Schlechtes Timing für die Liebe?

Was wäre, wenn du die Liebe deines Lebens jeden Morgen knapp verpasst?

Normaler­weise nimmt Nadia die 7.30-U-Bahn – es sei denn, es kommt etwas dazwischen. Sie weiß ja nicht, dass Daniel jeden Morgen auf sie wartet, seit er sie in einem mit Kaffee bespritzten Kleid gesehen hat. Dann entdeckt Nadia eine Anzeige in der Zeitung: »An die hinreißende Frau mit den Kaffeeflecken auf dem Kleid: Lust auf einen Drink?« Nach einigem Zögern sagt sie zu, und damit beginnt eine ebenso romantische wie amüsante Reihe von Beinahe-Begegnungen …

Dein Lächeln um halb acht

Schlechtes Timing für die Liebe? Die Liebes-Komödie von Laura Jane Williams um diverse verpasste Chancen ist zum Seufzen romantisch, wunderbar modern und locker-leicht erzählt Was wäre, wenn du die Liebe deines Lebens jeden Morgen knapp verpasst? Normalerweise nimmt die Londonerin Nadia die 7:30-U-Bahn – es sei denn, sie verschläft oder übernachtet bei ihrer...

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Dein Lächeln um halb acht

»Scheiße. Scheiße, Scheiße, Scheiße.«

Nadia Fielding stürmte die Rolltreppe der U-Bahn-Station hinunter. Ihre neuen Sandalen schlackerten wie wild unter ihren Füßen. Wenn die Leute ihr nicht wegen ihres Fluchens aus dem Weg gingen, dann würden sie es mit Sicherheit wegen des lauten Klatsch-Geräuschs tun, das jedes Mal ertönte, wenn eine Sohle auf eine Stufe traf. Sie verfluchte sich dafür, den Instagram-Link angeklickt zu haben, und sie verfluchte die Bloggerin, die die schwarzen Lederscheusale so präsentiert hatte, als wären sie schick – und bequem – genug, um sie zu kaufen. Sie hatte schon jetzt Blasen. Fick dich, @whiskyandwhimsies, dachte Nadia. Ich hoffe, dein nächster gesponserter Trip an die Amalfiküste fällt flach.

Mit dem Kaffee, den sie unsicher in der Hand hielt, der Tasche, die von ihrer Schulter rutschte, und der Sonnenbrille, die von ihrem Kopf zu gleiten begann, war Nadia ein Bild des Chaos – aber sie würde einen Teufel tun und den Halb-acht-Zug nicht erwischen. Heute war der erste Tag in ihrem neuen Leben, und zum neuen Ich-ändere-mein-Leben-Plan gehörte es, den Zug pünktlich zu erreichen.

Sie hatte damit zu kämpfen. Ausgeh-Abende mit Emma oder Gaby (sie kurierte ihr angeknackstes Herz! Wein schmeckt so köstlich!) führten dazu, dass Nadia eben nicht um Mitternacht im Bett war, und auch ihre Neigung, eher eine Nachteule als eine Frühaufsteherin zu sein (die Vorstellung, dass es Leute gab, die vor der Arbeit Superspinning machten, ließ sie erschaudern!), führte dazu, dass die Schlummertaste ihre beste Freundin war. Sie schaffte es nur ungefähr einmal die Woche, normalerweise montags, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Sie dankte Gott dafür, dass sie allein in einer Wohnung lebte, die streng genommen ihrer Mutter gehörte, was aber bedeutete, dass sie nicht auf Mitbewohner angewiesen war. Egal, wann sie aufstand, es gab nie eine Schlange vor dem Badezimmer.

Jeder Montag war der wöchentliche Versuch eines Neustarts – aber bis Nadia am Montagabend eine Netflix-Serie einschaltete, hatte sich oft nur wenig verändert. Vom Aufstehen bis kurz vor der Mittagspause hielt sie sich immer sehr gewissenhaft an den Plan. Es waren die Montagnachmittage, die ihr den Rest gaben. Sie war machtlos dagegen. Die Arbeitswoche war einfach so quälend lang, und sie verbrachte ihr ganzes Leben damit, sich selbst hinterherzulaufen. Sie war es leid, erschöpft zu sein. Ein viraler BuzzFeed-Artikel hatte es den »Millennials-Burn-out« genannt. Aber das hieß nicht, dass Nadia nicht Großes erreichen konnte, wenn sie es sich in den Kopf setzte – erst kürzlich hatte sie sich alle sieben Staffeln von The Good Wife in weniger als drei Wochen reingezogen. Aber bedauerlicherweise gab es keine Möglichkeit, ihr Talent für Fernsehorgien, bei denen amerikanische Anwältinnen in unerhört engen Röcken freche Retourkutschen auf chauvinistische Sprüche gaben, erfolgreich für eine Festanstellung einzusetzen.

Und so ging ihr Leben im Chaos weiter. Na ja, bis heute. Heute war der erste Tag vom Rest ihres Lebens. Nadias neuer Ich-ändere-mein-Leben-Plan war nicht mit einem Neustart zu verwechseln, denn diesmal würde sie, anders als bei früheren Versuchen, nicht scheitern. Diesmal würde es anders sein. Sie würde anders sein. Sie würde die Frau werden, die sich selbst immer einen Schritt voraus war. Die Art Frau, die ihre Mahlzeiten für die Woche in zusammenpassenden Tupperdosen vorbereitete, die ihren Reisepass nicht eine Woche vor dem Urlaub zu horrenden Kosten verlängern musste, sondern die sich drei Monate im Voraus darum kümmerte und bei dem Ausfüllen des verwirrenden Formulars nicht die Nerven verlor. Sie würde die Art Frau werden, die eine umfassende Lebensversicherung und einen Schrank voller Kleider hatte, die bereits gebügelt waren, anstatt im Krisenmodus, fünf Minuten bevor sie zum Bus rennen musste, erknitterte Kleider von & Other Stories zu bügeln. Wenn ihr neuer Plan ihre neue Wirklichkeit wurde, dann würde Nadia ein Vorbild perfekter Organisation und rundum Zen sein. Namaste statt schlaf weiter. Sie würde die Gwyneth Paltrow von Stamford Hill sein, nur mit etwas schieferen Zähnen.

»Verzeihung! Entschuldigen Sie!«, kreischte sie und meinte niemanden im Speziellen und zugleich alle, während sie auf den Bahnsteig stürzte. Normalerweise hasste sie die Leute, die sie in U-Bahn-Stationen und an Bushaltestellen aus dem Weg schubsten, als wären sie die Einzigen, die dringend irgendwohin mussten. Mehr als einmal hatte sie einem Ellbogenrempler ein betont entnervtes »Entschuldigen Sie sich gefälligst!« hinterhergeschrien.

Aber heute, an diesem Morgen, war sie der egoistische Trampel, der sich durch das Pendlergewühl drängelte, und sie hatte keine Zeit, sich dafür zu schämen. Die neue Nadia war vielleicht ein bisschen ruppiger als ihr altes Selbst, aber gottverdammt, sie war auch pünktlicher. (Auf einmal hörte sie ein Echo, die schrille Stimme ihrer ehemaligen Englischlehrerin: »Früh dran zu sein heißt, pünktlich zu sein, pünktlich zu sein heißt, zu spät zu sein ... und zu spät zu sein ist absolut inakzeptabel!«)

»Halt, stopp! Warten Sie!«, schrie Nadia. Sie war zwar vier rasche Schritte von dem U-Bahn-Waggon entfernt, aber bei dem Tempo würde sie dennoch gleich gegen geschlossene Türen knallen, wenn sie nicht irgendjemand entgegen den Vorschriften der Londoner Verkehrsbetriebe mit Gewalt offen hielt. »HaltHalt-HaltHalt!« Ihre Stimme erreichte eine nur von Delfinen identifizierbare Tonhöhe. Wie in Zeitlupe streckte sich eine Hand aus und drückte die Tür zurück, sodass Nadia in den Zug springen konnte.

Ihre Fake-Ray-Ban-Sonnenbrille knallte ihr ins Gesicht, und sie war für einen Moment geblendet vom Dunkel. Die Türen schnappten hinter ihr zu. Sie hatte es geschafft. Knapp.

Mit ein bisschen Übung, dachte Nadia auf einmal selbstgefällig, kann ich diese neue Routine schon hinkriegen. Sie murmelte ein Dankeschön und steuerte den einzigen freien Platz an, um ihren Kaffee im Sitzen auszutrinken. Es hatte sie viel Überredungskunst und Anstrengung gekostet, aber in den eineinhalb Stunden, die sie bis jetzt auf den Beinen war, war sie durchaus beeindruckt davon, wie sie ihre selbst auferlegten Regeln eingehalten hatte. Neunzig Minuten genau nach Plan waren schließlich besser als neunzig Minuten ohne einen Plan.

Der neue Ich-ändere-mein-Leben-Plan umfasste neben dem Punkt, morgens um halb acht auf dem Bahnsteig zu stehen, um den Zug von der Angel Station nach London Bridge zu nehmen, auch weitere Regeln, und zwar:

  • Mindestens sieben Stunden Schlaf jede Nacht. Das bedeutete, spätestens um elf Uhr im Bett zu sein, also um elf Licht aus und Augen zu, nicht erst ins Bett gehen und dann die nächsten drei Stunden verbissen die Heilige Dreieinigkeit von Instagram, Twitter und E-Mail checken – und sich am Morgen wundern, warum sie nicht aufstehen kann, und gleichzeitig den Verdacht hegen, dass das Leben aller anderen weitaus leichter und schöner ist als ihr eigenes.
  • Um sechs aufstehen, um eine Viertelstunde zu meditieren, dann eine Sojawachs-Duftkerze entfachen, während sie sich in aller Ruhe und Gelassenheit für die Arbeit fertig machte, so wie Oprah Winfrey oder vielleicht die Herzogin von Sussex.
  • Anstatt sich an der U-Bahn-Station einen dreifachen, extra großen Cappuccino zu kaufen (Nadia war sich sicher, dass sie davon Pickel bekam – sie hatte den Trailer eines Dokumentarfilms über die Hormone in der Milch gesehen), von zu Hause einen selbst gemachten »Bulletproof Coffee« in einem wiederverwendbaren Becher mitnehmen. Von Bulletproof Coffees hatte sie durch einen Hollywoodstar erfahren – eine Frau, die ihr Leben und ihre Trainingseinheiten in Echtzeit auf Instagram dokumentierte und die ungesalzene Butter in ihren morgendlichen Espresso tat, um Energiepegel und Kackzeiten zu regulieren. (»Das ist ja, als würde man einen grünen Smoothie mit Vanilleeis machen«, hatte sich ihre Mutter in einer E-Mail empört, wofür Nadia zu ihrem Leidwesen keine wissenschaftliche Erwiderung hatte. »Wenigstens trinke ich ihn aus einem umweltfreundlichen Mehrwegbecher«, hatte sie schließlich entgegnet und sich gefragt, ob ihre Mutter vielleicht doch recht hatte.)
  • Das Vertrauen in die Romantik nicht verlieren: Nur weil ihr Ex, der Grässliche Ben, tatsächlich grässlich war, durfte sie nicht denken, dass alle Männer so sind, und es war wichtig, sich den Glauben an die Liebe zu bewahren.

Nadia hatte sich außerdem vorgenommen, jeden Morgen vor allen anderen im Büro zu sein. Sie arbeitete im Bereich künstliche Intelligenz an einer Technologie, die selbstständiges Denken und einfache menschliche Tätigkeiten wie das Auffüllen von Regalen und Beschriften von Kartons übernehmen könnte, mit dem Ziel, die Lagerhaltung in ihrem Unternehmen komplett auf KI umzustellen. Nadias Plan sah vor, bei der Überprüfung der Prototypenentwicklungen vom Vortag immer einen Vorsprung zu bekommen – bevor die unvermeidlichen Meetingschleifen begannen, die sie alle sechs bis neun Minuten unterbrachen und ihre Konzentration ruinierten, bis sie schreien oder weinen wollte, je nachdem, in welcher Phase ihres Menstruationszyklus sie sich befand.

Ihre Selbstzufriedenheit an diesem Morgen war jedoch von kurzer Dauer. Der Zug kam mit einem plötzlichen Ruck zum Stehen, und heiße braune Flüssigkeit schwappte aus der Öffnung ihres Mehrwegbechers und sickerte durch den Saum ihres hellblauen Kleids bis auf ihre Haut.

»Scheiße«, sagte sie noch einmal, als ob sie, eine Frau, die für ein sechsköpfiges Team verantwortlich war, 38000 Pfund im Jahr verdiente und zwei Abschlüsse hatte, keine anderen Wörter wüsste.

Ihre beste Freundin Emma nannte Nadias Kaffeesucht eine Bewusstseinsfindung in einem Becher. Sie brauchte Koffein, um als Mensch zu funktionieren. Sie stöhnte laut auf und zog einen Schmollmund vor dem Schandfleck, mit dem sie nun den ganzen Tag herumlaufen musste. Sie schalt sich dafür, dass sie nicht geschickter war – eine Meghan bloody Markle hatte nie Flecken auf der Kleidung.

Nadia zückte ihr Handy und schrieb ihrer besten Freundin Emma, um ein bisschen Stimmung in den Montagmorgen zu bringen.

Morgen, meine Liebe! Wollen wir diese Woche in den neuen Film mit Bradley Cooper gehen? Ich brauche etwas in meinem Terminkalender, worauf ich mich freuen kann ...

Sie saß da und wartete auf die Antwort ihrer Freundin. Es war heiß in der U-Bahn, selbst zu dieser frühen Stunde, und in ihrem Nacken hatte sich eine winzige Schweißperle gebildet. Sie nahm Körpergeruch wahr und war prompt besorgt, dass er von ihr stammen könnte.

Nadia versuchte, unauffällig den Kopf zur Seite zu drehen und so zu tun, als müsste sie husten, um ihre Schulter hochzuziehen und ihre Nasenlöcher näher an ihre Achseln zu bringen. Sie roch nach Deo. Sie hatte einmal etwas über den Zusammenhang zwischen Deos und Brustkrebs gelesen und vor ein paar Sommern drei Wochen lang versucht, einen Kristallstift als natürliche Alternative zu benutzen, aber Emma hatte sie beiseitegenommen und ihr unmissverständlich klargemacht, dass er unwirksam war. Heute war sie hundert Prozent aluminium- und schweißfrei – mit Gurken-und-Grüntee-Dove.

Erleichtert sah sie sich nach dem Schuldigen um. Sie registrierte eine Gruppe Touristen, die sich über einem Stadtplan stritten, eine Nanny mit drei blonden Kindern und einen süßen Typen, der neben den Türen Zeitung las und ein bisschen wie das Model in der neuen John-Lewis-Werbung aussah. Schließlich landete ihr Blick auf den feuchten Flecken unter den Achseln des Typen, der genau vor ihr stand. Sein Schritt war fast auf ihrer Augenhöhe. Ekelhaft.

Die morgendliche Fahrt zur Arbeit war wie eine Reise auf der Arche Noah – wilde Tiere, unnatürlich eng zusammengepfercht, in einer Körpergeruchs-Dunstwolke wie an einem Samstagnachmittag im Sportgeschäft.

Sie wartete auf ihre Station, während sie den Blick müßig durch den Waggon schweifen ließ, und versuchte, nicht einzuatmen. Sie sah beiläufig zurück zu dem Mann mit der Zeitung, der neben den Türen stand.

Genau mein Typ, dachte sie unwillkürlich. Ihr Handy piepste. Sie wandte den Blick von ihm ab, um Emmas Nachricht zu lesen, und vergaß ihn.

 

Dein Lächeln um halb acht

Schlechtes Timing für die Liebe? Die Liebes-Komödie von Laura Jane Williams um diverse verpasste Chancen ist zum Seufzen romantisch, wunderbar modern und locker-leicht erzählt Was wäre, wenn du die Liebe deines Lebens jeden Morgen knapp verpasst? Normalerweise nimmt die Londonerin Nadia die 7:30-U-Bahn – es sei denn, sie verschläft oder übernachtet bei ihrer...

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Laura Jane Williams

Laura Jane Williams

Laura Jane Williams kommt aus Derbyshire, England. Ihre Texte sind in zehn Sprachen in fünfzehn Ländern erschienen und wurden in Magazinen und Zeitschriften publiziert – vom Guardian über Glamour, Stylist, Closer, The Metro bis hin zum Telegraph. Zuletzt hat sie bei der Grazia und bei Red als Kolumnistin gearbeitet und sich mit Themen wie Body Neutrality, Finanzwissen, Beziehungen und dem Zerbrechen von Freundschaften beschäftigt. Mit einem Grinsen im Gesicht sagt sie von sich selbst, dass sie Liebesromane für Zyniker schreibt. »Dein Lächeln um halb acht« ist ihr erster Roman.

Gewinnspiel

Machen Sie mit bei unserem Gewinnspiel und gewinnen Sie eines von fünf Überraschungspaketen für Kaffee- und Teeliebhaber.

Teilnahmeschluss ist der 01.07.2020

Tipp: Die Gewinnspielfrage können Sie durch einen Blick in die Leseprobe beantworten.

Was macht der süße Typ in der U-Bahn?
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