Das fulminante Finale der Greifenau-Serie!

Berlin 1929: Katharina erleidet einen schweren Schicksalsschlag. Plötzlich steht sie alleine mit zwei Kindern da, und ihr Traum von einem Leben als Ärztin scheint in weite Ferne gerückt. Auch über Gut Greifenau hängen dunkle Wolken, denn die Weltwirtschaftskrise setzt seinen Bewohnern – der Grafenfamilie wie auch den Bediensteten – schwer zu. Graf Konstantin ändert angesichts der finanziellen Probleme und der bedrohlichen Lage immer mehr seine politische Haltung – sehr zum Ärger seiner Frau Rebecca. Die kümmert sich tatkräftig um ihre drei Kinder und um Katharina, die in ihrer Not auf das heimatliche Gut flüchtet. Diese freundet sich mit dem Gutsverwalter Albert an – und entdeckt sein Geheimnis ... Derweil überschlagen sich in der Dienstbotenetage die Ereignisse. Bertha ist zurück, und nicht nur sie bringt unerwarteten Zuwachs mit. Und aus Amerika kommen überraschende Gäste ...

Taschenbuch 9,99 €
E-Book 9,99 €

»Diese Reihe ist wahrlich das "deutsche Downton Abbey", das kann man getrost so sagen. Jedenfalls fesselt es mich ebenso.«

Hugendubel.de

»Diese Serie hat Suchtpotential.« 

Vorablesen.de

Leseprobe

Jetzt reinlesen

23. Dezember 1928

Julius vermutete nichts Böses, als Katharina, kaum aus der Stadt heimgekehrt, ihn nach draußen in die Kälte bat. Sie führte ihn vom Haus weg, über den schneebedeckten Rasen hinter eine Hecke, als gäbe es ein unaussprechliches Geheimnis. Und so war es ja auch.

Gestern Abend war sie spät nach Hause gekommen. Nach dem Überfall hatte sie ihren Bruder Alexander ins Krankenhaus gebracht. Bemitleidenswert war eine unzureichende Beschreibung seines Zustands. An der Schwelle zum Tod war da passender. Deswegen war sie heute Morgen noch einmal bei ihm gewesen. Sie musste sich vergewissern, dass ihr Bruder die Nacht überlebt hatte. Gestern wie auch heute hatte sie ihrem Mann Julius und Rebecca und Konstantin eine Lüge aufgetischt. Sie müsse Nadeschda dringend in der Privatpraxis helfen, hatte sie behauptet. Einen Tag vor Weihnachten. Julius war verärgert gewesen. Innerlich vollkommen aufgewühlt, hatte Katharina sich nichts anmerken lassen. Erst einmal hatte sie ihre Gedanken ordnen müssen.

Als sie heute schon wieder nach Berlin reingefahren war, hatte Julius großen Unmut gezeigt. Was denn da so dringend sei? Katharina schaute ihn verunsichert an. Gleich würde er die Wahrheit erfahren. Er würde erfahren, was so dringend war. Alexander hatte die Nacht überlebt. Katharina war so erleichtert gewesen, als er sie vorhin erkannt und sogar ein paar Worte gesagt hatte. Aber das bedeutete, dass sie das nächste Problem angehen musste.

Nun standen sie also hier im Schnee, knöcheltief. Julius trat von einem Bein aufs andere. Der Schnee quoll ihm über den Rand der Schuhe in die Socken. Bis gerade hatte er in weihnachtlicher Stimmung geschwelgt. Zusammen mit Konstantin und Rebecca hatte er mit den Kindern gespielt. Deren Vorfreude und Aufregung waren deutlich zu spüren. Morgen würde das Christkind kommen. Der große Salon war herrlich dekoriert. Die Kerzen auf dem Adventskranz brannten und erfüllten die Räume mit ihrem Duft nach Wachs. Überall glänzte es, schimmerten die goldüberzogenen Äpfel und glitzerte das Lametta am Baum. Diese Idylle würde Katharina nun mit einem Streich zerstören. Allmählich schien Julius zu ahnen, dass etwas kam, was er nicht hören wollte. Sein Blick wurde zunehmend skeptischer.

Es schmerzte sie, ihre Lüge zugeben zu müssen. »Ich war gestern nicht bei Nadeschda, um ihr zu helfen. Und auch heute nicht. Ich war im Krankenhaus. Alex … er wurde zusammengeschlagen. Übel, richtig übel. Bis heute Morgen war ich mir nicht sicher, ob er überlebt.«

»Er wurde … was?« Julius schaute sie schockiert an. »Wieso?«
Sie schluckte und erzählte ihm von dem merkwürdigen Anruf, den sie erhalten hatte, nachdem sie gestern mit Konstantin und Rebecca in der Stadt gewesen war, um im Warenhaus nach Geschenken für die Kinder zu suchen.

»Dann ist er schwer verletzt? Wer macht denn so was? … Wieso hast du mir das nicht gleich gesagt?« Julius schaute seine Frau an. »Wir müssen zur Polizei!«

»Das wird Alex kaum recht sein. Denn … sollten sie die Täter fassen, dann kommt die Wahrheit sicher ans Licht.«

Julius schaute irritiert. »Die Wahrheit? Welche Wahrheit denn?«

Katharina sog Luft ein, doch dann wollte einfach kein Wort über ihre Lippen kommen. Ängstlich starrte sie Julius an. »Anscheinend ist Alex zusammengeschlagen worden, weil er … homosexuell ist.« Knapper hätte sie es nicht formulieren können.

»Ich finde, das ist ein ziemlich geschmackloser Scherz.« Julius’ Worte waren stechend. Seine Reaktion löste eine bleierne Schwere in ihr aus.

»Es ist wahr. Er wurde zusammengeschlagen und in einem dieser Etablissements abgeladen. Sie haben mich angerufen«, sagte Katharina nun mit Zittern in der Stimme.

Julius trat einen Schritt auf sie zu. »Du warst in so einer Spelunke? Etwa alleine?«

»Es ist doch nichts passiert«, versuchte Katharina ihn zu beruhigen. Als Julius sie weiter anklagend anschaute, holte sie noch einmal tief Luft. »Und es ist wahr. Alex ist homosexuell. Mein Bruder liebt Männer. Ich weiß es seit ein paar Monaten.«

»Monaten?! … Liebt Männer?!« Julius wollte es immer noch nicht fassen. Konnte es nicht fassen. »Ich … « Diese abwegige Information musste erst einmal ankommen.

In der Zeit erzählte Katharina davon, wie sie zu diesem höchst ominösen Ort, diesem Etablissement, gefahren war, vor dessen Pforten man Alexander abgeladen hatte wie Müll. Sie wiederholte knapp, was die Männer ihr erzählt hatten. Viel mehr wusste sie ja auch nicht. Und dann berichtete sie von der Untersuchung im Krankenhaus und Alexanders Verletzungen. »Ausgerechnet jetzt. Jetzt muss ich allen erklären, warum er nicht zur Feier kommt.«

»Als wäre das das Problem. … Alex ist homosexuell? Verdammt noch mal!«

»Mir ist bewusst, dass du Alexanders Neigung nicht gutheißen wirst.«

»Gutheißen? Wer würde denn so was gutheißen?«

Sie schüttelte ihren Kopf. »Ich war zuerst auch … Ich habe Alex sogar mit einem anderen Mann im Bett überrascht. Du kannst dir vorstellen, wie kalt mich diese Information erwischt hat.«

Verstört schaute Julius sich im Garten der Grunewalder Villa um. Dann warf er seine Hände in die Luft, als wollte er damit seine Worte unterstreichen, aber ihm fiel einfach nichts ein, was er hätte sagen können. Heftig stieß er den Atem aus. Vor seinem Mund bildeten sich kleine Wolken. Hilflos ruderte er weiter mit den Armen durch die Luft. »Und das musst du mir unbedingt jetzt sagen? Hättest du nicht wenigstens warten können, bis die Feiertage vorbei sind?« Sein Eingeständnis, dass er Katharinas Worten glaubte. Natürlich glaubte er ihr. Sie macht keine geschmacklosen Scherze.

»Ich … habe gedacht, er stirbt mir unter den Händen weg.«

In Julius’ Gesicht spielte sich ein Widerstreit der Gefühle ab. Abscheu über Alexanders Neigung. Mitleid für seine Frau. Er suchte nach einer Antwort. »Katharina, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.« Er schüttelte den Kopf, als könnte er so dieses unangenehme Wissen wieder loswerden.

»Er ist ziemlich heftig malträtiert worden. Am Kopf, am Körper. Aber der Arzt sagt, mit der Zeit wird alles einigermaßen verheilen … vermutlich.«

Julius nickte. »Also verbringt er Weihnachten im Krankenhaus. … Was wirst du deiner Familie sagen? Wie willst du erklären, dass er nicht kommt?«

Katharina kaute auf ihrer Unterlippe. »Es wird niemand erfahren. Alex will nicht, dass jemand es weiß«, sagte sie. »Auch nicht Konstantin und Rebecca. … Ich werde sagen, dass … er einen Unfall mit einem Automobil gehabt hat. Schlimm genug dafür sieht er wenigstens aus. Aber ich bin nicht gut in Ausreden. Ich brauche deine Rückendeckung.«

Julius drehte sich ein wenig, schob mit den Schuhspitzen Schnee zur Seite. »Na gut. Wie du willst. Ich werde nichts sagen. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass einer von euren aristokratischen Verwandten freiwillig in ein städtisches Krankenhaus geht und ihn besucht.« Er lachte zynisch.

Katharina fasst ihn am Arm. »Da ist noch was … «

»Noch was?« Julius stöhnte auf und ließ seine Schultern hängen.

»Andrej hat es schon früher rausgekriegt, und seitdem erpresst er Alex.«

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Sternenwende

Hier geht's weiter!

Zur vollständigen Leseprobe

PDF Download

»Wieder einmal gelingt es Hanna Caspian wunderbar, die fiktiven Lebensgeschichten ihrer Figuren mit der realen Zeitgeschichte zu verbinden.«

Vorablesen.de

Die Bewohner von Gut Greifenau

Konstantin Graf von Auwitz-Aarhayn

Die Weltwirtschaftskrise setzt den Bewohnern von Gut Greifenau schwer zu. Graf Konstantin ändert angesichts der finanziellen Probleme und der bedrohlichen Lage immer mehr seine politische Haltung – sehr zum Ärger seiner Frau Rebecca.

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Sternenwende

Katharina Urban

Katharina erleidet einen schweren Schicksalsschlag. Plötzlich steht sie alleine mit zwei Kindern da, und ihr Traum von einem Leben als Ärztin scheint in weite Ferne gerückt. In ihrer Not flüchtet sie auf das heimatliche Gut.

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Sternenwende

Albert Sonntag

Der Gutsverwalter hat seine Wurzeln gefunden und kann sogar lieben. Aber als sich Katharina mit ihm anfreundet, entdeckt sie sein Geheimnis ...

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Sternenwende

»Spannend, dramatisch und emotional - eine wunderbare Fortsetzung, die keine Wünsche offenlässt und beste Unterhaltung garantiert.«

Amazon.de

Newsletter

Keine Neuerscheinung mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter.

E-Mail-Adresse*
Der Auftakt der großen Familiensaga

Gut Greifenau - Abendglanz

Am Vorabend des 1. Weltkrieges

Jetzt entdecken
Hanna Caspian: Gut Greifenau - Abendglanz Hanna Caspian: Gut Greifenau - Abendglanz
Ein Gut in Pommern verwebt mit der deutschen Geschichte

Die Gut-Greifenau-Saga

»Mit „Silberstreif“ ist Hanna Caspian wieder einmal ein absoluter Pageturner gelungen, der den Leser von der ersten Silbe an fesselt und bis zum Ende in seinem Bann hält. Historischer Hintergrund nebst einer spannenden Familiengeschichte und unwiderstehlichen Protagonisten sind einmal mehr ein Garant für einen Knüller!«

Weltbild.de

Die Autorin

Hanna Caspian

Hanna Caspian

Die SPIEGEL-Bestseller-Autorin Hanna Caspian beleuchtet mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Familiensagas bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.
Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Politikwissenschaft und Sprachen in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.