Das furiose Finale der Meisterin-Trilogie

erhältlich ab 01.03.2021!

Ein blutiger Zwischenfall in Leipzig lässt Geneve Cornelius und Vatikan-Polizist Alessandro Bugatti keine Zeit für aufkeimende Gefühle: In der Stadt ist ein uralter Dämon aufgetaucht, der alle Angehörigen der Schattenwelt unterwerfen will. Die Heilerin und letzte Erbin der Scharfrichter-Dynastie Cornelius eilt zurück in ihre Heimatstadt, kann jedoch allein gegen den Dämon nur wenig ausrichten. Geneves einzige Chance sind Verbündete aus Leipzigs Schattenwelt, unter ihnen die mächtige Vampirin Sia und der mysteriöse Bestatter Konstantin Korff. Kann es ihnen gemeinsam gelingen, ihren ältesten Feind ein für alle Mal zu besiegen?

 

Die spektakuläre Fantasy-Buchreihe von Markus Heitz

Markus Heitz

Markus Heitz

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb über 50 Romane und wurde etliche Male ausgezeichnet. Mit der Bestsellerserie um "Die Zwerge" gelang dem Saarländer der nationale und internationale Durchbruch. Dazu kamen erfolgreiche Thriller um Wandelwesen, Vampire, Seelenwanderer und andere düstere Gestalten der Urban Fantasy und Phantastik. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.

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»Die Meisterin – Alte Feinde«

Sieh einer an. Wir kennen uns doch – oder täusche ich mich? Ich nehme an, Sie sind neugierig, wie meine Geschichte endet, die ich vor einiger Zeit zu erzählen begann. Die Geschichte von meiner Tochter Geneve und Alessandro Bugatti, mit der Fehde und den Henkersdynastien. Und der Liga der Dunkelheit. Oder habe ich mich vertan und unsere Wege kreuzen sich just zum ersten Mal? Dann vergeben Sie mir bitte. Das Leben als Geisterseele hat Nachteile, mein Kurzzeitgedächtnis ist nicht das beste. Ich bin Catharina Cornelius und schon vor einiger Zeit ermordet worden. Darum soll es jedoch nicht gehen. Meine Zeit läuft ab. Meine Seele löst sich von der Erde. Diese letzten Stunden, die Sie mir schenken, will ich nutzen.

Sie werden von Wesen der Dunkelheit und jenen Kreaturen erfahren, die im Verborgenen lauern, die mitten unter uns sind, ohne dass gewöhnliche Menschen sie erkennen. Wir werden über das Gute und das Böse in all seinen Formen sprechen. Zu meinen Lebzeiten hatte ich damit zu tun und war wie meine Tochter eine Wissende. Wovon ich Ihnen nun berichte, begegnete mir in dieser Art auch zum ersten Mal, und das will etwas heißen. Niemals hätte ich mit dieser Ungeheuerlichkeit gerechnet. Nun denn. Beginnen wir mit meinem dritten und letzten Teil der Geschichte dort, wo schon die erste begann: in Deutschland, in der heutigen Stadt Leipzig. Oh, und eine weitere Sache hat sich nicht geändert: mein Ratschlag, wie sich diese Geschichte am besten lesen lässt. Oder besser gesagt: am sichersten. Nehmen Sie sich ein gutes Getränk Ihrer Wahl, suchen Sie sich einen gemütlichen Platz, mit dem Rücken zur Wand und den Blick auf Türen und Fenster, und dann folgen Sie meinen Worten.

Dara eilte die teils ausgetretenen, schmalen Backsteinstufen der Moritzbastei hinauf, das Smartphone in der Rechten, und lauschte angestrengt; vereinzelt knirschten Schneereste unter ihren Sohlen. »Frau Cornelius, ich höre Sie nicht gut. Moment«, bat sie, und ihr Atem wurde in der kalten Januarluft sichtbar. Ihre modisch zerrissenen Jeans, das weiße Printshirt und die schwarze Lederjacke schützten die zierliche Blondine nicht sonderlich gut gegen die Kälte. Aber dafür waren die Klamotten auch nicht gedacht. Mit einem Schwenk betrat Dara die flache Erdgeschossebene über den Katakomben der Bastei und eilte die Metalltreppe auf den kleinen verschneiten Wall hinauf, auf dem im Sommer Märkte oder das Freiluftkino stattfanden. »Ist der Empfang jetzt besser?« Dara winkte ihren Dutzend Begleiterinnen und Begleitern fröstelnd zu, die ihr aus dem Gewölbekeller der Bastei folgten. Die Nacht war zu jung, um in einer Location zu verweilen. Die Wandlerinnen und Wandler gehörten zu ihrem Rudel, das sich den Süden der Stadt unter die Krallen gerissen hatte. Normale Menschen erkannten die Besonderheit der jungen Leute nicht. »Wie ist der Urlaub, Frau Cornelius?« Geneve lachte aus Hunderten Kilometern Entfernung. »Na ja, Urlaub … Ich weiß nicht.« »Aber klar ist das Urlaub. Sie und Alessandro sind im schönen Lausanne, genießen den See, die Berge, die Luft, das Skifahren.« »So weit sind wir noch nicht.« Dara hörte die Zurückhaltung in der Stimmlage und dem Tonfall ihrer Ausbilderin. Seit einiger Zeit unterrichtete Geneve Cornelius sie in Heilkunde – und sie lehrte sie das verborgene, geheime Wissen aus etlichen Jahrhunderten. In einigen Jahren besäße Dara das Wissen der Meisterin, wenngleich sich die junge Wandlerin während der Lektionen noch sehr dumm vorkam. Geneve tröstete sie stets damit, dass sie selbst Dekaden benötigt hatte, um sich dieses Wissen anzueignen. »Sie und Alessandro haben sich noch nicht ausgesprochen«, riet Dara. »Nein. Aber deswegen rufe ich nicht an.« Dara ging einige Meter den Wall entlang, weil ihre Freundinnen und Freunde die Metalltreppe hinaufstürmten und sich sogleich auf dem Wall unter großem Hallo und Gelächter eine ausgelassene Schneeballschlacht lieferten. »Entschuldigen Sie, Frau Cornelius. Ich wollte nicht neugierig sein.« »Du hast Spaß, wie ich im Hintergrund höre?« »Oh, das? Das ist das Rudel. Heute ist Party angesagt.« Dara ging über die verschneiten Steine bis ans Ende der Befestigungsüberbleibsel. »Wir waren in der Moritzbastei und ziehen jetzt weiter.« »Wohin denn?« »Oper.« Dara feixte, als sie die erschrockene Stille in der Verbindung hörte. »Nein, keine Angst, Meisterin. Diese Horde betrunkener Wölfe kann ich dem ehrwürdigen Kulturhaus nicht zumuten. Da gehe ich lieber mit Ihnen hin.« Geneve atmete erleichtert aus und musste lachen. »Dann viel Vergnügen. Die Ablenkung tut dir gut.« »Danke.« Dara wusste, worauf ihre Lehrerin anspielte. Zum einen hatte sie ihren Freund vor nicht allzu langer Zeit unter dramatischen Umständen verloren, zum anderen war sie in der Hand eines Inquisitors gewesen, der sie einer grausamen Behandlung unterzogen hatte, um ihr die Wölfin auszutreiben. Beide Ereignisse hatten schwere Spuren in ihrer Psyche hinterlassen. Bevor die Bilder der Vergangenheit aus Daras Unterbewusstsein aufstiegen, sagte sie schnell: »Den haben wir.« »Aber vorher«, setzte Geneve rasch nach, »hätte ich gerne einen Bericht, was die heutigen Aufgaben angeht.« Daras schlechtes Gewissen meldete sich, noch dazu fröstelte sie. »Oje. Ich, äh, hatte Ihnen keine Mail geschickt?« »Nein, Dara.« »Oh, Scheiße.« Die Wandlerin verzog schuldbewusst das Gesicht. »Ich war mir sicher, dass die Nachricht rausging.« »Wir hatten vereinbart, dass du mir jeden Tag eine Zusammenfassung schickst: was du getan hast, welche Patienten da waren, was du ihnen gegeben hast.« Geneve klang tadelnd. »Das war die Abmachung. Sonst wäre ich nicht in Urlaub gefahren.« Dara rieb sich mit den kalten Fingern über die Stirn und warf eine platinblonde Strähne zurück. Ihr knappes Outfit verstärkte das Frösteln. »Darf ich es Ihnen morgen schicken?« »Einverstanden. Aber du wirst mir jetzt sagen, was du erledigt hast. Knapp. Und morgen früh will ich die Einzelheiten.« »Ist gut.« Dara wusste noch sehr genau, was sie den ganzen Tag in der heilkundlichen Praxis getrieben hatte, vom Herstellen diverser Sude aus Pflanzenteilen bis zum Anmischen chemischer Verbindungen, damit die Grundstoffe in ausreichender Menge verfügbar waren. Artig zählte sie alles auf und erwähnte auch die vier Patientinnen und Patienten, die in die schnucklige alte Villa in Schleußig gekommen waren, um ihre Mittel abzuholen. »Lief großartig, obwohl Sie im Urlaub sind, Frau Cornelius. Und Frau Tirinack hat Ihnen wieder Marmelade dagelassen«, schloss Dara. »Oh, sehr gut. Welche Sorte?« »Schwarzkirsche.« Geneve seufzte selig. »Na, da komme ich doch gerne wieder zurück. Danke für die Zusammenfassung. Und morgen die Einzelheiten über die Destillate. Mit genauen Angaben und Lösungszahlen.« »Ja, Frau Cornelius.« Dara fühlte sich erleichtert. »Ich habe auch nichts vergessen.« »Dann wünsche ich dir und deinen Freunden noch einen ausgelassenen Abend. Lasst die Stadt stehen und trinkt nicht mehr, als ihr vertragen könnt.« »Machen wir, danke.« Dara sah zu den beleuchteten, tief hängenden Wolken, aus denen die Flocken rieselten. Ganz Leipzig lag unter einer weißen Decke, die Räumfahrzeuge kamen kaum nach. Niemand, der nicht unbedingt musste, hielt sich im Freien auf. »Ich weiß, ich soll nicht zu neugierig sein, aber …« »Genau«, unterbrach sie Geneve freundlich, doch bestimmt. »Sollst du nicht.« »Okay. Dann richten Sie Alessandro liebe Grüße aus.« Dara räusperte sich und fing übermütig einen trudelnden Schneekristall mit der Zunge. Die Flocke schmolz kühl und brachte sie zum Schaudern. »Seien Sie nicht zu hart mit ihm, Meisterin. Er …« »Gute Nacht, Dara.« Klick. »War klar«, murmelte die Wandlerin. Die Batterieanzeige des Smartphones warnte vor dem baldigen Ende der Energie, die Kälte sog die Spannung aus dem elektrischen Gerät. Schnell steckte sie das Telefon in die Hosentasche. In der gleichen Sekunde bemerkte Dara, dass etwas fehlte: Das heitere Rufen ihrer Freundinnen und Freunde war verstummt. Die Schneeballschlacht war entschieden, und das Rudel wartete auf sie, damit sie den nächsten Club unsicher machten. »Na, wer hat das Gefecht gewonnen?«, setzte Dara im Umdrehen an. »Gibt es Verl–« Sie stockte vor Schreck. Etwa drei Schritte von ihr entfernt erhob sich der gewaltige Umriss eines Menschen auf dem Wall, mindestens zwei Meter hoch und über die Maßen mit Muskeln bepackt; der um die Schultern gelegte Pelzmantel verstärkte den Eindruck. Das Gesicht lag im Schatten eines ausladenden Hutes mit breiter Krempe. »Hallo, Dara«, erklang eine feste Frauenstimme, in der etwas Tieferes mitschwang, als soufflierte ihr ein Mann aus dem Verborgenen. Rechts und links von der Gestalt saßen zwei elegante Katzen mit schwarz getigertem Fell, die Dara aus glühend roten Augen anfunkelten und der Unbekannten bis an den Oberschenkel reichten; die Schweife zuckten und wischten im Schnee. »Scheiße, was bist du denn?«, entfuhr es Dara. »Und wieso habe ich dich nicht gerochen?« Aus dem Schreck wurde Schock, als sie im Hintergrund die Körper ihrer Freundinnen und Freunde sah. Sie lagen am Boden. Um sie herum hatten sich rote Lachen gebildet, der Schnee war von den Spritzern gesprenkelt und verziert. »Weil ich es nicht wollte«, antwortete die duale Stimme. »Sonst wäre ich nicht nahe genug an dich herangekommen. Und dein Rudel.« Dara regte sich nicht, auch wenn sie die aufsteigende Wut nicht unterdrücken konnte. »Hast du sie umgebracht?« Das aufkommende Ziehen in ihren Gliedmaßen verkündete die bevorstehende Verwandlung in ihre Halbform. Ein Kampf war unausweichlich – und sehr gewünscht. »Wieso?« »Nicht einfach umgebracht. Vor die Wahl gestellt.« Die Unbekannte hob den Kopf leicht, und ein verirrter Lichtstrahl erhellte ihre Züge. »Sie lehnten ab.« Daras Augen weiteten sich. Der Unterkiefer des Wesens wirkte falsch, beim Sprechen zeigten sich zu große Zähne, als habe man den Kieferknochen eines Mannes in einen Frauenkopf transplantiert. Noch schrecklicher war die sich zersetzende rechte Gesichtshälfte anzusehen, während exakt in der Mitte übergangslos das Antlitz einer wunderschönen Frau begann. »Wer bist du? Was willst du?« »Mein Name ist Molaris«, antwortete das Wesen ruhig. »Und ich bin erschienen, um Fragen zu stellen.« Sie zeigte mit der behandschuhten Rechten auf die Leichen. »Wie ihnen. Wie dir. Wie vielen Angehörigen der Anderswelt. Einfache Fragen, die Antworten nach sich ziehen. Und Konsequenzen haben.« Dara hielt die Wandlung in eine Werwölfin zurück. Sie wollte mehr erfahren, falls die Auseinandersetzung nicht den gewünschten Verlauf nahm und sie flüchten musste. Ein Rudel Wandler in ihrem Rücken außer Gefecht zu setzen, ohne dass sie etwas davon gehört oder gerochen hatte, machte sie vorsichtig. »Die Konsequenz ist der Tod?« »Manchmal.« Molaris streichelte die riesigen Katzen, die sich an ihre Hände schmiegten und deren Schnurren an das Brodeln in einem Kessel erinnerte. Unvermittelt erklang vielstimmiges Lachen, und mehrere Besucher kamen die Treppe der Bastei hinauf. Niemand warf einen Blick zur Wallmauer hinauf. Die Gruppe eilte durch das Gestöber davon. Dara ballte die Finger zu Fäusten. »Du hast meine Freunde umgebracht!« »Ganz richtig. Aber sie hatten eine Wahl«, betonte Molaris. »Jeder und jede, den oder die ich aufsuche, wird sich entscheiden können. Du wirst sehen: Es ergibt alles Sinn.« Sie lächelte unter ihrem Hut hervor, einmal halb verfault, einmal anmutig und makellos. Dara dachte an die Gesichter zweier Puppern, die falsch montiert worden waren. Auf der Nase der Kreatur saß eine Zwickerbrille, die das Antlitz noch abstruser machte. »Du wirst auch mich fragen?« Molaris nickte. »Aber in deinem Fall werde ich dramatischer sein. Du bist etwas Besonderes. Das spüre ich, Dara. Du hattest Kontakt zum Reinen und Guten. Doch der Dämon in dir setzte sich hernach durch.« »Was redest du da für eine verfickte Scheiße?« »Du wirst wissen, was ich meine.« Molaris senkte den Kopf, und die Züge verschwanden im Schatten der Krempe. Hinkend machte sie einen Schritt auf die Wandlerin zu, dabei zog sie das rechte Bein leicht nach. »Es ist an der Zeit, dass ich dir die Wahl lasse.« Die beiden Katzen blieben stoisch sitzen und betrachteten die Wandlerin aus rot lodernden Augen. Dara wich zurück, um den Abstand zu halten. Sollte sie kämpfen oder verschwinden, um den Rest des Rudels zu warnen und die Meisterin zu kontaktieren? Die Leichen verrieten, dass Molaris trotz des Hinkens keine leichte Gegnerin war. Andererseits waren ihre Freundinnen und Freunde womöglich überrascht worden und es war kein fairer Kampf gewesen. »Ich will die Frage nicht hören.« Mit zwei raschen Sprüngen befand sich Dara auf der Mauer und drückte sich ab, um in die Tiefe zu springen und dem Scharmützel auszuweichen. Ihre Mission war größer. Die Anderswelt von Leipzig musste von dieser Verrückten erfahren, sosehr es sie schmerzte, keine Rache zu üben. Eine pötzliche Böe wirbelte, und wie aus dem Nichts stand Molaris auf der Mauerkrone. Sie packte Dara im Sprung in die platinblonden Haare und riss sie daran zurück, schmetterte sie auf den verschneiten Wall, sodass die Welt für Sekunden um die junge Wandlerin schwarz wurde.

Was bisher geschah: Band 1 & Band 2

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