Verlagsgruppe Droemer Knaur



Purpurdrache

Sven Koch im Interview zu seinem Thriller der Extraklasse

Topgif zum Interview mit Sven Koch

Sven Koch begeistert mit seinem Debütroman Purpurdrache! Im Interview lernen wir den Autor und seinen herausragenden Psychothriller ein wenig besser kennen.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
An einem perfekten Tag scheint vor allen Dingen ab morgens die Sonne, es ist Sommer, und ich habe frei. Abends gehören ein schöner Wein und ein gutes Essen dazu. Ich sehe mir dann und wann gerne Ausstellungen an, besuche ein Rockkonzert, höre Musik oder mache welche mit meinen Freunden, sehe einen guten Film oder eine packende Reportage über Archäologie auf dem History-Channel, lese ein spannendes Buch oder verbringe einfach Zeit mit meiner Familie. Wichtig an perfekten Tagen ist, dass nichts geplant werden muss, weil ich ansonsten schon so viel planen muss.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Meistens recht entspannt.
Sie sind von Beruf Journalist: Wie kamen Sie vom journalistischen zum belletristischen Schreiben?
Tatsächlich ist es andersherum. Ich habe schon als kleiner Junge Geschichten geschrieben – die erste war sogar ein Drehbuch in der zweiten Klasse. Ich wollte damals, dass wir einen Western auf Super8 drehen, es scheiterte aber an den Produktionskosten, denn wir hätten dafür eine Westernstadt bauen müssen. Das Budget gab das leider nicht her. Später folgten Kurzgeschichten und Romananfänge – ich habe sie alle noch. An sich wollte ich Film studieren und Drehbuchautor werden, und neben der Schule hatte ich als Freier Mitarbeiter bei einer Tageszeitung gejobbt, weil ich den Traum hatte, mit meinem Hobby Schreiben auch Geld verdienen zu können. Da hat mich dann der Journalismus gepackt.
Sie haben selber einmal eine Geiselnahme als Berichterstatter miterlebt. Wie hat Sie das geprägt, und hat Sie dieses Erlebnis maßgeblich für „Purpurdrache“ beeinflusst?
Maßgeblich hat es mich nicht beeinflusst. Aber es erschien mir perfekt zu der Geschichte zu passen, die ich erzählen wollte. Diese Geiselnahme liegt schon sehr viele Jahre zurück – sie war für mich seinerzeit sehr beeindruckend, weil es mein erstes wirklich großes Ereignis als junger Reporter gewesen ist. Und natürlich sind Kinder unser allerwichtigstes Gut. Wenn sie bedroht werden, ist das einfach fürchterlich. Die Situation war für alle Beteiligten sehr angespannt, doch damals ging gottseidank alles glimpflich ab und stellte sich als eher harmlos heraus. Natürlich hätte alles sehr schnell aus dem Gleis laufen und anders ausgehen können, wenn irgendjemand falsch reagiert hätte. Und es ist schon außerordentlich merkwürdig, wenn man weiß, dass Scharfschützen auf einen Kindergarten zielen, und neben Eltern stehen, die das nicht wissen. Klar: Natürlich wird da auf einen Geiselnehmer angelegt, um das Schlimmste zu verhindern. Trotzdem ist das beklemmend, und es war eines der Geschehnisse, die sich einem ins Gedächtnis einbrennen. Als Reporter erlebt man solche dann und wann – genau wie Polizisten, Feuerwehrleute oder Rettungssanitäter ist man ja sehr nah am Geschehen und sperrt Augen und Ohren auf, um dem Leser die Eindrücke zu schildern. Dadurch nimmt man die Dinge automatisch recht intensiv wahr.
Wie sind Sie an das Buch herangegangen? Haben Sie es von Anfang an geplant ein Kindergartengeiseldrama zu schreiben?
Nein, überhaupt nicht, und es ist ja auch keine Geschichte über ein Geiseldrama. Vielmehr hatte ich einen „Spiegel“-Artikel über den Einsatz von neuen Medikamenten in der Behandlung von Patienten mit Angststörungen gelesen – und mich gefragt: Wie wichtig ist Angst eigentlich für uns, und wie wäre es, wenn wir überhaupt keine Ängste mehr hätten, auch nicht davor, Verantwortlichkeiten für unser Handeln zu übernehmen? Dazu fiel mir ein Satz von Rilke ein über die Drachen des Lebens, die eigentlich Prinzessinnen sind und uns mutig sehen wollen. Mit anderen Worten: Ängste sind eine gute Sache, denn sie formen uns. Und so bin ich auf das Motiv des Drachen gelangt. Die Geiselnahme stellt nur den Prolog zur eigentlichen Geschichte dar und stellt die Weichen für alles Weitere. Es ging darum, eine Geschichte über jemanden zu entwickeln, den die Schatten der Vergangenheit einholen, die er selbst verschuldet hat – und dazu wollte ich ein emotional sehr starkes Ereignis am Anfang.
Welche Figur in „Purpurdrache“ fasziniert Sie am meisten?
Alex Stietencron. Obwohl ich sie erfunden habe, kann ich ihre Reaktionen nicht genau vorhersehen und beeinflussen. Unverschämt, oder? Die hat ihren eigenen Kopf. Ich würde mit ihr gerne mal ein Bier trinken gehen, um zu sehen, ob sie wirklich so drauf ist wie ich annehme. Außerdem hat sie einen ganz guten Musikgeschmack.
Hat man als Journalist auch Schreibblockaden? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Als Tageszeitungs-Redakteur kann man sich das nicht leisten, und ich habe das auch noch nie erlebt. Man sitzt jeden Tag vor einer leeren Zeitungsseite, die abends mit Informationen gefüllt sein muss, und daran führt kein Weg vorbei. Schreibblockaden haben meist etwas mit der Abwesenheit von Kreativität zu tun, aber Journalismus besteht auch zu großen Teilen aus solidem Handwerk. Außerdem erzählt man bei einer Nachricht das Wichtigste zuerst, bei einem Thriller oder Krimi geht das natürlich nicht. Das wäre so, als ob man zu Anfang sofort die letzte Seite liest. Beim belletristischen Schreiben nimmt sich die Muse aber durchaus mal ungefragt Urlaub. Den nehme ich mir dann auch.
Neben ihrer Tätigkeit als Journalist sind Sie auch noch Musiker und Fotograph. Welche Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?
Journalist bin ich von Beruf, Musik und Fotografie zähle ich zu meinen Hobbies. Schreiben, Kunst und Musik sind mir sehr wichtig. Also: Wort, Bild und Ton, und was sich damit Kreatives anstellen lässt. Die Konstante in meinem Leben ist aber das Schreiben – und somit läuft es wohl auf diese Antwort hinaus: Ich schreibe am liebsten.
Was macht für Sie den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Beim Schreiben lassen sich mit einer Handvoll Sätze ganze Welten erschaffen. Man benötigt keine Multimillionen-Budgets für das Kopfkino. Und es ist immer wieder faszinierend, dass das funktioniert. Mitgeben möchte ich meinen Lesern vor allem spannende Unterhaltung, die in ihrer Wirklichkeit spielt – und nicht in LA, New York oder Boston. Die deutschen Thriller-Autoren sind da auf einem wirklich guten Weg, und ich freue mich, wenn ich diesen ebenfalls ein wenig beschreiten darf.
Können wir uns in der Zukunft über weitere hochspannende Bücher von Ihnen freuen?
Alex Stietencron steht erst am Anfang ihrer Karriere als Ermittlerin und Kriminalpsychologin, und ich glaube schon, dass sie da noch einige wirklich haarsträubende Dinge erleben wird. Ich bin mir da sogar ausgesprochen sicher.

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