Der Obersalzberg, seit 1923 Hitlers Feriendomizil, wurde nach 1933 zu einem zweiten Regierungssitz neben Berlin ausgebaut.
Anna Plaim war als Zimmermädchen für die persönlichen Räumlichkeiten von Adolf Hitler und dessen damals noch inoffizieller Lebensgefährtin Eva Braun verantwortlich.
60 Jahre Kriegsende - Bei Hitlers
Anna Plaim ist heute 82 Jahre alt. Im Grunde ist ihr Leben völlig unspektakulär verlaufen. Und doch hat Anna Plaim, geborene Mittelstrasser, viel zu erzählen. Denn im Mai 1941 war die damals 20jährige Tochter eines geschäftigen Wagnermeisters aus dem niederösterreichischen Loosdorf über Vermittlung ihres Münchner Cousins Willi Mittelstrassers und dessen Frau Gretel Zimmermädchen an Hitlers Berghof geworden. Sozusagen über Nacht hat sie ihren Dienst in Hitlers Machtzentrum angetreten und dabei einen unverfälschten Einblick in das von der Öffentlichkeit damals völlig abgeschirmte Privatleben von Adolf Hitler und Eva Braun bekommen.Was hat Sie bei Ihrer Ankunft am Obersalzberg am meisten beeindruckt?
Anna Plaim: So lächerlich das klingen mag, aber das war die Küche.
Denn das war die mit Abstand größte und am besten ausgestattete Küche, die ich bis dahin zu Gesicht bekommen hatte. Für Leute, die einen Hotelbetrieb kennen, mag das nichts besonderes sein. Aber ich war bis zu diesem Zeitpunkt kaum aus der nächsten Umgebung meines Heimatortes herausgekommen. Außerdem gehörte die Küche zu den ersten Dingen, die ich nach meiner Ankunft zu sehen bekam. Am Flur vor der Küche ging´s hektisch zu. Überall war Servicepersonal von der SS, ungefähr zehn große, junge Männer, würde ich sagen. Alle hatten weiße Uniformen an. Denn wenn der Führer am Berghof anwesend war, durfte ausschließlich die SS servieren.
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Wie war Ihr erster Arbeitstag?
Anna Plaim: Aufstehen um 6 Uhr 45, danach ab in den Speisesaal, den ich schön herrichten sollte. Das war jener Speisesaal, der von Hitler benutzt wurde. Sobald ich damit fertig war, kamen die Gästezimmer an die Reihe, die ich gemeinsam mit den anderen Mädchen saubermachen sollte. Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als Gretel, die ja eine recht resolute Frau war, in tiefstem Bayerisch erklärte: Also, Anni. Ich sag`s dir gleich: Der Hitler und die Eva Braun, die gehören zusammen. Die ersten Worte ihrer so genannten Einweisung werde ich nie vergessen. Und dann fuhr sie in dem selben Tonfall fort: Des is des Zimmer vom Führer. Und des is der Kofferraum. Nur zum Verständnis: dabei handelte es sich um einen Raum voller edelster Koffer, die meistens aus Krokodilsleder, die fast bis unter die Decke gestapelt waren. Der so genannte Kofferraum hatte zwei Türen. Die eine war auf der Seite von Hitlers Zimmer. Und als wir durch die zweite Tür gingen, kam Gretel auch gleich auf den springenden Punkt zu sprechen: Und das hier ist das Zimmer von Eva Braun. Kennst dich aus? Mehr brauch ich dir ja nicht zu sagen, oder?
Eva Braun war nach Hitler also die Nummer zwei am Berghof? Sozusagen die erste Dame am Obersalzberg?
Anna Plaim: Nein. Das war sie eindeutig nicht. Sie war eben die Frau des Hauses. Und sie war besonders wichtig, wenn Hitler da war. Aber sie war eindeutig nicht die erste Dame am Obersalzberg. Wenn Gerda Bormann, die Frau von Martin Bormann, gekommen ist, dann war sie wichtiger. Dasselbe galt für Emmy Göring, die Frau von Hermann Göring. Die Frau Göring war sozusagen die erste Frau im Reich. Denn Eva Braun war mit Adolf Hitler nicht verheiratet.
Eva Braun hatte bereits in den Dreißiger Jahren zwei Selbstmordversuche unternommen. Hatten Sie den Eindruck, dass sie depressiv war oder litt? Dass sie sich am Berghof sozusagen zu Tode langweilte?
Anna Plaim: Ich hatte den Eindruck, dass sie sehr oft mit Hitler telefoniert hat. Trotzdem waren ihre Freundinnen und ihre Schwester eben die einzige Chance, sich ihr Leben halbwegs angenehm zu gestalten. Denn eigentlich gab es für sie kaum etwas zu tun. Sie war nicht Hitlers Frau, deshalb konnte sie in der Öffentlichkeit auch nicht als solche auftreten. Und wenn Hitler am Berghof war, musste sie erst recht in den Hintergrund treten, was bestimmt nicht einfach für sie war. Aber ich denke, dass sie durch ihre abgöttische Liebe zu Hitler bereit war, dies Opfer auf sich zu nehmen. Selbst uns Zimmermädchen war klar, warum Hitler Eva Braun nicht zur ersten Frau im Reich gemacht hat die meisten Frauen Deutschlands haben Hitler verehrt und ihn angehimmelt. Aber genau aus diesem Grund musste er natürlich frei und ungebunden sein. Auch Eva Braun hat ihn angehimmelt und bei jeder Gelegenheit von seinen schönen blauen Augen geschwärmt.
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