Die Philosophin - Leseprobe "Madame Pompadour"
Die Pompadour horchte auf. Doch statt zu verraten, wie eine solche Regelung aussehen mochte, unterbrach Radominsky seine Rede und trat an die Staffelei, um das angefangene Bild darauf zu betrachten: ein Porträt der Pompadour, wie sie gerade von der Lektüre eines Buches aufschaute. Das Gemälde brachte ihre Schönheit so vorteilhaft zur Geltung, dass sie selbst beinahe neidisch darauf war. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass diese Schönheit einmal vergehen sollte.»Schade nur«, sagte Radominsky, »dass Ihr Kunstsinn sich nicht in gleicher Weise entwickelt hat wie Ihre moralische Urteilskraft.«
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Die Pompadour ahnte, worauf der Jesuit hinaus wollte, doch sie war sich nicht sicher.
»Das Bild ist ein Werk von La Tour«, erwiderte sie darum nur. »Er gilt als der bedeutendste Maler Frankreichs.«
»Ich rede nicht von der Pinselführung, Madame, sondern von der Dekoration. Sie lassen sich mit einem Band der Enzyklopädie abbilden?« Er drehte sich um und schüttelte den Kopf. »Die Bibel hätte Ihnen besser zu Gesicht gestanden.«
Sie bereute ihre Unvorsichtigkeit, das halb fertige Werk unverhüllt in ihrem Boudoir gelassen zu haben. Doch das war jetzt nicht mehr zu ändern.
