Interview mit Veronica Ferres
In Ihrem Buch "Kinder sind unser Leben" stellen Sie 15 Projekte, Initiativen und Personen vor, die auf jeweils verschiedene Weise notleidenden Kindern in Deutschland, Österreich und der Schweiz helfen – woher kommt Ihr Engagement für Kinder?Da kam Verschiedenes zusammen. Zum einen bin ich davon überzeugt, dass die Kindheit einen Menschen für das ganze Leben prägt. Gleichzeitig sind Kinder die Kleinsten und Schwächsten in unserer Gesellschaft und damit selbst noch nicht stark genug, um sich zu wehren und für ihre eigenen Rechte und Bedürfnisse zu kämpfen. Diese 15 beeindruckenden, von mir porträtierten Menschen tun dies auf vorbildliche Art und Weise. Schließlich sind Kinder unsere Zukunft. Sie sind die Ärzte, die uns einmal behandeln werden. Sie sind die Krankenpfleger, die uns einmal im Altenheim umsorgen. Sie sind die künftigen Professoren und Politiker, die einmal maßgeblich über unser Land und unser Wohlergehen entscheiden.
Gerade als Künstler oder Künstlerin, so finde ich, hat man eine Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche und damit auch eine besondere Verantwortung. Ich möchte, dass Kinder und Jugendliche in eine unbeschwerte Zukunft blicken können. Ich möchte, dass sie stark sind, dass sie Vertrauen in sich selbst setzen, um in dieser Welt bestehen zu können.
Deutschland ist ein wohlhabendes Land, und doch lesen wir in Ihrem Buch, dass auch hierzulande viele Kinder in Not leben. Können Sie einige Beispiele dafür geben?
Es ist richtig: auf den ersten Blick sollte man nicht meinen, dass hierzulande Kinder notleidend sein könnten. Doch leider ist es so. Da gibt es Mädchen und Jungen aus sozial schwächer gestellten Familien, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder mit regelmäßigen Mahlzeiten zu versorgen. Es gibt drogenabhängige Kinder und Jugendliche, die durch das Raster zu rutschen drohen. Und solche, die Mutter oder Vater verloren haben und nicht zuletzt solche, die in einem Heim leben müssen, weil ihre Eltern nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern. Sie alle brauchen unsere Hilfe.
Welche der von Ihnen in Ihrem Buch beschriebenen Personen bzw. Kinderhilfsprojekte hat sie besonders tief beeindruckt?
Jeder Einzelne hat mich tief beeindruckt, auf je seine eigene Weise. Um Ihnen ein paar stellvertretende Beispiele zu nennen: Da ist Gina Graichen, Erste Kriminalhauptkommissarin aus Berlin, die bereits in ihrer Laufbahn über 120 vernachlässigte und zum Teil brutal misshandelte Mädchen und Jungen nur noch tot vorfand und die trotzdem weiterkämpft gegen die tägliche Gewalt in Familien. Eine bewundernswerte Frau. Genauso Angela Oettjen, die als Pflegemutter auf Zeit erst wenige Wochen alte Babys zu sich nimmt und diesen die Liebe gibt, als wären es ihre eigenen Kinder. Oder Stefan Hippler, der sich in Südafrika um HIV-infizierte Kinder kümmert. Sie alle sind beeindruckende Menschen – und großartige Vorbilder für uns alle.
Wie haben Sie Ihre eigene Kindheit erlebt?
Ich denke sehr gerne an sie zurück. Meine Eltern hatten einen Kartoffel- und Kohlehandel, und auf unserem Hof lebten viele Tiere. Es gab Hasen, Hühner und Hunde. Zusammen mit meinen beiden größeren Brüdern zog ich durch die umgebenden Wälder. Immer war etwas los bei uns. Es war eine glückliche Zeit, die mich geprägt hat, und ich glaube, die Kraft und das Selbstvertrauen, mit denen ich heute als erwachsene Frau durchs Leben gehe, finden ihren Ursprung in den Tagen meiner Kindheit.
Was können wir alle tun, um die Lage der Kinder zu verbessern?
Das Wichtigste ist: Wir müssen genauer hinschauen. Und wenn wir mitbekommen, dass irgendwo ein Kind in Not ist, sei es durch häusliche Gewalt, sei es durch Armut oder einfach, weil es keinen Ansprechpartner für seine Sorgen hat, sollten wir die Augen nicht davor verschließen. Erst dann können wir helfen. Und helfen kann man auf vielfältige Weise. Die Menschen, die ich in meinem Buch porträtiere, gehen mit großartigem Beispiel voran. Aber auch im Kleinen kann man etwas tun, etwa indem man einfach zuhört, bei kleinen alltäglichen Dingen hilft. Oder abstrakter, indem man Kinderhilfsprojekte, die einem am Herzen liegen, durch eine Spende unterstützt.
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