Verlagsgruppe Droemer Knaur



Die Vermissten von Tabor Süden

25.02.2008

Friedrich Anis Erfolgsreihe

»Er war ein Mann, in dessen Vorstellung der Selbstmord keine Tür war, die sich öffnete, sondern eine, die sich schloss. Er war Polizist, der aus Gründen diesen Beruf ergriffen hatte, die ihm heute seltsam und unbedeutend erschienen und ihn, wenn er in einer jener katastrophalen Nächte in seinem Zimmer darüber nachdachte, zwangen sich zu fragen, warum er nicht seine Dienstwaffe, die er nie benutzte, aus der Schublade holte, den Lauf zwischen die Zähne steckte und abdrückte.«

So beginnt der erste Fall von Tabor Süden, dem Protagonisten der Süden-Reihe von Friedrich Ani. Dem Leser wir schnell klar: Tabor Süden ist kein Kind von Freude und guter Laune. Nach dem Motto »Keine Gefühle zeigen und die anderen mit emotionslosen Kommentaren zur Weißglut treiben« löst der Polizist von der Vermisstenstelle des Dezernats 11 ohne viel Blut vergießen und wilde Verfolgungsjagden seine Fälle. Unsympathisch ist er aus diesem Grunde nicht. Ganz im Gegenteil. Schnell gewöhnt man sich an den meist unrasierten, wortkargen Eigenbrödler, der mit seinen eigenen Herangehensweisen oft und gerne bei Kollegen und Vorgesetzten aneckt. Und lernt ihn lieben.

Seit den ersten Zeilen ist bei Tabor Süden viel passiert. Immer neue Fälle haben sich in seinem Einzugsbereich München zugetragen, stets handelt es sich um verschwundene Menschen, um Vermisste. Doch deswegen werden diese Geschichten noch lange nicht langweilig. Hinter jedem Fall steckt ein anderes Motiv, ein anderer Handlungsgrund und -strang. Die Bandbreite ist breit gefächert: Ein Mann meldet sich bei der Polizei und gibt bekannt, dass er wieder da sei. Das Problem: Keiner hat ihn vermisst … Eine ältere Frau wird von der Polizei als vermisst erklärt, woraufhin sich die Schwester meldet. Ihre Aussage: Sie hat ihre Schwester seit Kriegsende für tot gehalten. Ein kleines Mädchen wird vermisst und erst mit dem Blick auf die Familie versteht Süden die Zusammenhänge.

Bei seinen Fällen stellt sich Süden Fragen, die das Innere der Menschen beäugen: Ging der Vermisste freiwillig oder wurde er gezwungen? Wie geht seine Familie damit um, weiß sie womöglich mehr, als sie zugibt?

Er ist ans Herz gewachsen, der missmutige, nicht gerade gesprächige Kerl, der nicht lange verbergen kann, dass er doch nicht so gefühllos ist, wie er sich gibt. Autor Friedrich Ani lässt den Leser durch die Ich-Perspektive direkt am Geschehen teilhaben, mit einem schönen, einfachen Erzählstil, der nie das Eigentliche, den Fall, aus dem Auge lässt. Der gerade wegen seiner unterkühlten und melancholischen Art viel Wärme gibt.

Vermisst: Tabor Süden

Doch auch Tabor Süden selber wurde vermisst - von seinen Lesern für längere Zeit. Jetzt ist er wieder da und nimmt in "Süden" erneut die Suche nach einem Vermissten auf. Diesmal nicht mehr als Ermittler der Polizei, sondern als Angestellter einer Münchner Detektei. Entgehen lassen kann sich dieses Buch auf jeden Fall keiner. Denn jeder Süden-Fan wird nun endlich wissen wollen, ob das große Geheimnis, das von Anfang an in den Büchern mitspielte, in dem letzten Teil gelöst wird: Wo ist Tabor Südens Vater?

Der Autor

Friedrich Ani

Portrait von  Friedrich Ani

Friedrich Ani wurde 1959 in Kochel am See geboren. Er schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten.

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Das Buch

Friedrich Ani – Süden

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