Der Alte Fritz und die Preußen
Historischer Hintergrund:Julius Klingenthal ist wieder da. Diesmal lässt er seine Puppen in Potsdam tanzen. Dabei bekommt er es mit Friedrich II. (1712 – 1786) und dessen Hofstaat zu tun. Was war das eigentlich für ein König, und wie regierte er die Preußen in seinen letzten Jahren?
Als Puppenkönig Klingenthal 1783 am Hofe zu Potsdam eintrifft, um sich beim König das Geld wieder zu holen, das ihm ein übereifriger Packhofinspektor am Stadttor von Berlin abgeknöpft hat, wird Friedrich der Große bereits im ganzen Land „Der Alte Fritz“ genannt. Es herrscht Frieden im Preußenreich, und des Königs Hochzeiten als ruhmreicher Feldherr sind vorüber. Friedrich II. ist 73 Jahre alt, griesgrämig, altersstarr, zynisch – und von den vielen Schlachten, die er im Leben geschlagen hat, gezeichnet. Gicht und Asthma machen ihm zu schaffen. Auch wenn ihm schon die Zähne ausfallen: Der Alte Fritz hat nichts an Biss eingebüßt. Seinem Unmut macht er gerne preußisch-zackig Luft.
Windbeuteleien, Fickfackereien, Schmierpinseleien
Der König ist ein vorzüglicher Possenreißer und Briefeschreiber, in denen er die vielen Ansinnen seiner Untergebenen mit spitzer Feder abschmettert. Doch er hat auch eine zarte Seite: Er schreibt, malt und komponiert auf hohem Niveau, spielt Flöte und liebt die französische Literatur. Überhaupt: Zu Hofe wird vornehm Französisch parliert, und zu seinem Pläsier hält sich Friedrich II. einen Vorleser. In den letzten Jahren seines Lebens ist er immer noch ein weltoffener Aufklärer, hält Tafelrunden mit Intellektuellen ab und fröhnt dem gepflegten Diskurs unter Männern. Windbeuteleien (Leichtfertigkeiten), Fickfackereien (Dummheiten) und Schmierpinseleien sind ihm zuwider, Religionen également: »Jeder soll nach seiner Façon selig werden«. Allüren, Dünkel und affektierte Frauenzimmer kann er gar nicht ausstehen.
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Preußens Glanz und Gloria
Von nichts kommt nichts: Als Julius mit seinen Puppen in der preußischen Garnisonsstadt weilt, residiert der Alte Fritz in Schloss Sanssouci sowie im Stadtschloss von Potsdam. Zusätzlich hat er in Berlin eine Zweigstelle. Durch seine rege Kriegstätigkeit hat Friedrich II. Preußen zu einer der fünf Supermächte gemacht, neben England, Frankreich, Österreich und Russland. Nicht von ungefähr lästert der Volksmund: »Und kommt der große Friederich, und klopft nur auf die Hosen, so läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen«. Als sich die Dinge im Roman zuspitzen, ist Fritz gerade dabei, einen geheimen Kuhhandel mit den Fürsten von Hannover und Sachsen einzufädeln. Daraus entsteht 1785 tatsächlich der Fürstenbund, ein Verteidigungsbündnis gegen die österreichischen Habsburger, namentlich gegen Kaiser Josephs II. Doch dann wird Julius Klingenthal mit seinen Puppen längst zu einer anderen historischen Bühne weiter gezogen sein ...
Katja Volkmer
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