Historischer Hintergrund
Die ersten Diamanten wurden vor 4.000 Jahren nahe der indischen Stadt Hyderahbad gefunden. Der unvergleichlichen Härte, ihrer angeblichen Heilkraft und des einzigartigen „inneren Feuers“ wegen wurden die Edelsteine in Indien als „Tränen Gottes“ mystifiziert und in einigen wenigen Fällen sogar als Augen von Götterstatuen verwendet. Der schier unermessliche Reichtum indischer Maharadschas kreierte in Europa unzählige Legenden. Aber erst über die Kreuzritter kamen größere Edelsteine nach Europa, wo sie jedoch zunächst weniger wegen ihres materiellen Wertes sondern als mystifizierte Insignien fürstlicher Macht geschätzt wurden. Diamanten, so glaubte man, würden ihren Besitzer unschlagbar und unsterblich machen, geht doch das Wort Diamant auf das griechische adamas - "Der Unbezwingbare" zurück.Die nahezu lückenlos dokumentierbare abendländische Geschichte des „Florentiner“ beginnt im Jahre 1477 in dem kleinen Ort Grandson, am Ufer des Neuchatel Sees in der Schweiz, mit einer der blutigsten und in seinen politischen Folgen schwerwiegendsten Schlachten des Abendlandes. Schweizer Landsknechte haben das vermeintlich übermächtige, von Karl dem Kühnen angeführte Burgunderheer vernichtend geschlagen und eine in der Kriegsgeschichte Europas einzigartige Beute von mehr als 400 Wagenladungen gemacht. Darunter eine unschätzbar wertvolle Gold-Collane der mysteriösen „Ritter vom Goldenen Vlies“ (deren Souverän Karl der Kühne war) - und drei große Diamanten, die später als die „drei Brüder“ weltbekannt werden würden: der „Große und der Kleine Sancy“, sowie der „Florentiner“. Die mystische Kraft und der magische Glanz dieser Diamanten, so glaubt auch Karl der Kühne, würden ihn unschlagbar und unsterblich machen.
Doch der Fluch des Florentiners fordert fern seiner Heimat Indien sein erstes Opfer: Der bis dahin militärisch als unschlagbar geltende Karl der Kühne stirbt im Kampf vor den Toren von Nancy. Der „Florentiner“ gelangt zunächst nach Rom zum Papst und weiter nach Florenz in den Besitz der Medici, wo er im 17. Jahrhundert urkundlich als "Großherzog der Toskana" erwähnt und von dem aus Antwerpen stammenden Edelsteinexperten Jean Baptiste Tavernier vermessen, geschätzt und dokumentiert wird. Kugeln, Joch, Feder und Diamant waren seit jeher die Embleme der Medici. Maria de Medici trug den Florentiner bevorzugt zusammen mit zwei anderen weltberühmten Diamanten, dem ´Kleinen Sancy“ und dem ´Großen Sancy´ (beide spielen in dem Roman eine tragende Rolle).
Als das Herrschergeschlecht der Medici 1737 ausstirbt, fällt Florenz und mit ihm der ´Florentiner´ an den Herzog Franz von Lothringen, der später Kaiser von Österreich wird. Er lässt den prächtigen Edelstein in die Hauskrone der Habsburger einarbeiten. Seine Frau Maria Theresia gibt ihm seinen Namen: "Florentiner".
Um die Beziehung zu Frankreich zu festigen, vermählt das österreichische Kaiserpaar ihre Tochter Marie Antoinette mit dem französischen König Ludwig XVI. Die Braut nimmt ein angemessenes Hochzeitsgeschenk mit nach Paris: Eine Halskette mit dem Florentiner. Bald schon verflucht das französische Volk Marie Antoinette als Sinnbild einer verschwenderischen Monarchie. "Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben", soll sie gesagt haben, ehe der Sturm auf die Bastille 1789 die Herrschaft der Bourbonen hinwegfegt. Der Fluch des Florentiners fordert sein nächstes Opfer: Marie Antoinette endete auf dem Schafott. Vor der Guillotine kniend soll sie die zusammen mit anderen Schmuckstücken in ihrem Rocksaum eingenähte Halskette mit dem Florentiner ihrem Henker übergeben haben - so zumindest überliefert es die Legende.
Der Diamant übersteht die Wirren der Revolution heil und Napoleon schenkt den berühmten Schmuck seiner zweiten Frau zur Hochzeit: Marie Louise, eine Habsburgerin. Der österreichische Kaiser hat seinem mächtigsten Feind aus politischem Kalkül eine seiner Töchter zur Frau gegeben. Somit kehrt der Florentiner nach dem Sturz des französischen Königs in den Besitz der Habsburger und nach Wien zurück.
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