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Queen Emma - die Königin der Südsee

Wer beginnt, sich mit der Geschichte Papua-Neuguineas zu beschäftigen, stößt schnell auf eine faszinierende Frau, deren schillerndes Leben und unglaublicher Reichtum auch heute noch die Fantasie zu beflügeln vermag.

Queen Emma Königin Südsee | Droemer Knaur

Annette Dutton schreibt über die faszinierende Geschichte Papua Neuguineas

Emma Kolbe, besser bekannt unter dem Namen Queen Emma, wurde 1850 auf Samoa geboren. Sie war die Tochter der samoanischen Prinzessin Le'utu Talelatale Malietoa und des amerikanischen Walfängers Jonas Myndersse Coe, der 1837 als Schiffbrüchiger nach Samoa kam, dort sechs Ehen schloss und achtzehn Kinder zeugte. Seine Tochter Emma besuchte zunächst eine katholische Missionsschule und verbrachte einen Teil ihrer Schulzeit in Sydney und San Francisco. Sie war sehr ehrgeizig und arbeitete sich nach ihrer Rückkehr auf die Insel in das Handelsunternehmen ihres Vaters ein. Von deutschen Händlern auf Samoa bekam Emma den Hinweis, dass es auf den fruchtbaren Inseln östlich Neuguineas billiges Land gäbe. Mit ihrem damaligen Geliebten und späteren Mann, dem australischen Kapitän Thomas Farrell, machte sie sich 1878 auf die dreieinhalbtausend Kilometer weite Reise.

Sie landeten auf Mioko, einer winzigen Insel, die zur Gruppe der Duke of York Islands zwischen New Britain und New Ireland gehört. Das Paar ließ sich dort nieder und kaufte Plantagenland. Weder die Tatsache, dass man Emmas ersten Ehemann, den Briten James Forsayth, zu diesem Zeitpunkt noch nicht für tot erklärt hatte, noch dass Farrell in Australien verheiratet war, störte die elf europäischen Bewohner der Insel. Die hatten mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zwei von ihnen waren gerade erst von Kannibalen getötet und verspeist worden, den Rest plagten Tropenkrankheiten. Der desolate Haufen stellte für Emmas ambitionierte Ziele keinerlei Konkurrenz dar, und als fünf Jahre später auf den Inseln die deutsche Reichsflagge gehisst wurde, stellte der deutsche Reichskommissar Gustav von Oertzen verwundert fest, dass sich der größte Teil des fruchtbaren Landes im Besitz einer gewissen Emma Forsayth-Coe befand.

Gesellschaftlicher Mittelpunkt der deutschen Kolonie

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts siedelte Emma auf die bedeutend größere Insel New Britain um, wo sie nahe des Amtssitzes der deutschen Verwaltung in Herbertshöhe eine weitläufige Residenz, Gunantambu, errichten ließ. Ihre Villa wurde schnell zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der deutschen Kolonie. Die „Queen“ galt wegen ihres enormen Reichtums als unantastbar und schuf sich ihre eigenen Gesetze. Sie rauchte wie ein Mann, trank täglich zwei Flaschen Champagner. Gleichzeitig spielte sie hervorragend Klavier und verblüffte die Deutschen, wenn sie aus dem Stegreif Goethe zitierte. Sie nahm sich Liebhaber, wie es ihr gefiel, die Moralvorstellungen der Deutschen kümmerten sie dabei nicht.

Emmas letzter Mann war der Deutsche Paul Kolbe, leitender Angestellter der Neuguinea-Kompagnie, mit dem sie fast zwei Jahrzehnte lang verheiratet war. Bevor der Erste Weltkrieg ausbrach, verkaufte Emma hellsichtig ihre Plantagen für die damals astronomisch hohe Summe von einer Million US-Dollar. Die Kolbes brachen ihre Zelte in Neuguinea ab und reisten über Sydney nach Europa, wo beide im Juli 1913 kurz hintereinander in Monte Carlo unter ungeklärten Umständen ums Leben kamen. Emmas Urne wurde nach Neuguinea überführt und auf dem Familienfriedhof in Gunantambu beigesetzt.

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