Interview mit Sophie van der Stap
Frau van der Stap, in Ihrem Buch beschreiben Sie ihre schwere Krebserkrankung. Wie geht es Ihnen heute?Danke, ich fühle mich sehr gut. Es ist jetzt zwei Jahre her, dass ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, und meine Welt hat sich völlig verändert.
Alles in Ordnung mit Ihren Werten? Müssen Sie noch ab und zu ins Amsterdamer OLVG, die Klinik, in der Sie behandelt wurden?
Witzig, dass Sie das fragen. Gestern haben wir einen richtigen Familienausflug ins Krankenhaus gemacht [lacht]. Wir mussten alle drei ins OLVG – meine Mutter, mein Vater und ich. Alle drei um die gleiche Uhrzeit. Ich musste zur Magnetresonanztomografie, wurde also gescannt, meine Mutter hatte einen ihrer Check-ups nach dem Brustkrebs und mein Vater eine kleine Untersuchung. Meinen Arzt sehe ich alle drei Monate bei den Gesundheitstests wieder. Die Scans muss ich so zwei, dreimal im Jahr machen.
Wie fühlen Sie sich, nachdem Sie die Erfahrung mit mehreren weiblichen Identitäten gemacht haben – wie Stella, Sue, Daisy, Blondie, Platina, Oema, Pam, Lydia, Bebé? Oder eher wie eine neu geborene Sophie?
All diese Mädchen bleiben ein Teil von mir. Manchmal fühle ich mich mehr wie Oema, manchmal mehr wie Pam. Das hängt davon ab, wie es in mir aussieht und was passiert ist. Wenn ich nach Spanien reise, trage ich gern Pam, Bebé oder Sue. Und wenn ich ausgehe, liebe ich Oema. Mittlerweile bin ich sehr froh über meine eigenen kurzen, blonden Haare. Ja, vielleicht fühle ich mich wie eine neu geborene Sophie. Doch ich bin nach wie vor die Sophie aus »Heute bin ich blond«. Vieles hat sich verändert, auch in mir selbst. Wir finden so viel über uns heraus, wenn wir schwierige Zeiten durchleben. Ich habe mein wahres Ich gefunden, als ich krank war.
Sie tragen Ihre Perücken also immer noch ab und zu...
Ja, aber sie werden immer weniger wichtig für mich. Ich weiß nicht mehr, wann und wo, aber es gab einen Moment, da habe ich glatt vergessen, sie auf eine Reise mitzunehmen! Das war ein wichtiger Moment, ich brauchte sie wohl nicht mehr. Es herrschte so viel Trubel in dieser Zeit, und plötzlich habe ich meine Perücken gegen meine eigenen, nachwachsenden Haare eingetauscht. Es dauert immer ewig, die Perücken zu pflegen und zu ordnen. Deshalb setze ich sie eigentlich nur noch zum Ausgehen auf – oder wenn ich mal einen anderen Kopf im Spiegel sehen will. Ich liebe lange blonde Haare, und dafür muss ich halt eine Perücke tragen.
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