Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Katharina V. Haderer

Lebt nach dem Pfadfindermotto: Allzeit bereit!

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Beschreiben Sie sich mit drei Worten! 
                          

Meine Bücher: Magisch – fesselnd – ungewöhnlich! (Und ich daher irgendwie auch)

Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?

Ich schätze einen respektvollen Umgang, auch unserer Umwelt  gegenüber. Ignoranz, Unfreundlichkeiten und herablassendes Verhalten kann ich gar nicht leiden. Freude macht es mir, mich nach einer harten Arbeitswoche mit Freunden auf ihr Teichgrundstück zurückzuziehen. Außerdem liebe ich Tiere. Sie bilden einen herrlichen Ausgleich zu unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft. Was das betrifft, bediene ich (unfreiwillig) das Klischee einer Autorin – ich habe zwei Katzen, die mich auch während meiner Schreibarbeit belagern.

Sie könnten Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?

Meinen Kaffee schlürfe ich von der Dachterrasse einer europäischen Großstadt, Paris vielleicht. Die Sonne löst sich gerade orangerot vom Horizont und streift den Eiffelturm. Dem Morgen haftet Kühle an, in den Gassen regt sich erstes Treiben. Mich überkommt das Gefühl, diese Stadt gehört nur mir.

Mittags sitze ich bei meiner Mutter am Esstisch. Ich bin gerade von der Schule heimgekehrt und habe keine Verpflichtungen mehr. Da sie selbst als Lehrerin tätig ist, gibt es nur ein ‚schnelles‘ Essen, die mir aber am liebsten sind. Krautfleckerl. Oder dicke Pfannkuchen mit Schlagobers und geviertelten Erdbeeren. Ich esse, bis mir fast der Bauch platzt. Der restliche Tag gehört mir – und ich kann ohne Gedanken an erwachsene Verpflichtungen allem nachgehen, was mir Freude macht: lesen, schreiben, Computer spielen, Kassetten hören, oder einfach nur da liegen und aus dem Fenster starren.

Abends gehe ich an einen Ort, an dem ich noch nie war. Ich bin aufgeregt. Gewohnheitstiere überlegen es sich gut, ob sie ihr Zuhause verlassen. Alles fühlt sich fremd an und gleichzeitig wunderschön. Als ich in der nächtlichen Idylle ein Restaurant finde, setze ich mich in eine Ecke und beobachte die Menschen. Sie sehen anders aus, sprechen eine fremde Sprache. Die Häuser sind anders als daheim, die Bäume fremd, die dazwischen aufragen. Alles leuchtet und duftet nach einer anderen Welt. Ich bestelle aus einer Speisekarte, deren Schrift ich nicht lesen kann, Gerichte, deren Geschmack ich nicht kenne. Die Freude am guten Essen und Trinken dämpft meine Unsicherheit. Ich drehe mich zu jemandem, den ich kenne, und wir lachen gemeinsam.

Kaffee oder Tee?

Kaffee

Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?

Reichlich banal. Ein bisschen Garten. Schreiben. Dösen. Katzen streicheln. Gut Essen. So viel Zeit, dass man sie verschlafen kann.

Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?

Viel passiert über Musik – sie inspiriert mich zu Stimmungen und ganzen Szenen, die später zu einem Buch zusammenfinden. Ab und an kann mich auch eine Prämisse eines Films oder eines Buchs inspirieren. Öfter allerdings sind es Handlungsstränge oder Charaktere, die mich stören – vor allem Klischees. Dann hebe ich für mich den Zeigefinger und sage: So nicht! Hier möchte ich etwas anderes zeigen.

Neben der Arbeit als Schriftstellerin – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?

Ich habe ja auch noch einen Brotjob, wobei natürlich meine Leidenschaft dem Schreiben gehört. Hätte ich mich nach der Schule nicht durch mein Germanistik-Studium fürs intensivere Schreiben entschieden, wäre ich Richtung Kunst und Illustration gegangen. Da beides sehr zeitintensive Freizeitbeschäftigungen sind, muss man irgendwann Abstriche machen. Bei mir hat sich das Schreiben durchgesetzt.

Haben Sie einen Lieblingsautor?

Ich habe eigentlich nicht wirklich DEN Lieblingsautor, sondern Bücher und AutorInnen, die ich schätze. Aus meiner Jugendzeit bleibt mir vor allem Kai Meyer ein Begriff – seine starken Mädchen- und Frauenfiguren, sein unverwechselbarer, poetischer Stil und sein Mut dazu, ‚anders‘ zu schreiben und Themen abseits des Mainstreams aufzugreifen, haben mich inspiriert. Anne Bishop liebe ich für ihre Familiendynamik, ihre fantastisch-dunklen und manchmal auch grausamen Ideen. Zwischen ihren Seiten entstehen starke Bindungen. Ich liebe die Kurzgeschichten von Marie-Luise Kaschnitz. Jede einzelne für sich eine Perle, die zum Nachdenken anregt. Thriller-Autorin Gillian Flynn beleuchtet menschliche Abgründe, und zeigt dabei Frauen nicht nur aus Opfer, sondern auch als Täterinnen. Ehepaar-Autorenduo Ilona Andrews hat meine Lieblingsreihe „Magic Bites“ geschrieben, deren Weltenkonzept ich nicht nur bewundere, sondern deren Charaktere und Liebesgeschichte ich liebe. Ich bewundere meine äußerst bescheidene Kollegin Julia Mayer, die sich mit diversen Büchern und einem unvergleichlichen Stil in mein Herz geschrieben hat. Wenn man Sätze liest und gewissen Neid verspürt, dass einem selbst so etwas niemals einfallen würde – dann hält man als AutorIn ein richtig gutes Buch in der Hand.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Neben meinem Bett liegt „The Alienist“ von Caleb Carr. Nachdem ich die geniale Netflix-Serie gesehen habe, wollte ich auch das Buch lesen.

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

Eine Märchensammlung.

Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?

Über sowas mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Es war mir auch nie wichtig. Ich treffe genügend wunderbare Menschen in meinem Leben, denen ich etwas zu sagen hätte.

Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gern Zeuge gewesen?

Ich hätte gern das Gesicht des französischen Königs Ludwig VII gesehen, nachdem er Eleonore von Aquitanien verlassen und diese daraufhin einfach den Monarchen von England geheiratet hat. Damit hat er sicher nicht gerechnet.

Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?

Ich wünsche mir einen globalen Fond zur Erhaltung unserer Erde; vermehrten Einsatz reicher Länder, dies auch in armen Ländern zu ermöglichen, in die die Industrie ausgelagert wurde. Ich wünsche mir Bildung gerade für junge Mädchen und Frauen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, in dem sie nicht der Armut ausgesetzt sind. Außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen generell weniger in den Garten des Nachbarn spähen und eifern, was sie noch haben könnten – sondern Zufriedenheit finden in dem, was sie haben, und mehr an andere geben.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?

Das Pfadfindermotto: Allzeit bereit!

Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?

Es gibt immer Ideen und Funken, doch welche sich zu einem ausgewachsenen Roman zusammenfinden, wird die Zeit zeigen.

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