1 Mord. 12 Verdächtige. 24 Stunden Dunkelheit im ewigen Eis

Notärztin Kate North zögert nicht lang, als sie das Angebot erhält, auf einer UN-Forschungsstation in der Antarktis einzuspringen: Sie ist am Tiefpunkt ihres Lebens und will nur noch weg. Auf der Station soll sie den Arzt Jean-Luc ersetzen, der bei einem tragischen Unfall im Eis ums Leben gekommen ist. Doch als der gnadenlose Winter die 13-köpfige Crew einschließt und die monatelange Dunkelheit nach und nach alle an ihre Grenzen bringt, beginnt Kate zu ahnen, dass Jean-Lucs Tod gar kein Unfall war. Je mehr Fragen sie stellt, desto klarer wird: Der Mörder ist unter ihnen. Und er wird wieder töten.

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Emma Haughton

Emma Haughton

Emma Haughton wuchs in Sussex auf, studierte Englisch in Oxford und arbeitete als Journalistin für mehrere überregionale Zeitungen, unter anderem für die Times Travel Section. Sie hat mehrere Sach- und Jugendbücher geschrieben. Ihre Thriller The Dark und Tödliche Oase waren wochenlang auf den englischen Bestsellerlisten. 

Leseprobe

The Dark

12. Februar 2021

Weiß. Endloses, nichtssagendes, hirntötendes Weiß. So hell, dass es in den Augen schmerzt, gleichzeitig schrecklich und wunderschön. Endlich bin ich am Ende der Welt angekommen – oder besser gesagt an ihrem südlichsten Zipfel.
Und hier ist absolut gar nichts.
Über die dröhnenden Triebwerke der Basler hinweg ist Jims Stimme kaum zu hören. Ich nicke, obwohl es bei Weitem nicht stimmt. Ich bin müde. Erschöpft bis in die Knochen, sodass ich kaum noch denken kann. Seit drei Tagen bin ich unterwegs, und inzwischen kommt mir alles surreal vor.
Es ist surreal, beschließe ich, während wir weiter ins Innere des Kontinents fliegen und Berggipfel und Gletscher bizarren Eisformationen weichen, die sich schließlich zu dem gewaltigen Plateau Dome C absenken, eine sich endlos erstreckende Schneefläche, mit Rillen überzogen wie ein gefrorener See. In alle Richtungen derselbe Anblick. Kein Wunder, dass die Gegend den Spitznamen Weißer Mars trägt. Das hier ist der kälteste Ort auf der Erde und auch der verlassenste.
Mein Zuhause für die nächsten zwölf Monate.
Zum ersten Mal seit meinem Aufbruch von Heathrow Richtung Christchurch in Neuseeland spüre ich das Nagen eines Zweifels. Ein Schatten auf meiner Vorfreude.
Als ich die Stellenanzeige las – in meiner warmen, sicheren Wohnung in Bristol – , hielt ich es für eine gute Idee. Ein Jahr als Ärztin in der Antarktisstation, das klang nach Abenteuer, und ich erfüllte sämtliche Voraussetzungen: reichlich notfallmedizinische Erfahrung, chirurgische Grundausbildung, keine gesundheitlichen Einschränkungen. Und das Entscheidende: sofort verfügbar.
Trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich in diesem kleinen Flugzeug meilenweit über nichts als Eis fliegen würde. Die Stelle auf der neuen Forschungsbasis war für Personen aus aller Welt ausgeschrieben gewesen. Wie groß war die Chance, dass sie ausgerechnet mich auswählten?
Und doch bin ich hier. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.
Aufgeregt. Und mit einer Riesenangst.

»In ein paar Stunden sind wir da.«
Jim holt die Sandwiches hinter meinem Sitz hervor und reicht mir eines der Päckchen. Wenig begeistert wickle ich es aus. Bei unserer Abreise in Neuseeland vor zwei Tagen waren sie frisch, doch jetzt sind Salat und Tomate schlapp geworden und das Brot unappetitlich durchweicht.
Stell dich nicht so an, Kate, sage ich mir, während ich es hinunterwürge. Wenn das, was sich in den Kisten hinter uns stapelt, aufgegessen ist, wird das für viele Monate so ziemlich das letzte frische Gemüse sein, das ich gegessen habe. Dies ist der vorletzte Flug zur Antarktisstation der Vereinten Nationen, der United
Nations Antarctica Station – liebevoll als UNA abgekürzt. Wenn nächste Woche die letzte Maschine die letzten Mitglieder des Sommerteams abholt, kann uns über ein halbes Jahr lang niemand mehr erreichen.
Bei dem Gedanken daran zieht sich mir der Magen zusammen. Werde ich damit umgehen können? Und werden es auch die anderen zwölf Mitglieder des Winterteams können? Während des vierwöchigen Crashkurses in Genf hatte alles machbar gewirkt, fast schon akademisch, doch jetzt, angesichts der unermesslichen antarktischen Wildnis trifft mich die eisige Realität dessen, worauf ich mich da eingelassen habe, mit voller Wucht.
Denn natürlich habe ich die Geschichten gehört. Gerüchte von Leuten, die wegen der Isolation, der ständigen Dunkelheit und der Belastung, mit einer kleinen Gruppe eingesperrt zu sein, verrückt geworden sind. Von dem Koch in McMurdo, der größten US-amerikanischen Basis, der einen Kollegen mit einem Hammer angegriffen hatte. Von dem australischen Mitarbeiter, der so gewalttätig wurde, dass man ihn zwei Monate lang in einem Lagerraum einsperren musste. Ein betrunkener russischer Schweißer, der in einem Wutanfall einen Elektrotechniker erstach.
Manche Stationen ließen gar nicht zu, dass neue Mitarbeiter die abreisenden Überwinterer kennenlernten. Kein Wunder.
Ach du Scheiße!

Das Flugzeug stößt ein mechanisches Husten aus, und plötzlich sinken wir. Trotz der dämpfenden Wirkung der Tabletten, die ich vor dem Einsteigen genommen habe, stockt mir der Atem, und für ein, zwei Sekunden nackten Grauens bin ich mir sicher, dass wir auf das unerbittliche Eis stürzen werden.
Gleich darauf fliegen wir wieder ruhig dahin.
»Hey, entspannen Sie sich.« Jim drückt meinen Arm. »Das macht sie hin und wieder. Ist ein wenig kühl am Triebwerk.«
Ich muss über diese australische Untertreibung lächeln. Da draußen sind es minus vierzig Grad. »Tut mir leid, ich bin nicht unbedingt die beste Fliegerin der Welt.«
»Keine Sorge.« Er lächelt breit. »Da sind Sie in guter Gesellschaft. Letztes Jahr hatte ich einen hier – einen Ingenieur, man sollte meinen, der hätte Ahnung von Aeronautik – , der hat fast auf dem ganzen Rückflug geheult. Sie machen sich gut.«
Ich sehe ihn dankbar an, aber mein Herz rast immer noch. Wenn irgendetwas schiefgeht, wenn wir abstürzen oder notlanden müssen, sind unsere Chancen auf Rettung verschwindend gering. Wir könnten innerhalb von Minuten erfrieren.
Ich setze mich auf meine Hände, um zu verbergen, dass sie zittern, doch mein Körper rebelliert, und Übelkeit steigt in mir
auf. Oh Gott, bitte mach, dass ich mich nicht übergeben muss. Ich kneife die Augen gegen das erbarmungslose Flirren des Sonnenlichts auf dem Eis zusammen und atme langsam ein und aus.
Im Licht der Scheinwerfer blinzeln mich Fuchsaugen an. Die Welt fängt an, sich um mich zu drehen.
Hör auf damit, Kate, murmle ich leise und schiebe das Bild weg.
Lass es doch einfach.

Buch Mockup Emma Haughton: The Dark

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Emma Haughton erzählt, wie die Idee zu The Dark entstanden ist

Die Idee zu The Dark kam mir, als ich einen Dokumentarfilm über die neue Forschungsstation Halley VI des British Antarctic Survey sah - ein außergewöhnliches Gebäude. Es besteht aus acht Modulen auf hydraulischen Beinen, die in Skiern enden, damit die Station auf dem sich hin- und herbewegenden antarktischen Eis sicher steht. Stellen Sie sich eine riesige, in blaue und rote Segmente gegliederte Raupe vor, umgeben von Tausenden Kilometern Eiswüste, dann haben Sie das Bild vor Augen.

Der eigentliche Star der Show war jedoch die Antarktis selbst. Ein Großteil des Kontinents ist die Hälfte des Jahres in 24-stündige Dunkelheit getaucht, und die meisten der 70 Antarktisstationen sind bis zu acht Monate lang völlig unzugänglich. Einige von ihnen sind im Winter nicht bewohnt, aber viele arbeiten wie Halley das ganze Jahr über - im Winter mit reduzierter Besatzung, die während dieser Zeit völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. 

All dies ließ mein Schriftstellerhirn aufleuchten wie ein Polarlicht über dem Südpol. Stellen Sie sich vor, Sie wären acht Monate lang mit nur etwa einem Dutzend Menschen eingesperrt, die meiste Zeit davon in völliger Dunkelheit. Was wäre, wenn etwas schief gehen würde? Was, wenn ein Mitglied der Besatzung ernsthaft krank werden würde? Oder, schlimmer noch: Was, wenn jemand völlig den Verstand verlieren würde? Wie sich herausstellte, waren selbst meine kühnsten Vorstellungen gar nicht so weit hergeholt. Ich stieß auf zahlreiche Berichte von Menschen, die der körperlichen und psychischen Belastung, so lange Zeit am eiskalten Ende der Welt zu verbringen, erlegen waren.

Von diesem Punkt an ging es nur noch darum, zu entscheiden, wen ich in dieses eisige Schicksal stürzen wollte und was genau ihnen zustoßen würde. Plus jede Menge Recherche. Ich sah mir viele Videos an und las die Blogs von fast allen Ärztinnen, Wissenschaftlern und Technikerinnen, die jemals in der Antarktis waren - zum Glück haben sich viele die Zeit genommen, ihre Erfahrungen beim Überwintern in der Antarktis zu dokumentieren. Trotzdem: Eine fiktive Antarktisstation zu erschaffen und sie mit glaubhaften Figuren zu bevölkern, war eine der größten Herausforderungen, die ich je in Angriff genommen habe. Vielleicht nicht ganz so herausfordernd, wie einen antarktischen Winter zu überstehen, zugegeben. Aber ein Jahr lang geistig an einem so extremen und beengten Ort zu leben, war anstrengend. Dennoch habe ich jede Minute davon genossen, und ich bin sehr stolz auf das Ergebnis. Ich hoffe, dass The Dark diesen außergewöhnlichen Ort für alle seine Leser*innen lebendig werden lässt.

Das Personal der Forschungsstation

Kate North
Position: Ärztin
Alter: 35
Nationalität: britisch
Familienstand: ledig
Beruflicher Hintergrund: Medizinstudium an der University of Warwick, Notärztin am Bristol Royal Infirmary.
Aufgabengebiet: Medizinische Versorgung der Stationsbesatzung. Durchführung von wissenschaftlichen Studien zu den Auswirkungen der Isolation und anhaltenden Dunkelheit auf die Teammitglieder.
Interne Anmerkungen: Ernsthaft, pflichtbewusst und engagiert - vielleicht mehr, als gut für sie ist. Woher stammt die Narbe in ihrem Gesicht?

Sandrine Martin
Position: Stationsleiterin
Alter: 48
Nationalität: französisch
Familienstand: ledig
Beruflicher Hintergrund: Promotion in Geologie und Umweltwissenschaften an der Sorbonne, Fachbereichsleiterin an der Universität von Toulouse, danach zwei Jahre auf der französisch-italienischen Antarktis-Forschungsstation Concordia.
Aufgabengebiet: Verantwortlich für die Sicherheit sowie das körperliche und emotionale Wohlbefinden der Stationsbesatzung. Koordination und Management sämtlicher Teammitglieder, Forschungsprogramme und Expeditionen.
Interne Anmerkungen: -

Drew Cole
Position: Ingenieur
Alter: 34
Nationalität: US-amerikanisch
Familienstand: ledig
Beruflicher Hintergrund: Ausbildung zum Militäringenieur bei der US-Armee.
Aufgabengebiet: Instandhaltung von Gebäuden und anderen Einrichtungen vor Ort. Unterstützung der Ingenieure, Technikerinnen und Wissenschaftler bei der Arbeit unter extremen Bedingungen.
Interne Anmerkungen: besonders hilfsbereit

Caro Hinds
Position: Klempnerin
Alter: 28
Nationalität: neuseeländissch
Familienstand: ledig
Beruflicher Hintergrund: zertifizierte Klempnerin mit mehrjähriger Berufserfahrung.
Aufgabengebiet: Installation, Betrieb und Instandhaltung der Wasserleitungen sowie der daran angeschlossenen Geräte und Einrichtungen.
Interne Anmerkungen: Was verbirgt sie hinter ihrer fröhlichen Fassade?

»Hervorragend [...] Ein Locked-Room-Thriller der Superlative.«
Sunday Times
 

»Alle, die gern echte Pageturner mit glaubwürdigen Figuren lesen, werden diesen Thriller lieben.«
On Magazine

Emma Haughton: The Dark

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