Die Autorin Birgit Jaeckel mit ihrem historischen Roman "Die Druidin": Auf Keltenjagd in Süddeutschland
Die Kelten
Fragen an Dr. Susanne Sievers, Archäologin und Spezialistin für das Keltentum in Deutschland
Dr. Susanne Sievers, geboren 1951, hat in Würzburg, Göttingen, Hamburg und Marburg Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Volkskunde studiert. Ihr wurde vom Deutschen Archäologischen Institut ein einjähriges Reisestipendium verliehen, und sie hatte das Glück, an drei berühmten keltischen Fundorten forschen zu dürfen: an der Heuneburg, in Alesia und in Manching. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die keltische und frührömische Bewaffnung sowie das keltische Siedlungswesen. Seit 1982 ist sie an der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts tätig und hat sich seitdem auch mit der Keltenstadt Manching beschäftigt, seit 1994 ist sie stellvertretende Direktorin der Kommission und leitet das Manching-Projekt. Die Ergebnisse von 50 Jahren Manching-Forschung hat sie in dem Buch "Manching- Die Keltenstadt" (Theiss-Verlag, 2003) zusammengefasst.
Wie hat Ihnen der Roman „Die Druidin“ von Birgit Jaeckel gefallen?
Ich gestehe, dass ich "Die Druidin" vor allem mit den Augen einer Archäologin gelesen habe.
Die Keltenzeit wird in diesem Roman wunderbar lebendig. Man spürt, dass sich die Autorin intensiv mit den archäologischen Grundlagen ihres Stoffes auseinandergesetzt hat. Und der Roman ist spannend und packend geschrieben.
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Der Roman spielt 120 vor Christus im heutigen Süddeutschland. Was weiß man über die damalige Zeit?
Die Zeit um 120 v. Chr. war eine Zeit des Umbruchs. Vielerorts entstanden befestigte Großsiedlungen, sog. oppida. In Manching, dem einzigen großflächig untersuchten Oppidum in Deutschland, wurde die bislang unbefestigte Siedlung mit einem Mauerring umgeben, einem sog. murus Gallicus, also einer keltischen Mauer, die Caesar in seinem Bericht über den Gallischen Krieg (58-51 v. Chr.) in aller Ausführlichkeit beschrieb. Diese Zeit wird von manchen Archäologen vor allem als eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der gesellschaftlicher Veränderungen gewertet. Dies war zweifellos der Fall, aber man darf auch nicht übersehen, dass hinter einer Welle von Gründungen befestigter Siedlungen und der damit verbundenen Konzentration größerer Teile der Bevölkerung die Sicherheitsfrage eine ebenso große Rolle gespielt haben dürfte. Kurz vor 100 v. Chr. berichten uns die antiken Schriftsteller von den Raubzügen der Kimbern und Teutonen, von denen wir nur deshalb wissen, weil sie sich auch mit den Römern angelegt haben, die sie schließlich auch besiegt haben. Von den Kimbern, die auch Birgit Jaeckel erwähnt, wissen wir, dass sie aus dem Norden gekommen sind. Wir kennen in dieser Zeit noch keine Germanen, es ist also ganz passend, wenn in Birgit Jaeckels Roman neutral vom Nordvolk gesprochen wird. Um 120 v. Chr. verleibten die Römer Südfrankreich als Gallia Narbonensis ihrem Reich ein, wodurch sie direkten Zugang zum gallischen, also keltischen Territorium hatten.
Veränderungen zeichnen sich aber auch im Bereich der Bestattungssitte ab. In großen Teilen der keltischen Welt, auch in Süddeutschland, wo „Die Druidin“ ja spielt, kennen wir um diese Zeit fast keine regulären Bestattungen mehr. Dafür finden sich in den Siedlungen zahlreiche Menschenknochen, z.T. einzeln, z.T. in einem nur noch lockeren Verband, der darauf hinweist, dass die Knochen eine Zeitlang der Verwesung ausgesetzt waren (an der Luft oder in der Erde). Wir sprechen hier von einer stufenweise Bestattungsweise. Offensichtlich bewahrte man einzelne Knochen von Verwandten (Ahnen) auf, während man die übrigen sterblichen Reste verbrannte oder auf uns nicht greifbare Weise "bestattete". Solche tiefgreifenden Vorgänge waren sicher nicht ohne das Zutun der Druiden möglich, die auf die Einhaltung kultischer Regeln zu achten hatten.
Woher kamen die Kelten und wie groß war ihr Verbreitungsgebiet?
Als die antiken Schriftsteller um 500 v. Chr. zum ersten Mal von den Kelten sprachen, lokalisierten sie sie u.a. in Südwestdeutschland. So berichtet Herodot, dass die Donau im Land der Kelten entspringt. Die Kelten waren also schon da. Die Frage ist, wie weit rückwirkend wir von Kelten sprechen können. Da uns schriftliche Nachrichten fehlen, vor allem aber keltische Selbstzeugnisse, können wir die Frage gar nicht beantworten. Die Idee einer keltischen Einwanderung stammt vor allem von den Sprachwissenschaftlern, die das Keltische als westlichsten Zweig der großen indoeuropäischen Sprachfamilie identifizierten. Die keltische Sprache, man unterscheidet das Insel- und das Festlandkeltische, ist in Mitteleuropa während der Völkerwanderungszeit verloren gegangen. Nur das Inselkeltische hat sich in Irland, Schottland, Wales und in der Bretagne noch erhalten. Bei uns zeugen aber Namen von Flüssen davon, dass auch hier keltisch gesprochen wurde: z.B. der Rhein, der Main, die Donau, die Isar und die Tauber sind hier zu nennen. In vielen Städten wie Kempten (Campodunum) oder Mailand (Milano) (Mediolanum) stecken keltische Endungen. In Frankreich sind einige Städte nach keltischen Stämmen benannt, so Paris nach dem Stamm der Parisii. Dafür dass der Name Bayern irgendetwas mit den Kelten zu tun hat, gibt es allerdings aus sprachwissenschaftlicher Sicht keine Belege. Einen gallischen Dialekt sprachen auch die vom Apostel Paulus erwähnten Galater in Kleinasien, und Keltisch wurde außerdem in Teilen der Iberischen Halbinsel gesprochen. Dennoch gehen wir Archäologen nicht davon aus, dass es jemals so etwas wie eine keltische Einheit gegeben hat. Die Kelten waren in zahlreiche Stämme zergliedert, die wir vor allem in Gallien, dem heutigen Frankreich, gut lokalisieren können, sie waren aber auch sehr mobil. Dies betrifft nicht nur die keltische Völkerwanderung nach Süden und Osten, sondern auch Mitteleuropa. So berichtet Caesar vom Auszug der in der Schweiz siedelnden Helvetier, die übrigens zuvor im heutigen Südwestdeutschland gelebt haben sollen, nach Frankreich, wo Caesar sie besiegte und zwang zurückzukehren. Das Verbreitungsgebiet der Kelten war also zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich groß. Eine Verbreitung der keltischen Oppida belegt am besten ihre Ausdehnung im 1. Jh. v. Chr.; einzelne Stämme jedoch siedelten weit außerhalb dieser Kernzone, zu der auf jeden Fall auch Süddeutschland gehörte.
Lesetipp
Birgit Jaeckel
Die Druidin
EUR (D)
9,95
Birgit Jaeckel
Der Fluch der Druidin
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