskekse“ aus der Anthologie SOMMERFUNKELN, hat exklusiv fürs Buch ihr Rezepte-Schatzkästlein geöffnet und verrät Rezepte, nach denen seit Generationen in der Familie der Pensionswirtin aus Nieblum gekocht bzw. gebacken wird. Legendär ihr Butterkuchen, dessen Geheimnis in einer ganz besonderen Zutat liegt. Auch in Sachen Kulinarik lieferte der Verlag Input: Meine Lektorin erspähte auf einem meiner Instagram-Posts einen sog. CRUFFIN (Mischung aus Muffin und Croissant), und wünschte sich eine Föhrer Variante davon. Also machten sich Dörte (aka Güde Vöcking) und ich uns an´s Werk – entstanden sind köstliche Variationen dieses Cruffins, diese Rezepte finden sich ebenfalls im Anhang. Okay, wenn ich ganz ehrlich bin, hat Güde gewirbelt und ich habe probiert, Backen gehört nun mal nicht zu meinen Stärken.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine wunderschöne (Lesezeit) auf Föhr.

Gabriella Engelmann

(Copyright Foto mit Plüschschaf und Foto Cruffin: privat)

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