"Hexengold" - eine mutige Frau steht ihren Mann
Heidi Rehn schreibt historische Romane über besondere Frauen!
Frauen als erfolgreiche Kaufleute in der Frühen Neuzeit
„Das Leben im Tross ist das einzige Leben, das ich führen kann!“ Das stellt meine Heldin Magdalena gleich zu Beginn des Romans „Die Wundärztin“ unmissverständlich fest, der während der letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges spielt. Magdalenas Geliebter Eric schlägt vor, den kaiserlichen Tross zu verlassen und jenseits des unsteten Daseins eine gemeinsame, bürgerliche Existenz aufzubauen. Ein Leben als Ehe- und Hausfrau aber kann sich die für ihre Wohltaten viel gerühmte, junge Wundärztin nicht vorstellen. Sie weiß genau, welche Vorteile gerade Frauen im Umfeld des Heeres genießen: Sie dürfen einer eigenständigen beruflichen Beschäftigung nachgehen und unabhängig von Männern leben! Im bürgerlichen Leben, wie es dem früheren Magdeburger Kaufmannssohn Eric vorschwebt, war das im 17. Jahrhundert nicht mehr so leicht zu verwirklichen. Dabei sind auch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Frauen weitaus öfter gerade in Kaufmanns- und Heilberufen selbstständig tätig, als das der verklärte Blick in die Vergangenheit lange Zeit hat glauben machen. Auch Magdalena wird noch feststellen, wie sehr sie sich in ihren Befürchtungen getäuscht hat....
Von Meisterinnen und Zünftlerinnen...
Die verzerrte Darstellung geht vor allem auf die romantische Verklärung des Mittelalters zurück, die im 19. Jahrhundert einsetzt und bis weit ins 20. Jahrhundert nachwirkt. Erst die verstärkte Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben vergangener Epochen und die spezielle Frauengeschichtsforschung der letzten Jahrzehnte haben für eine Neubewertung der Frauenerwerbstätigkeit in Spätmittelalter und Früher Neuzeit gesorgt. Das gilt sowohl für die Mitarbeit der Frauen in der Werkstatt des Vaters oder Ehemannes, als auch für die eigenständige Tätigkeit in davon unabhängig erlernten Handwerks- und Gewerbeberufen. So sind z.B. im bayerischen Nördlingen, dessen Wirtschaftskraft vor dem Dreißigjährigen Krieg der Hamburgs weit überlegen war, im 15. Jahrhundert rund 20 Prozent der Steuerzahler Frauen. Da damals nur Haushaltsvorstände „mit eigenem Rauch“ (also Kamin bzw. Herd) steuerpflichtig waren, bedeutet das: Ein Fünftel der vermögenden Haushalte Nördlingens wurden im 15. Jahrhundert von Frauen geführt! Ebenso sind dort ab dem Jahr 1420 allein drei Mädchenschulen belegt, in denen den Mädchen während ihrer vierjährigen Schulzeit Schreiben, Lesen und vor allem Rechnen beigebracht wurde. Für Töchter aus Kaufmannsfamilien ist es seinerzeit selbstverständlich, solche Schulen zu besuchen und später im Kontor der Väter, Ehemänner oder Brüder die Bücher zu führen - sofern sie sich nicht gleich selbständig machen.
In den Städten Basel und Augsburg werden Frauen und Männer im 13.Jahrhundert als gleichberechtigte Mitglieder in Zünften geführt, aus Köln kennt man für das Spätmittelalter sogar eigenständige Frauenzünfte. Die Ausbildung in den verschiedenen Handwerks- oder Kaufmannsberufen, die sich an die Schulzeit anschließt, absolvieren die Mädchen fast ausschließlich bei Meisterinnen. Sie müssen jedoch nicht unbedingt denselben Handwerksberuf wie ihr Vater oder späterer Ehemann erlernen, sondern dürfen der jeweiligen Neigung nachgehen und davon unabhängig arbeiten.
Wundärzte und Fälscher
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