Dubiose Machenschaften einer Hilfsorganisation

Band 1 der neuen Reihe von Bestsellerautor Frank Kodiak

Lauf um dein Leben, so schnell du kannst! 

In einer regnerischen Herbstnacht werden die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius Zeugen eines grauenhaften Zwischenfalls an einer Autobahn-Raststätte: Ein panisches Mädchen rennt direkt auf die Fahrbahn und wird von einem Auto erfasst. „Die Grube…“, flüstert die Schwerverletzte und stirbt. Ihre Hand krampft sich um einen Zettel.Zeitgleich explodiert ein Wohnmobil. Darin die Leiche eines Mannes, der das Mädchen offenbar kurz nach dem Umzug der Familie entführt hat.

Abgründe tun sich auf, als das Ermittlerpaar bei „Amissa“ nachhakt, einer Hilfsorganisation für vermisste Personen. Es gibt weitere Teenager, die auf ähnliche Weise nach einem Umzug verschwunden sind…

Amissa. Die Verlorenen

Knallharte Spannung, intelligente Twists: Band 1 der Thriller-Reihe von Frank Kodiak um die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius In einer regnerischen Herbstnacht werden die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius Zeugen eines grauenhaften Zwischenfalls an einer Autobahn-Raststätte: Ein panisches Mädchen rennt direkt auf die Fahrbahn und wird von einem Auto erfasst, jede Hilfe kommt zu spät. An der Raststätte findet sich die Leiche eines Mannes, der das Mädchen offenbar entführt und sich dann erschossen hat. Die Privatdetektive stellen Nachforschungen an und finden heraus, dass es weitere Teenager gibt, die auf ähnliche Weise kurz nach einem Umzug verschwunden sind. Eine Spur führt zu "Amissa", einer Hilfsorganisation, die weltweit nach vermissten Personen sucht und für die Rica arbeitet. Plötzlich ist nichts mehr wie es war, und Rica und Jan kommen Dingen auf die Spur, von denen sie lieber nie gewusst hätten. »Frank Kodiak« ist das Pseudonym des Bestseller-Autors Andreas Winkelmann, der mit »Amissa. Die Verlorenen« einen knallharten Thriller um vermisste Teenager und die dubiosen Machenschaften einer weltweit tätigen Hilfsorganisation vorlegt. Von »Frank Kodiak« sind außerdem die Thriller »Nummer 25«,"Stirb zuerst" und "Das Fundstück" erschienen.

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Leseprobe

AMISSA. Die Verlorenen

Das Messer sirrte durch die Luft, doch ihr Verfolger war zu weit entfernt, nur die Spitze der Klinge erreichte sie, durchtrennte den dünnen Stoff der gefütterten blauen Winterjacke und die darunterliegende Haut. Sie spürte den scharfen Schmerz und einen Lidschlag später warmes Blut den Oberarm hinablaufen.

Das Mädchen zuckte zusammen, schrie aber nicht. Sie wusste, wenn sie überleben wollte, musste sie rennen. So schnell wie nie zuvor in ihrem Leben, und das würde ihr nur gelingen, wenn sie Kraft und Atemluft allein dafür verwendete. Weder durfte sie um Hilfe schreien noch sich nach ihrem Verfolger umdrehen und damit wertvolle Sekunden verschenken.

Also rannte sie. Panische Angst und der Schmerz am Oberarm setzten genug Adrenalin frei, um ihre Beine nur so über den Boden fliegen zu lassen.

Instinktiv hielt das Mädchen auf die Lichter zu, die Rettung zu versprechen schienen. Auf diese großen, orange leuchtenden Kugeln, die in einiger Entfernung hoch über dem Boden schwebten. In schrägem Winkel zog der vom Wind gepeitschte Nieselregen durch die Streulichtkegel, ein diesiger Vorhang, der die Sicht auf wenige Meter beschränkte. Feine Tropfen trieben ihr ins Gesicht, und es dauerte nicht lang, bis ihr das lange, dunkle Haar an Kopf und Wangen klebte.

Lauf, lauf, lauf, du schaffst das!

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Das Atmen fiel ihr schwer, ihre Lunge brannte, und sie hatte das Gefühl, ihr Körper würde jeden Moment kollabieren. 

In der tiefen, nassen Dunkelheit konnte sie kaum etwas erkennen, und so übersah sie den tief hängenden Ast einer ausladenden Sandkiefer. Ein spitzer Dorn trockenen Holzes traf sie seitlich am Hals, durchbohrte die Haut und riss sie von vorn bis in den Nacken auf. Der Schmerz übertraf den des Messerstichs, sodass sie jetzt doch laut aufschrie, ins Taumeln geriet und auf die Knie fiel. Das Mädchen presste sich die rechte Hand auf die Wunde, spürte wieder Blut aus dem Körper rinnen, aber nicht mit der Wucht, die zu erwarten gewesen wäre, wenn der Ast ihr die Halsarterie aufgerissen hätte.

Schwer atmend, ein Knie und eine Hand am Boden, warf sie nun doch einen Blick zurück. Dunkelheit. Regen. War da eine schwarze Gestalt dazwischen, die sich zielstrebig auf sie zu bewegte?

Geriete sie ihm erneut in die Finger, würde er sie töten, keine Frage. Das Mädchen wusste selbst nicht, wie sie zu der Chance gekommen war, dem Mann überhaupt zu entkommen, aber sie wusste, eine zweite würde es nicht geben.

Sie stieß sich vom Boden ab und rannte weiter.

Ihr Herz wummerte wie verrückt, und sie spürte, wie der drastisch erhöhte Puls das Blut aus den beiden Wunden an Oberarm und Hals presste. Irgendwann würde der Blutverlust sie schwächer werden lassen, aber noch nicht. Jetzt musste sie um ihr Leben rennen und sich abverlangen, wozu sie nie zuvor in der Lage gewesen wäre.

Der schmale, asphaltierte Weg, der aus dem kleinen Waldstück auf die Lichter zuführte, teilte sich vor ihr. Der rechte Abzweig führte auf die Lichter zu, und wenn sie es richtig interpretierte, gehörten sie zu dem Parkplatz einer Autobahnraststätte – sie konnte das Rauschen von Reifen auf der nassen Straße hören.

Das Mädchen warf einen schnellen Blick in den linken Abzweig und glaubte kaum, was sie dort sah: Nicht einmal fünfzig Meter entfernt befand sich ein flaches Gebäude mit einem Polizeischild daran.

Sie schrie auf vor Erleichterung.

Polizei.

Ihre Rettung!

 

 

Du warst zu hart zu ihr!«

Martin Eidinger schüttelte den Kopf und ballte die Hände zu Fäusten, versteckte sie aber unter dem Schreibtisch zwischen den Beinen, damit seine Frau es nicht sah.

Eine Stunde nach dem monströsen Streit war sein Ärger noch immer nicht verraucht, denn die Vorwürfe, die er sich hatte anhören müssen, wanderten wieder und wieder durch seinen Kopf und warfen Fragen auf. Fragen, deren Beantwortung er sich nicht stellen wollte. Es nicht konnte. Sie waren zu existenziell, gingen zu tief und kratzten den glänzenden Lack von seinem Selbstbildnis. Den Rost darunter hatte er lange schon gespürt, ihn zu sehen war zu viel der Realität.

»Sie ist doch unser einziges Kind«, fuhr Lydia fort.

Martin blickte noch immer auf den PC-Bildschirm und hatte ihr den Rücken zugedreht, hörte aber an ihrer Stimme, wie nah sie den Tränen war. Wenn sie weinte, würde er es auch, das war schon immer so gewesen, wie wütend er auch sein mochte.

Seit seine Tochter Leila vor einer Stunde die Haustür mit Wucht hinter sich zugeworfen hatte und in den Abend verschwunden war, hatte er versucht, ein wenig zu arbeiten, doch es war ihm nicht gelungen. Der Artikel über die Inklusion an der Gesamtschule von Taubenheim sollte in drei Tagen fertiggestellt sein, die Daten und Fakten lagen vor, er musste sie nur noch leserfreundlich verpacken – aber wie sollte er, nachdem dieser eine Satz seiner Tochter ihm den Boden unter den Füßen fortgezogen hatte.

»Wenn du deinen Job beherrschen würdest, würde es uns besser gehen, und ich hätte meine Freunde noch.« Seine kleine Fee, wie Martin seine Tochter seit ihrer Geburt nannte, war in diesem Moment alles andere als eine Fee gewesen, eher eine selbstsüchtige Hexe, und es war einfach nur gemein von ihr, ihn für alles verantwortlich zu machen.

Manchmal verlief das Leben anders, als man es sich vorgestellt hatte, und die seit Jahren andauernde Krise der Printmedien war ja nun mal nicht seine Schuld. Immerhin arbeitete er noch als Journalist, wenn auch nicht mehr bei einem der großen Nachrichtenmagazine Deutschlands, sondern stattdessen für eine Provinzzeitung. Mit wesentlich geringerem Gehalt, und den Wohnort hatten sie dafür auch wechseln müssen, was der Hauptgrund für den Streit gewesen war, aber er war nicht arbeitslos wie so viele seiner ehemaligen Kollegen und Freunde.

Martin Eidinger entspannte die Hände, schüttelte den Kopf und drehte sich zu seiner Frau um. »Es tut mir auch leid ...«, sagte er. »Aber sie war so unfair. Manchmal erkenne ich sie nicht wieder. Wann ist sie so geworden?«

Lydia stieß sich vom Türrahmen ab, ging vor dem Schreibtischstuhl in die Hocke und nahm seine Hände. »Sie ist siebzehn und hat gerade ihr soziales Umfeld verloren ... das kommt einem Weltuntergang gleich.«

Martin nickte. Er wusste das, denn er konnte sich noch gut an die Umzüge seiner Eltern erinnern. Vier während seiner Schulzeit, und die Neuanfänge waren nie einfach gewesen.

Wenn man ein wenig nerdig und in sich gekehrt war, geriet man an jeder Schule zuallererst einmal an die coolen Typen, die noch cooler wurden, indem sie den Neuen so richtig aufmischten.

»Ich bin mir sicher, sie hat es nicht so gemeint«, fuhr Lydia fort. »Du bist gut in dem, was du tust, es liegt nicht an dir. Das weißt du, nicht wahr?«

Martin sah seiner Frau in die Augen. Sie waren von hellblauer Farbe mit winzigen silbernen Sprenkeln darin und so offen zugänglich, wie man es nur selten erlebte. Weder Mitleid noch übertriebene Fürsorge begleiteten ihre Worte, was sie sagte, dachte sie auch. Darauf konnte er sich verlassen, und es war von jeher sein Halt gewesen, dass sie nicht an seinem Talent zweifelte. Ein einziger Mensch nur, der immer an ihn geglaubt hatte, ohne daraus ein großes Ding zu machen. Das reichte ihm, um weitermachen zu können, auch in Krisenzeiten wie diesen.

»Ich weiß«, sagte er leise, ohne den Blick zu senken. Er hatte dunkle Augen und hoffte, sie würden die Wahrheit verbergen, die sich hinter dieser Lüge versteckte. Martin war sich seines Talents nicht mehr sicher. Aber für eine Provinzzeitung würde es wohl reichen.

Sie erhoben sich gleichzeitig und umarmten einander, standen minutenlang nur da. Martin zog Kraft und Zuversicht aus ihrer Wärme und ihrer Hand in seinem Nacken, wo ihre Finger sein Haar streichelten. In diesem Moment fühlte er sich behütet und beschützt, und er fragte sich, ob es Lydia ebenso erging. Und wenn nicht? Wurde er seiner Rolle als Mann in ihrer kleinen Familie dann überhaupt gerecht?

Mit harten Worten hatte er seine Tochter aus dem Haus getrieben und ließ sich dafür jetzt auch noch von seiner Frau trösten. Was für ein toller Kerl er doch war!

»Holst du sie zurück? Bitte!«, sagte Lydia an seinem Hals, schob ihn dann ein Stück von sich und sah ihn wieder an. »Ich bin sicher, sie wartet auf dich.«

»Meinst du?«

Lydia nickte und lächelte.

»Wo ist sie hin?«

»Ins Level24.«

 

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Frank Kodiak

Frank Kodiak

Frank Kodiak ist das Pseudonym für Andreas Winkelmann, geboren 1968, der bei Rowohlt (rororo) schon etliche Thriller veröffentlicht hat. Mit "Das Haus der Mädchen" stand er monatelang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste, "Die Lieferung" erreichte Platz 1. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für spannende, unheimliche Geschichten. Bevor er sein erstes Buch veröffentlichte, arbeitete er nach dem Studium der Sportwissenschaften zunächst jedoch als Soldat, Sportlehrer, Taxifahrer, Versicherungsfachmann und freier Redakteur. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Bremen - in einem einsamen Haus am Waldrand. Mehr über Andreas Winkelmann: andreaswinkelmann.com.

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