Die Meisterin - Die neue Fantasy-Buchreihe von Markus Heitz

Band 2 der Reihe: ab 01.07. als eBook & 20.08. als Buch

 

»Haben Sie je darüber nachgedacht, wie oft man sich tagtäglich in etwas spiegelt? 

Ich hörte, dass der durchschnittliche Westeuropäer etwas weniger als eine Stunde bewusst vor Spiegeln verbringt. 
Bei der Morgentoilette. 
Beim raschen Blick an der Garderobe, bevor man aus dem Haus geht. 
Beim kurzen Prüfen in den Waschräumen eines Restaurants. 
Beim sekundenlangen Innehalten vor Schaufenstern. 
Heute sind Glas, Metall, glanzlackierte Oberflächen und Wasser überall, und ebenso allgegenwärtig sind unsere Spiegelbilder. 

Ab diesem Moment achten Sie öfter darauf, vermute ich.«

[...]

Die Heilerin Geneve ist die letzte Nachfahrin der Scharfrichter-Dynastie Cornelius. Als in ihrer Wahlheimat Leipzig eine junge Frau ermordet wird, führt die Spur direkt zu Geneve. Die Ermordete war Mitglied des Londoner Wicca-Covens und extra nach Leipzig gereist, um Geneves Rat einzuholen – offenbar wollte sie die Heilerin zu einer antiken Spiegel-Scherbe befragen.

Geneve kontaktiert ihren Freund, den Vatikan-Polizisten Alessandro Bugatti. Ihre beiden Familien verbindet eine ewige Fehde. Doch Geneve und Alessandro sind bemüht diese zu beenden. Dennoch wachsen Geneves Zweifel an Alessandros Aufrichtigkeit …

Markus Heitz

Markus Heitz

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb über 50 Romane und wurde etliche Male ausgezeichnet. Mit der Bestsellerserie um "Die Zwerge" gelang dem Saarländer der nationale und internationale Durchbruch. Dazu kamen erfolgreiche Thriller um Wandelwesen, Vampire, Seelenwanderer und andere düstere Gestalten der Urban Fantasy und Phantastik. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.

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Leseprobe

Die Meisterin - Spiegel & Schatten

Ich sagte Ihnen einst, dass ich Ihnen eine Geschichte erzählen werde.

Das habe ich getan. Und ich hätte noch eine weitere Episode auf Lager, die ich mit Ihnen teilen würde.

Sollten wir bisher nicht das Vergnügen miteinander gehabt haben: Mein Name ist Catharina Cornelius, und ich bin tot. Mehr brauchen Sie für den Moment nicht zu wissen.

Trafen wir bereits aufeinander, weiß ich nicht, wie viel Zeit genau seit unserer letzten Begegnung vergangen ist.

Vielleicht haben Sie sich inzwischen kundig gemacht?

Jenseits dessen, was ich Ihnen berichtete.

Über die Wesen der Dunkelheit und jenen Kreaturen, die im Verborgenen lauern.

Über das Gute und das Böse in all seinen Formen und wie sie unter den Menschen wandeln, um ihnen das Leben einmal schwer und einmal leichter zu machen. Und doch wäre ich fast bereit zu wetten, dass Sie gleich etwas Neues hören werden ... über einen alltäglichen Gegenstand.

Beinahe niemand kommt ohne ihn aus – und genau das ist das Perfide.

Oh, machen Sie mir danach bitte keine Vorwürfe, dass Sie nicht mehr ruhig zu Bett gehen könnten! Sie sind gewarnt, und es dient in gewisser Weise auch Ihrem Schutz.

Was man kennt, kann man bekämpfen. Eine alte Weisheit, die ihre Gültigkeit im Laufe der Jahrhunderte nicht verloren hat.

Nun denn.

Beginnen wir mit meiner zweiten Geschichte dort, wo auch die erste begann: in Deutschland, in der heutigen Stadt Leipzig.

Sollten sie Klein-Paris, wie Goethe es im Faust nannte, noch nicht kennen, mache ich Ihnen die Orientierung etwas einfacher: Wir verlassen den wunderschönen Hauptbahnhof aus der Gründerzeit, schlendern am über hundert Jahre alten Hotel Astoria vorbei und bewegen uns auf eines der höchsten modernen Gebäude zu, mit dem allenfalls der sogenannte Weisheitszahn im Zentrum mithalten kann.

Ach ja, und eine weitere Sache hat sich nicht geändert, seit Sie mir das letzte Mal lauschten. Meine Empfehlung an Sie.

Wissen Sie noch?

Sie lautet: Nehmen Sie sich ein gutes Getränk Ihrer Wahl, suchen Sie sich einen gemütlichen Platz, mit dem Rücken zur Wand und dem Blick auf Türen und Fenster, und folgen Sie meinen Worten.

Danach wird Ihre Welt nicht mehr dieselbe sein ...


Willow Tree hieß wirklich so.

Das amüsierte ihr Gegenüber beim Einchecken im Hotel, wie immer, denn jeder stutzte bei ihrem Namen, zumal man eine eher zierliche Frau Anfang zwanzig vor sich sah, die weder mit einer Trauerweide noch mit einem Baum im Generellen etwas gemein hatte: Die unauffällige Straßenkleidung hing nicht an ihr herab, sie war nicht grün und roch nicht nach Wald.

Normalerweise reagierte Willow stets mit einem Lächeln, einem Scherz oder auf andere charmante Weise.

Aber nicht dieses Mal. Dafür fehlten ihr die Nerven und die gute Laune.

»Es wäre schön, wenn es etwas schneller ginge«, erwiderte sie stattdessen auf die nett gemeinte Anspielung des Angestellten auf ihren Namen und klammerte nebenbei ihre halblangen dunkelblonden Haare mit einer Spange am Hinterkopf fest. »Ernsthaft.«

Das Westin hatte als einziges Hotel noch Kapazitäten zur Messezeit. Mit mehr als vierhundert Zimmern auf etlichen Stockwerken und fast hundert Metern Höhe war es bestens auf den Ansturm der Besucher aus nah und fern vorbereitet. Um Willow herum herrschten rege Betriebsamkeit und Sprachengewirr, wobei es für sie als Britin einfacher war, die englischen Unterhaltungen zu verstehen.

Der errötete Angestellte steckte sich langsam sein Namensschildchen an das Jackett und wurde zu einem E. Anders. Ein Friedensangebot und die gut gemeinte Vorlage für sie, Wortspiele auf seine Kosten zu machen. »Es tut mir leid, aber das Zimmer ist noch nicht für Sie vorbereitet, Miss Tree. Wir haben gerade einen Engpass beim Housekeeping. Entschuldigen Sie bitte vielmals.«

Willow ersparte sich Witze zu seinem Nachnamen und bedauerte ihren schroffen Tonfall bereits. »Verzeihen Sie«, sagte sie und rückte dabei die schwarze Hornbrille auf der Nase zurecht. »War keine einfache Anreise. Sie können nichts dafür, Herr Anders.«

»Geschenkt, Miss Tree. Ich wollte Ihnen auch nicht zu nahe treten.« Anders lächelte mit mehr als üblicher Höflichkeit. Nonchalant legte er einen Gutschein für die Bar auf den Tresen. »Wegen meines Fauxpas und gegen Ihren Stress.«

»Vielen Dank.« Willow strich das Papier ein, das ihr einen leckeren Gin Tonic bescheren würde. Der kam ihr mehr als gelegen. »Wie lange dauert es noch?«

Anders’ roter Kopf, der seine blonden Haare und die hellen Augenbrauen unvorteilhaft betonte, nahm langsam eine normale Färbung an. Er klickte und scrollte sich durch die Listen. »Keine halbe Stunde mehr.« Er deutete auf die Lounge gegenüber der Rezeption. »Wenn Sie da warten möchten, bringe ich Ihnen eine kleine Erfrischung. Oder Sie fahren hoch in die Bar und genießen die phänomenale Aussicht, und wir sagen Ihnen Bescheid, sobald das Zimmer bereit ist.«

Willow haderte mit sich. Sie zog ihr Smartphone hervor und ließ es eine eingespeicherte Nummer wählen.

»Hier ist die automatische Ansage von Geneve Cornelius. Leider rufen Sie außerhalb der Bereitschaftszeiten meiner Praxis an. Schreiben Sie mir gern eine ...«

Mist.

Willow legte auf. Das machte ihr Unterfangen nicht einfacher und den Drink notwendiger. Sie stellte eine To-do-Reihenfolge auf: E-Mail an Cornelius verfassen, Drink genießen, auf die Stadt schauen und danach zur Praxis fahren, wenn binnen einer oder zwei Stunden keine Reaktion erfolgte. Zeit war ein wichtiges Gut. Und Geneve Cornelius die einzige Person, die ihr helfen konnte.

»Miss Tree?

Die Stimme des Angestellten riss Willow aus ihren Gedanken. Sie raffte ihre dunkelblaue Handtasche an sich, um Platz am Tresen für die wartenden Gäste zu machen. »Verzeihung. Ich fahre –«

»Nein, wegen der Nachricht«, sagte Anders und streckte ihr den einfachen Umschlag offensiver entgegen.

»Für mich?« Willow sah irritiert auf das Kuvert. Handelsüblich, ohne Fenster, keine Marke und mit ihrem Namen darauf. Der Überbringer musste persönlich im Hotel gewesen sein. Sie rückte überrascht an ihrer Brille herum, als würden ihr die Gläser einen Blick ins Innere erlauben. »Wann wurde das abgegeben?«

»Tut mir leid, das weiß ich nicht, Miss Tree.«

Willow nahm den Umschlag entgegen. Leicht, mit nur einem Blatt, das konnte sie fühlen. Und etwas knirschte und rieb darin wie feiner Sand.Sehr ungewöhnlich.

»Danke.«

»Selbstverständlich.« Anders kam um den Tresen und ergriff ihren kleinen altmodischen Koffer, um ihn mit einem Aufklebervermerk zu versehen und einem Gepäckmann zu überlassen.

»Ich warte da drüben, Herr Anders. Danke.« Willow ging nachdenklich zur Lounge, drehte und wendete den Umschlag, ohne weitere Auffälligkeiten zu bemerken; er roch wie harmloses Papier.

Sie setzte sich an einen freien Tisch und öffnete das Kuvert behutsam. Dabei überlegte sie, wer ihr die Nachricht übermittelt haben mochte. Sie war zum ersten Mal in Leipzig, niemand wusste, dass sie sich in Deutschland aufhielt.

Willow korrigierte erneut den Sitz der Brille. Dann zog sie das Kuvert mit spitzen Fingern auseinander.

Darin lag ein harmloser, gefalteter Brief.

Behutsam nahm sie ihn heraus, wobei glitzerndes, silbriges Pulver auf dem Tisch und ihrer Jeans landete. Daher das Knirschen.

Willow kannte Spaßvögel, die Briefe mit extra viel Glitter versendeten, um dem Empfänger die Putzhölle zu bescheren.

Bei genauerem Hinsehen erwies es sich als gemahlenes, farbloses Glas, das im Licht der Lampen wie kleine Kristalle funkelte; der leichte Schmutzfilm auf ihrer Brille verstärkte den Effekt.

Willow faltete mit schlechtem Gefühl die Nachricht auf.

Bin,

wo Du bist.

Sehe,

was Du tust.

Hasse,

dass es Dich gibt.

Legion

heiße ich.

Denn wir

sind

unser viele

 

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Teilnahmeschluss ist der 26.07.2020

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Was bisher geschah: Band 1 der Reihe

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Markus Heitz über die Buchreihe

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