Dirk Müller startete 1992 seine Karriere an der Frankfurter Börse. 1998 wurde er amtlich vereidigter Kursmaklerstellvertreter und später Skontroführer. Heute gilt er als Deutschlands bekanntester und ehrlichster Finanzexperte.
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Interview mit Dirk Müller
Geld verwalten kann so einfach sein – wenn man gut informiert ist. In seinem neuen Buch „Cashkurs“ erklärt Börsenprofi Dirk Müller kurzweilig, wie man die eigenen Finanzen auf Vordermann bringt, welche Fallen es zu vermeiden gilt und mit welchen Tricks man sogar in der Wirtschaftskrise zu den Gewinnern zählen kann. Vom Grundwissen über Bankkonten und Versicherungen bis hin zur Altersvorsorge und komplexen Anlagestrategien verwandelt Müller seine Leser in echte Finanzprofis.1. Wie ködern Sie finanzfaule Menschen, sich endlich mit ihren Geldangelegenheiten zu beschäftigen?
Es ist schon erstaunlich, dass viele Menschen so davor zurückschrecken, sich mit ihrem Geld auseinanderzusetzen – dabei bringt das doch nur Vorteile und kann auch noch Spaß machen! Wer sich richtig um sein Geld kümmert, hat hinterher viel mehr, um sich etwas zu gönnen. Man darf sich bloß nicht von der Finanzwelt verrückt machen lassen und muss seine Angelegenheiten einfach mit gesundem Menschenverstand angehen.
2. Was ist der erste Schritt, um die persönlichen Finanzen auf Vordermann zu bringen?
Als Erstes muss man sich unbedingt darüber im Klaren sein, was man überhaupt für Einnahmen und Ausgaben hat. Für unsere Großeltern war es selbstverständlich ein Haushaltsbuch zu führen und auch jedes Unternehmen erstellt eine solche Bilanz. Privat sollte man das genauso machen. Ich führe bis heute jeden Monat ein Haushaltsbuch, nur so kann man unnötige Ausgaben vermeiden.
3. Was sind denn typische Geldfresser im Alltag?
Wenn Sie sich jeden Morgen im Coffee Shop einen Latte Macchiato für 3,40 Euro holen, sollten Sie wissen, was da auf lange Sicht für eine Summe für Pappbecher und Milchschaum zusammenkommt. Auf zwanzig Berufsjahre gerechnet, werden aus dieser kleinen Ausgabe 15.000 Euro! Natürlich kann man sich diesen Luxus gönnen, anstatt den Kaffee daheim zu trinken, keine Frage – nur sollte man sich diese kleinen, täglichen Ausgaben bewusst machen. Hier ein Abo, dort eine Angewohnheit, da kann schnell eine sehr große Summe zusammen kommen. Wenn man anfängt, sich darüber Gedanken zu machen, ist schon der größte Schritt getan!
4. Aber selbst wer Erspartes hat, bangt in der aktuellen Krise um sein Geld. Gibt es überhaupt noch sichere Investitionen?
Es gibt relativ sichere Investitionsmöglichkeiten, aber Garantien gibt es auf dem Finanzmarkt – wie im Leben – keine. Man kann ja auch nicht vorhersehen, ob man vom Bus überfahren wird. Aber es gibt sehr wohl interessante Anlageformen, mit denen man ziemlich sicher auch durch schwierige Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, kommen kann. Die großen Krisen der Vergangenheit haben bewiesen, dass gerade in schlechten Zeiten die Grundlagen für künftige Vermögen geschaffen werden. Wenn man es richtig anstellt, kann man also auch jetzt nicht nur sein Geld bewahren, sondern sogar zu den Gewinnern der Krise gehören.
5. Wie normal ist denn die gegenwärtige Finanzkrise?
Diese Krise ist vollkommen normal, das gehört in unserem Finanzsystem dazu. Deutschland war in den letzten 300 Jahren ganze sechs Mal pleite, die Franzosen acht Mal, die Spanier dreizehn Mal! Und am Ende ist es immer zu einer Umverteilung gekommen, das viele Geld, das sich im Lauf der Jahre bei wenigen Menschen angesammelt hat, wird durch Währungsreformen oder höhere Steuern wieder der breiten Masse der Bürger zugänglich gemacht – und das Spiel geht von vorne los.
6. Was sind aus Ihrer Erfahrung klassische Fehler in der privaten Finanzplanung?
Das beginnt meist damit, dass die Menschen keinen vernünftigen Grundstock bilden, den man ausbauen kann. Solange man Schulden hat, sollte man nicht neu investieren. Da verpflichtet man sich bei einem windigen Vertreter auf 30 Jahre zu einer Altersvorsorge, die man gar nicht richtig versteht und die man sich eigentlich nicht leisten kann. Solange das Giro-Konto überzogen ist, braucht man nicht mit Fondsparen anzufangen. Bevor die eigenen Finanzen nicht ausgeglichen sind, sollte sich niemand in Anlage-Abenteuer stürzen.
7. Wie kann man denn am besten vermeiden, übers Ohr gehauen zu werden?
Indem man sich selber genau informiert, bevor man etwas unterschreibt. Und die wichtigsten Informationslücken versuche ich mit meinem Buch zu schließen. Man muss seinem Banker oder Versicherungsvertreter ganz klar sagen können, was man braucht – und vor allem auch, was man auf keinen Fall braucht.
8. Neben vielen Anlage-Optionen raten Sie in ihrem Buch auch dazu, unbedingt in persönliche Erinnerungen zu investieren.
Absolut. Wer sich vernünftig um sein Geld kümmert, der hat viele finanzielle Freiheiten. Man kann sein Leben nur genießen, wenn man sich nicht ständig Sorgen um unbezahlte Rechnungen machen muss. Und um richtig genießen zu können, muss man sich unbedingt auch etwas gönnen. Investieren Sie also in schöne Erinnerungen. Auch das ist ein wichtiger Teil der Altersvorsorge: Das Sparbuch der schönen Erinnerungen.
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