Danielle Trussoni im Interview zu "Angelus"
Danielle Trussoni über ihre Begeisterung für Engel - und deren dunkle Seiten
Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Roman und was war der Anstoß für den Roman?
Danielle Trussoni: Der Roman begann eigentlich mit der Figur Evangeline, einer Franziskanerin im Orden der Ewigen Anbetung. Um zu verstehen, was es heißt, das Leben einer Nonne zu führen, habe ich meine Recherchen direkt vor Ort in einem Kloster durchgeführt. Ich habe mit den Nonnen dort gesprochen und auch einige Tage dort gelebt, um sie in ihrem normalen Tagesablauf beobachten zu können. Eins der täglichen Rituale der Nonnen war die Anbetung – die Nonnen verbringen abwechselnd jede Stunde jedes Tages im Gebet in einer Kapelle vor einem Hostienschrein. Eines Abends saß ich in der Kapelle und beobachtete das Kommen und Gehen der Nonnen bis in die frühen Morgenstunden.
Als ich durch die Flure zu meinem Zimmer zurückging, stieß ich auf eine Bibliothek. Dort entdeckte ich ein ganzes Regal gefüllt mit Büchern über Engel. Ich begann zu lesen – und am nächsten Morgen hatte ich nicht nur etwas über Evangeline gelernt, sondern wusste ebenfalls, welche Geschichte mein Roman erzählen würde.
Wie sah Ihre Recherche aus?
Danielle Trussoni: Die Recherche für den Roman war sehr aufwendig und intensiv. Wie ich bereits erwähnte, suchte ich ein Kloster auf und verbrachte einige Zeit mit den Nonnen dort. Zusätzlich habe ich alles gelesen, was ich über Engel und das offizielle Fach der Engelkunde, ‚Angelologie’ genannt, finden konnte. Ich habe mir ein Exemplar von ‚Das Buch Enoch’ besorgt – und habe es komplett gelesen. Meiner Meinung nach ist dieses Buch entscheidend für das Verständnis vieler Geschichten, die in der Bibel erzählt werden. Nach Lektüre des ‚Buch Enoch’ habe ich Teile der Bibel erneut gelesen.
Haben Sie sich schon immer für biblische Figuren interessiert?
Danielle Trussoni: Nein, in der Vergangenheit habe ich mich nie für biblische Figuren interessiert. Ich bin nicht der Typ, der oft in der Bibel liest oder sich über biblische Geschichten viele Gedanken macht. Genaugenommen habe ich, bevor ich mit diesem Roman begann, die Bibel jahrelang nicht in der Hand gehabt. Doch ich war immer schon von der magischen Ausstrahlung der Bibel fasziniert, und davon, wie sie über die Jahrtausende hinweg Gesellschaften geformt hat.
Sind Sie religiös?
Danielle Trussoni: Nein, obwohl ich als Kind fünf Jahre auf eine katholische Schule ging. Ich habe einen großen Teil meiner Jugend in Kirchen zugebracht – meistens tagträumend – und habe viele Stunden damit verbracht, während der Messe Heiligenfiguren und Tafelbilder anzustarren. Und ich erinnere mich, dass mich beim Anblick von Engelsfiguren immer ein Gefühl der Erleichterung überkam. Engelsbilder hatten etwas ganz Besonderes für mich – das goldene Licht, das die Engel stets umgibt, steht im krassen Gegenteil zu den düsteren Kreuzigungsbildern. Bereits damals faszinierte mich die Mischung aus konkreter und geistiger Natur der Engel.
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